Comeback der No Angels Alte Engel, neuer Mut

Sie werden älter und brauchen das Geld? Keineswegs, behaupten die No Angels und verkaufen ihr überraschendes Comeback als Neuanfang mit frischen Kräften. In München stellte sich die erfolgreichste deutsche Mädchenband drei Jahre nach der Trennung den Journalisten.


München - Selbst bei Engeln kann die Aufregung manchmal groß sein: Als ihre neue Single "Goodbye to Yesterday" am Mittwoch in München zum ersten Mal öffentlich gespielt wurde, schossen Lucy, Nadja, Jessica und Sandy ein paar Tränen der Rührung in die Augen. "Wir sind so stolz", gluckste Sandy in die Kameras von nicht weniger als zehn Fernsehteams und rund 20 Fotografen. Drei Jahre nach ihrer Trennung will die Popband No Angels es noch einmal wissen. Ab Donnerstag, 0.00 Uhr, sollte ihr neuer Song in den Radios zu hören sein, am 23. März erscheint die Single im Handel. Sieben weitere Titel für das neue Album, das ebenfalls im Frühjahr in den Handel kommen soll, sind bereits aufgenommen. Und für Herbst ist eine Tournee geplant.

No-Angels-Mitglieder Nadja, Lucy, Sandy und Jessica: "Wir sind so stolz"
DDP

No-Angels-Mitglieder Nadja, Lucy, Sandy und Jessica: "Wir sind so stolz"

"Diesmal wird es kein Ende mehr geben", stellte Sandy Mölling, 25, klar. Bei dem großen Comeback der No Angels fehlt allerdings ein Engel: "Es ist schon so, dass das Bild nicht ganz komplett ist", kommentierte Lucy Diakovska, 30, die Tatsache, dass ihre Kollegin Vanessa Petruo, 27, bei dem Neustart nicht mehr mit von der Partie ist. Sicherlich sei ihr Fehlen auch für viele Fans eine Enttäuschung, waren sich die vier einig. Vanessa aber habe für sich entschieden, dass sie ihre Erfüllung auf Solopfaden gefunden habe. Gerüchte, dass möglicherweise persönliche Differenzen der Grund sein könnten, wiesen die Sängerinnen zurück.

Die No Angels waren Ende 2000 als Siegerinnen aus der ersten Staffel der TV-Castingshow "Popstars" hervorgegangen. In den kommenden Jahren legten sie einen sagenhaften Aufstieg im Musikgeschäft hin: Bis zu ihrer Trennung verkaufte die Girlgroup mehr als fünf Millionen CDs, stürmte mit Hits wie "Daylight" oder "Let's Go To Bed" die Charts. Im September 2003 verkündeten sie dann überraschend, dass sie fortan getrennte Wege gehen wollten. Als Grund für das Aus gaben die Mädchen damals Erschöpfung an. Sie hätten sich dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen gefühlt.

Dem wollen sie diesmal vorbeugen: "Wir werden uns nicht mehr verheizen und werden auf unsere Körpersignale hören", sagte Sandy. Früher hätten sie ihre Erfolge vor Stress überhaupt nicht genießen können. "Erst später kam der Punkt, an dem ich gedacht habe, diese Zeit war so toll", erinnerte sich Lucy. Gerade die Erfahrungen während ihrer Trennung gäben ihnen nun die Kraft für einen Neuanfang: "Diese drei Jahre haben uns reifen lassen, als Künstler, als Menschen und als persönliche Individuen."

"Wir wollen die Nation rocken"

Der erste Schritt auf dem Weg zum Comeback war von Diakovska ausgegangen. Sie habe "die Fühler ausgestreckt" und sei bei allen - mit Ausnahme von Vanessa - auf "offene Ohren gestoßen". Dass ihr Comeback etwas damit zu tun haben könnte, dass keine von ihnen mit ihren Solokarrieren an alte Erfolge anknüpfen konnte, verneinten die Sängerinnen: "Es wurde immer alles an No Angels gemessen", betonte Nadja Benaissa, 24. Ihnen sei es aber nicht nur um Chart-Positionen, sondern vor allem um ihre Entwicklung als Künstlerinnen gegangen. Jede von ihnen habe dabei große Schritte gemacht.

Anders als in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch, in dem die No Angels sehr wohl von einer Nummer-1-Platzierung und sogar einer internationalen Karriere träumten, gaben sie sich in München zurückhaltender. "Wir wollen eine Welle der Emotion auslösen, und wir wollen die Nation rocken", sagte Jessica Wahls, 29. Was dann daraus werde, liege nicht in ihrer Hand.

Einer kleiner Zwischenfall bewies dann noch, dass diese Band "Feuer hat", wie es ihr Sprecher Peter Lanz nannte. Als ein Fotograf versehentlich einen kleinen Feuerkübel auf der Bühne umstieß und ein paar Flammen auf dem Holzboden loderten, war Lucy sofort zur Stelle und löschte das Feuer beherzt mit ihren Schuhen. Das Bandlogo - eine Flamme - hat sie sich schon längst auf den Nacken tätowieren lassen.

Marina Antonioni, ddp



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