Countdown für Live 8 Künstler toll, Taschen voll

Die letzten Schrauben an den großen Bühnen für die "Live 8"-Konzerte werden festgezogen, der Countdown läuft: Morgen erheben zahlreiche Musiker ihre Stimme gegen Armut und Hunger in Afrika. Doch auch der Kritikerchor wird lauter.


"Live 8"-Vorbereitungen in Phildalphia: Im Zeichen der Entwicklungshilfe
AP

"Live 8"-Vorbereitungen in Phildalphia: Im Zeichen der Entwicklungshilfe

London - U2, Pink Floyd, Madonna, Coldplay, REM: Im Hyde Park wird die größte "Live 8"-Bühne auch die größten Namen versammeln. Über 200.000 Besucher erwarten die Veranstalter um den rührigen Alt-Rocker Bob Geldof alleine in London. Die Künstler wollen, ebenso wie bei den weiteren Veranstaltungen in Berlin, Tokio, Paris, Rom, Philadelphia, Johannesburg, Barrie (Kanada) und Moskau ohne Gage auftreten.

Gänzlich mit leeren Händen werden die Stars jedoch nicht nach Hause fahren, behaupten Kritiker. Jeder Künstler erhalte eine Designer-Tasche, meldete heute die Nachrichtenagentur AP, und die sei gefüllt mit Modeartikeln im Wert von rund 3000 Dollar (2500 Euro). Zusätzlich hätten die Prominenten, die mehrheitlich weiß seien und nicht aus Afrika stammten, die freie Wahl unter teuren Anzügen und Uhren. Theoretisch könnte somit jeder von ihnen Waren im Wert von insgesamt 12.000 Dollar (10.000 Euro) mitnehmen.

Dies sei ein Dankeschön dafür, dass die Musiker "ihre Zeit und Energie" opferten, sagte Nicole Cashman von der Firma, die die wertvoll beladenen Taschen zusammenstellte. Da fragte sich vermutlich nicht nur Rushworth Kidder vom Institut für globale Ethik in Camden, warum die Firmen, die die Geschenke gestiftet haben, das Geld nicht lieber für die Armutsbekämpfung spendeten.

Fotostrecke

7  Bilder
"Live 8" : Wo Entwicklungshilfe über die Bühne geht

Die Veranstalter des "Live 8"-Konzertes in Philadelphia beschäftigen sich indes mit anderen Fragen: Sie hoffen nach eigenen Angaben immer noch darauf, den unlängst vor Gericht freigesprochenen Popstar Michael Jackson sowie Sänger Prince für das Spektakel am Samstag gewinnen zu können. "Beide haben nicht abgesagt", sagte Mitveranstalter Russell Simmons in Philadelphia. "Solange sie nicht absagen, träume ich weiter."

Jackson sei der "schlagzeilenträchtigste" Künstler, den er für das Konzert bekommen könne. "Wenn er auf diese Bühne kommt, bedeutet das eine Menge." Dass der frühere King of Pop bis vor kurzem wegen angeblichen Kindesmissbrauchs vor Gericht gestanden habe, störe ihn dabei nicht, sagte Simmons. "Er wurde für unschuldig befunden."

Ihm schwebe vor, dass Jackson und Prince gemeinsam mit den anderen Musikern auf die Bühne kämen und den Achtziger-Jahre-Superhit "We Are The World" sängen, sagte der Veranstalter. Das Stück, an dem Jackson mitgeschrieben hatte, war 1985 von etlichen damaligen Superstars zu Gunsten von Afrika aufgenommen worden. Für das Konzert in Philadelphia am Samstag haben unter anderem die Soulsängerinnen Alicia Keys und Beyoncé sowie der Rapper Jay-Z und die Soullegende Stevie Wonder zugesagt.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.