"Cocaine"-Komponist J.J. Cale ist tot: Der Songwriter aus dem Trailerpark

Der Welthit "Cocaine" stammt von ihm und viele bekannte Songs mehr, mit denen aber andere, berühmtere Musiker Erfolge feierten: Eric Clapton, Carlos Santana, Johnny Cash. Jetzt ist der US-amerikanische Sänger und Songwriter J.J. Cale mit 74 Jahren gestorben.

Los Angeles/ Hamburg - Tom Petty, Lynyrd Skynyrd und Deep Purple, Johnny Cash, Randy Crawford und Santana - diese bei weitem nicht vollständige Liste berühmter Bands und Solo-Künstler, die seine Songs spielten und damit auch die Charts stürmten, liest sich beeindruckend. Doch Eric Clapton dürfte J.J. Cale wohl am meisten zu verdanken haben - und auch umgekehrt. Mit Cover-Versionen von "After Midnight" und vor allem von "Cocaine" gelang Clapton Anfang der Siebziger endgültig der Durchbruch zum Weltstar - und geschrieben hatte die Songs der US-amerikanische Singer-Songwriter J.J.Cale. Nun ist Cale gestorben, wie auf der Webseite des Musikers vermeldet wird. Er erlag am Freitagabend in einem Krankenhaus im kalifornischen La Jolla einem Herzinfarkt.

Aufgewachsen war der 1938 in Oklahoma City geborene Cale in der Stadt Tulsa, ebenfalls gelegen im Bundesstaat Oklahoma. In der lange Zeit als "oil capital of the world" bezeichneten Stadt, die diesen inoffiziellen Titel erst in den letzten Jahrzehnten langsam an das texanische Houston abtreten musste, spielte J.J. Cale bereits als Teenager in Clubs und schloss 1956 dort auch die Highschool ab.

1959 zog er um nach Nashville, einige Jahre trat er dort in der Grand Ole Opry, dem Olymp der Countrymusik, auf. In den frühen Sechzigern ging er dann nach Los Angeles, wo er als Toningenieur arbeitete und seine Solokarriere begann. Mit einigen anderen jungen Musikern aus seiner Heimatstadt schuf Cale den sogenannten Tulsa-Sound: eine sehr eigenwillige Mischung aus Rock'n'Roll, Country, Blues und Jazz. In dem von Lynyrd Skynyrd bekanntgemachten "Call Me the Breeze" dominiert der Blues, in "Don't Cry Sister" der Country-Sound. Reggae und andere karibische Rhythmen herrschen in "Crying" vor, "Durango" gleicht eher einer Jam-Session. Diesen Genre-Cocktail servierte Cale mit seiner charakteristischen näselnden Flüsterstimme und vor allem ganz "laid back" - tiefenentspannt also, ein typisches Kennzeichen seiner Musik.

Leben im Trailerpark

Die meisten seiner Songs erstellte Cale komplett allein - vom Schreiben über das Singen, das Spielen der Instrumente, das Aufnehmen und auch das Abmischen. Als Solo-Musiker gab er selbst ein gutes Dutzend Alben heraus, die ganz großen Chart-Erfolge blieben seinen eigenen Veröffentlichungen jedoch verwehrt. Ruhm und Anerkennung hingegen nicht: Erst 2006 war sein gemeinsames Blues-Album mit Eric Clapton, "The Road to Escondido", noch mit einer Grammy-Trophäe ausgezeichnet worden.

Viel Wert auf einen Platz im Rampenlicht legte Cale allerdings nicht, er betrachtete sich selbst als denjenigen, der im Hintergrund arbeitet, als denjenigen, der Songs schreibt, die andere dann aufnehmen oder covern - und diese Jobbeschreibung gab er auch stets zu Protokoll. Bloße Koketterie war seine Scheu vor dem großen Auftritt wohl nicht - nach dem Erscheinen von "The Road to Escondido" beschwerte er sich darüber, auf der Straße von älteren Damen erkannt zu werden, selbst wenn er seine Klage darüber später in einem Interview mit der "Welt" als etwas "aufgeblasen" relativierte. Auch live machte Cale sich rar, Tourneen lagen ihm nicht.

Mit einer Abneigung gegenüber dem unsteten, rastlosen Dasein auf Tour hatte dies aber nichts zu tun, das bezeugt der Lebensstil, den Cale über Jahre aus Überzeugung pflegte: Er wohnte in Trailerparks, lebte laut eigener Aussage aus dem Koffer - und hatte nicht einmal ein Bankkonto; Eric Clapton verbreitete die offenbar wahre Anekdote, dass Cale lange Zeit sein Geld in der Verkleidung seines Wohnmobils verwahrte. In den letzten Jahrzehnten wurde Cale aber dann doch sesshaft, zog mit seiner Frau aufs Land und lebte beschaulich: "Ich halte das Grundstück in Ordnung. Ich wasche ab. Ich gehe einkaufen. Ich genieße diese Dinge. Ich mähe den Rasen."

Wie stark der Kontrast zu früheren Lebensjahrzehnten gewesen sein muss, mag man einerseits an der schlichten Existenz des Riesenhits "Cocaine" ablesen. Egal, ob es sich bei dem Lied mit seinen umstrittenen Lyrics um eine Hymne auf die Droge handelt oder um einen Antidrogensong - der Autor muss in beiden Fällen einige Erfahrungen mit dem Rauschgift gesammelt haben. Und andererseits sah Cale mit entspanntem Fatalismus den möglichen Folgen seiner früheren Exzesse entgegen. In einem Interview mit der "Welt" sagte er 2009: "Ich nehme mal an, bei dem ungesunden Lebensstil, den ich in der Vergangenheit geführt habe, werde ich die 75 nicht erreichen."

Er sollte recht behalten: J.J. Cale starb im Alter von 74 Jahren, fünf Monate vor seinem 75. Geburtstag.

tdo/dpa

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