Pop-Rap-Star Cro "Ich fühle mich immer noch wie ein Kind"

Er ist der nette Panda-Rapper von nebenan, der mit Popsongs wie "Easy" die Charts eroberte. Jetzt erscheint Cros zweites Album "Melodie". Wir wollten wissen: Wohnt er als Star noch bei Mama? Was macht er mit all dem Geld? Und: Was ist eigentlich ein richtiger Mann?

DPA

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Cro, Ihr Debütalbum entstand in einem Zimmer im Haus ihrer Mutter. Wohnen Sie da eigentlich immer noch?

Cro: Ich habe auch eine eigene Wohnung in Stuttgart, aber das Zimmer mit dem Studio-Equipment bei meinen Eltern gibt es auch noch, klar. Daran wird sich nichts ändern. Die Musik wird ja nicht cooler, nur weil man sie in einem Profi-Studio aufnimmt. Ansonsten verbringe ich die meiste Zeit im Tourbus oder in Hotels.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch gar kein Bedürfnis verspürt, in eine Großstadt zu ziehen?

  • Delia Baum
    Cro, bürgerlich Carlo Waibel, 1990 in Aalen geboren, ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper und Popstars. Von den Singles (unter anderem "Easy", "Du", "Whatever") und seinem 2012 beim Independent-Label Chimperator veröffentlichten Debütalbum "Raop" (steht für Rap-Pop) verkaufte er mehr als 1,5 Millionen Exemplare. Waibel, der seine Musik im Schlafzimmer-Studio in seinem Stuttgarter Elternhaus aufnimmt und produziert, trägt in der Öffentlichkeit eine Pandabären-Maske. Nebenbei betreibt er das Design- und Modelabel Viovio. Sein zweites Album "Melodie" erscheint am 6. Juni.

Cro: Nee, noch nicht. Ich fahre gerne mal übers Wochenende nach Berlin, ansonsten bin ich wirklich gerne in Stuttgart. Da ist alles zentral, alle Klubs, alle Menschen sind in einer Straße, man kennt sich, es ist nicht so anonym.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben für Ihr erstes Album Gold- und Platinauszeichnungen bekommen, die Verkäufe waren enorm. Was machen Sie mit dem ganzen Geld?

Cro: Ich habe mein Modelabel weitergeführt und größer gemacht, Lagerräume gekauft, Menschen eingestellt. Dann hab ich mir natürlich ein bisschen Musik-Equipment gekauft. Aber sonst habe ich eigentlich eher anderen Menschen Träume erfüllt. Meiner Mutter zum Beispiel habe ich eine Ente gekauft, also einen Citroen 2CV, das war ihr Jugendtraum. Ist aber nichts Dolles. Ich sag immer zu ihr: Fahr bloß langsam und vorsichtig!

SPIEGEL ONLINE: Eigene Firma und Mitarbeiter - wie passt das zum Credo Ihrer Songs, dass man möglichst nicht erwachsen werden sollte?

Cro: Man muss immer manchmal abgecheckt und erwachsen sein. Verträge, Krankenversicherung, Bausparvertrag - da geht es nicht anders. Aber das macht mich nicht zum Erwachsenen. Ich fühle mich immer noch wie ein Kind. Und ich mache alles mit einer eher kindischen Einstellung.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange können Sie den Berufsjugendlichen noch glaubhaft verkörpern?

Cro: Im Moment bin ich noch so nah an der Jugend dran, dass ich locker immer noch ein Kind sein kann. Ich verstelle mich nicht. Es gibt vielleicht Leute, die meinen, dass ich künstlich auf kindisch mache, das stimmt aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Die Botschaft auch Ihrer neuen Lieder ist: Denke nicht so viel über Morgen nach, nimm das Leben nicht so ernst. Als erfolgreicher, finanziell privilegierter Popstar sagt sich das leicht.

Cro: Es war ja nie mein Ziel, erfolgreich zu werden. Ich hatte von Anfang an die Einstellung, Dinge nicht so ernst zu nehmen. Sicher, es ist cool, was da gerade passiert, und ich nehm's gerne mit. Aber als ich gar kein Geld hatte, war ich genauso froh wie jetzt - vielleicht sogar sorgenfreier. Wenn man das Geld erst mal hat, dann fangen die Sorgen an: Was mach ich damit, werde ich es halten, kann's verloren gehen? Ist komisch.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß war bei der Arbeit an "Melodie" der Druck, das nächste "Easy" zu schreiben, den nächsten Sommerhit?

Cro: So gehe ich da nicht ran. "Easy" hat damals den Zeitgeist getroffen, das war perfekt. Aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues. Klar, die Leute werden die neue Platte kritischer bewerten als die erste. Es fühlt sich so an, als würde sich jeder in Deutschland "Melodie" mindestens einmal anhören, allein um Bescheid zu wissen. Da geht einem dann doch schon mal kurz der Puls hoch.

SPIEGEL ONLINE: Und dann?

