Hamburg/Nashville - George Jones wurde am 18. April mit Fieber und irregulär hohem Blutdruck ins Vanderbild University Medical Center in Nashville eingeliefert. Am Freitag verstarb er eben dort. Er wurde 81 Jahre alt - in Anbetracht seines Lebenswandels ein geradezu biblisches Alter.
Denn Jones war in den siebziger Jahren nicht nur einer der ganz großen Stars des Country, der mit Stücken wie "He Stopped Loving Her Today" oder den Duetten mit Tammy Wynette wie "We're Gonna Hold On" den typischen Redneck-Sound der damaligen Zeit definierte. Er war auch ständig in den Schlagzeilen, weil ihn die Polizei wegen Trunkenheit am Steuer festnahm oder er im Rausch anderweitig auffiel.
In seinem "Honky Tonk Song" aus dem Jahre 1996 - 13 Jahre nachdem Jones mit Hilfe seiner vierten Frau Nancy Sepulvado dem Alkohol und dem Kokain entsagt hatte - besingt Jones eine Episode aus dieser Zeit: Weil seine Frau die Autoschlüssel versteckte, damit er nicht zur acht Meilen entfernten Trinkhalle fahren und Alkohol kaufen konnte, wählte er schließlich den motorisierten Rasenmäher als Transportmittel.
Balladen im Zeichen von Schuld und Sühne
Die eigene Unzulänglichkeit, die Abstürze und das Scheitern von Beziehungen: Jones' künstlerisches Wirken stand stark im Zeichen von Schuld und Sühne und vom Verlust der guten alten Zeit. In Countryballaden wie "Things Have Gone To Pieces" erzählte er von Armut und Arbeitslosigkeit im ländlichen Amerika. In seinem Absturz-Song "I Can't Go Home" sang er 1967: "Ich verlor meinen Kopf und der Wein machte alle zu Freunden / Ich konnte nicht aufhören und nun habe ich diese schuldigen Hände".
Über 150 Alben nahm Jones von den fünfziger bis in die neunziger Jahre auf - darunter 14 Nummer-eins-Hits - sein erster war 1961 eine Version des Rockabilly Klassikers "White Lightning". Sein sonorer, sanfter Bariton hatte Fans nicht nur in der Countryszene - auch Stars wie Frank Sinatra, Elvis Costello oder Pete Townshend zählten zu seinen Verehrern.
Der Country-Sänger Waylon Jennings erklärte einmal: "Wenn wir alle so klingen könnten, wie wir wollten, würden wir alles wie George Jones klingen."
twi/ap/Reuters
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