Cro: Dann denke ich mir: Chill mal und leg lieber los. Ausblenden, Laptop zu, Handy aus. Und dann mach ich für mich allein ein Lied, das mir gefällt. Und Dinge, die mir gefallen, das hat sich ja herausgestellt, gefallen auch anderen.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt auch einige, denen Ihre Musik nicht gefällt. Denen geben Sie überraschend giftig im Intro "I Can Feel It" Ihrer neuen Platte einen mit: "Und so viele Rapper hassen mich" unterstellen Sie - weil Sie Platten verkaufen und die Massen erreichen, die anderen dagegen nicht.

Cro: Es gibt viele, die meine Arbeit beschissen finden und mir auch so entgegentreten. Ich denke dann: Lass mich doch machen. Bei meiner Musik springen die Leute auf, bei anderen Sachen eben nicht. Ich weiß auch nicht, warum. Also hört auf, mich ständig deswegen anzupissen.

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SPIEGEL ONLINE: Sie hätten gerne mehr Respekt aus der Szene?

Cro: Von den Menschen mit Ahnung bekomme ich Respekt und habe dadurch auch eine Daseinsberechtigung. Und auch der Erfolg gibt mir ein bisschen recht. Wenn da noch ein paar kommen und meinen, es wäre uncool, oder die "taz" schreibt, ich hätte keinen Penis… pfff, das ist mir voll egal. Finde ich sogar eher gut: Leute, die schreiben, dass etwas scheiße ist, kommen erst, wenn man Erfolg hat.

SPIEGEL ONLINE: In Ihren Texten inszenieren Sie sich als Antiheld, in der Öffentlichkeit tragen Sie eine niedliche Panda-Maske. Sind Sie wirklich so ein Softie?

Cro: Softie nicht wirklich, eher sehr selbstironisch. Die paar Menschen, die das nicht raffen, die sind eh hohl, die brauchen wir nicht. Der Großteil kapiert das schon.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihre Männlichkeit definieren?

Cro: Schwierig zu sagen: Was ist männlich? Der typische Mann sitzt in Jogginghose im Sessel, guckt Fußball, trinkt Bier, isst Schwein, steht auf Autos und auf Tattoos am Arsch von Frauen… Nee, der bin ich nicht. Wenn ich weiß, ich kann's mir erlauben, dann bin ich selbstbewusst und frech. Aber ansonsten höre ich einer Frau auch mal stundenlang zu. Ich bin eine ganz normale, gesunde Mischung aus Macho und Frauenversteher. Wie meine Mutti immer sagt: alles mit Maß und Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Und die Maske bleibt?

Cro: Ja, für immer. Forever ever.

SPIEGEL ONLINE: Es erkennt Sie doch mittlerweile eh jeder.

Cro: Nein, Quatsch, das stimmt überhaupt nicht. Es gibt ja auch im Internet kein Bild von mir. Ich laufe durch die Straßen und werde null erkannt, einmal im Monat vielleicht. Das ist gut für meinen Charakter. Hätte ich die Maske nicht, wäre ich glaube ich anders zu fremden Menschen. Dann hätte ich wahrscheinlich Starallüren. Wenn ich den Schutzschild Maske nicht hätte, brauchte ich den Schutzschild des Arschlochseins. So bin ich aber nicht, ich bin nett. Und ich will nicht durch die Gegend laufen und mich verstecken müssen.

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insgesamt 30 Beiträge
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ththt 01.06.2014
1. Rapper?
Dieser Typ mag alles sein, aber ganz bestimmt kein Rapper. Habe mir gerade mal 2-3 Lieder von dem angehört und das hat mir Rap so gut wie gar nichts zu tun.
Greyjoy 01.06.2014
2.
Seine Musik mag ich überhaupt nicht. Allerdings könnte das auch den Leuten liegen die wohl zur Hauptzielgruppe gehören. Pseudofreigeister und allgemein junge Möchtegerns die im Endeffekt kaum spießiger sein könnten. Für seine Fans kann der Kerl aber nix. Den Erfolg sollte man ihm gönnen.
Benutzernameoptional 01.06.2014
3. Musik ist BWL
Was für eine "Szene" soll es in der Musik denn geben? Es ist immer ein Markt von Fans, der - mit ohne Penis - penetriert werden soll. Das wusstenNicole, Public Enemy, NWA, Puff Daddy, Sido, Bushido und eben auch Cro. Man versucht, ein Lebensgefühl zu treffen und damit Kohle zu machen. Man sollte Musik nicht überbewerten. @ththt Genau, deshalb nennt sich seine Musik auch Raop und nicht Rap.
Benutzernameoptional 01.06.2014
4. Musik ist BWL
Was für eine "Szene" soll es in der Musik denn geben? Es ist immer ein Markt von Fans, der - mit oder ohne Penis - penetriert werden soll. Das wussten Nicole, Die Zillertaler Schürzenjäger, Public Enemy, NWA, Puff Daddy, Sido, Bushido und eben auch Cro. Man versucht, ein Lebensgefühl zu treffen und damit Kohle zu machen. Man sollte Musik nicht überbewerten. @ththt Genau, deshalb nennt sich seine Musik auch Raop und nicht Rap.
kategorien 01.06.2014
5. Ist doch gut
Die Kommentare sind mal wieder verblüffend. Auch wenn ich Cro nicht höre, ist es doch ein nettes Interview. Es freut mich, dass es ein deutscher Rapper oder Hiphopper überhaupt so lange in den deutschen Charts gehalten hat. Ist doch gut.
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