Pop! Irre? Oder nicht?

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Sinead O'Connor galt mal als großes Talent - und machte später doch nur Schlagzeilen der abwegigen Art. Nun meldet sie sich mit neuer Musik zurück. Alle reden von Adele, aber noch mehr Geld verdient Sade. Und Kanye West ist mal wieder beleidigt.

Pop! Irre? Oder nicht? Fotos
Getty Images

Irre Karriere

Kaum ein Künstler, der es mal in die Champions-League-Regionen der globalen Charts schaffte, demontierte sich so nachhaltig wie die kahlgeschorene Irin Sinead O'Connor. Mit der von Prince geschriebenen Schmacht-Nummer "Nothing Compares 2 U" kam sie, vor nun auch schon zwanzig Jahren, groß raus. Ihren Abstieg leitete sie wenig später ein, als sie im US-Fernsehen vor laufender Kamera ein Foto von Papst Johannes Paul II. zerriss. Die Empörung war gewaltig und die Reaktion der Musikerin hilflos.

Seitdem fiel Sinead O'Connor überwiegend durch mehr oder weniger traurige Aktionen auf. Mal behauptete sie, nur Frauen zu lieben und nahm das flugs zurück. Dann suchte sie per Zeitungsannonce einen Mann für Sex, heiratete, ließ sich umgehend scheiden, versöhnte sich noch schneller, trennte sich noch mal und wagte noch einen Versuch. Zuletzt war sogar von einem Suizidversuch die Rede. Nun meldet sie sich überraschend mit dem neuen Album "How About I Be Me (And You Be You?)" zurück, und die große Frage lautet: Interessiert sich noch irgendwer für ihre Musik? Ist Sinead O'Connor als Künstlerin noch ernst zu nehmen oder ein trauriger Pflegefall? Lesenswerte Antworten bietet die Online-Ausgabe des "Guardian" in einem schönen Gespräch mit der umstrittenen Musikerin.

Noch spannender aber ist ihre eigene Web-Seite. Da posiert die 45-Jährige unbekleidet, bedeckt nur von einer Gitarre. Als Warnung ist eingangs zu lesen: "This Site Contains Adult Themes and Is for Age 18 and Over." Was wilder klingt als es ist. Vielmehr äußert sich O'Connor hier mal selber ausgiebig zum Chaos ihres Lebens: "Since my first record all that has happened is I get treated like a crazy person, in a world where crazy is used as a stick with which to beat someone. It's very nasty ... And loads of people then in ur life think its ok to treat u like shit and dismiss you as 'mad'. It's very sore."

Was eher tragisch als irre klingt!

Überraschende Großverdienerin

Adele hat zwar zuletzt in den USA für denkbar viel Furore gesorgt, aber die erfolgreichste britische Sängerin war sie dort deshalb noch lange nicht. Auf einer nun veröffentlichten und von Taylor Swift angeführten Liste der Pop-Großverdiener in den USA rangiert Adele nur auf Platz zehn (13,1 Millionen Dollar). Vier Plätze davor aber landete ohne viel Getöse ihre britische Kollegin Sade (16,4 Millionen Dollar). Was die Londoner Kuschel-Jazz-Expertin ("Smooth Operator") vor allem einem "Greatest Hits"-Album mit begleitender Arena-Tournee zu verdanken hat. Ein erstaunlicher Triumph für die dezente Sade, die nun auch schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert ihre Lieder schnurrt.

Kollabierte Computer

Wie begehrt die Electro-Veteranen von Kraftwerk immer noch sind, belegte eindrucksvoll der Ansturm auf die Tickets ihrer anstehenden Konzertreihe im MoMA zu New York. Vom 10. bis zum 17. April werden die Düsseldorfer acht Abende lang jeweils ein Album komplett aufführen. Von "Autobahn" bis "Tour De France". Die Karten dafür waren so begehrt, dass die Computer der Veranstalter kollabierten. Ein Restkontingent wird nun auf dieser Web-Seite verlost.

Zickige Mimose

Der Rapper und Kaminliebhaber Kanye West ist gut im Austeilen, aber schlecht im Einstecken. Insbesondere Journalisten mag er seit geraumer Zeit gar nicht mehr, wie der "New Musical Express" online berichtet. Weil bei der Premiere seiner neuen Frauen-Mode-Kollektion im vergangenen Herbst der mediale Beifall eher dezent war, ist er nun mucksch. Bei seiner jüngsten Modenschau Anfang des Monats in Paris waren Journalisten unerwünscht: "Ich wurde das letzte Mal schlecht behandelt. Warum sollte ich mir das noch mal antun?"

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
Gegengleich 16.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSinead O'Connor galt mal als großes Talent - und machte später doch nur Schlagzeilen der abwegigen Art. Nun meldet sie sich mit neuer Musik zurück. Alle reden von Adele, aber noch mehr Geld verdient Sade. Und Kanye West ist mal wieder beleidigt. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,821586,00.html
Wieso sollte O'Connor als Künstlerin nicht ernstgenommen werden? Weil Sie "irre" ist? Seit wann schließt sich das aus? Jeder, der die Vorgängeralben kennt, wird diese zu schätzen wissen. Und wird auch weiterhin an O'Connor als Künstlerin - und nicht als Füllstoff für Klatschspalten - interessiert sein.
2. ...
crunchy_frog 16.03.2012
Zitat von GegengleichWieso sollte O'Connor als Künstlerin nicht ernstgenommen werden? Weil Sie "irre" ist? Seit wann schließt sich das aus? Jeder, der die Vorgängeralben kennt, wird diese zu schätzen wissen. Und wird auch weiterhin an O'Connor als Künstlerin - und nicht als Füllstoff für Klatschspalten - interessiert sein.
Warum soll sie ernstgenommen werden? Hätte sie damals nicht den Prince-song geträllert - ein Leistung, die noch jede DSDS-Göre hinbekommen hätte - wäre sie heute noch nicht mal ein unbedeutendes One Hit Wonder, sondern eine Hausfrau in einem irisischen Kaff, die in ihrer frühen Jugend mal irgendwas gesungen hat, was heute keiner mehr kennt.
3.
molesman 16.03.2012
Zitat von crunchy_frogWarum soll sie ernstgenommen werden? Hätte sie damals nicht den Prince-song geträllert - ein Leistung, die noch jede DSDS-Göre hinbekommen hätte - wäre sie heute noch nicht mal ein unbedeutendes One Hit Wonder, sondern eine Hausfrau in einem irisischen Kaff, die in ihrer frühen Jugend mal irgendwas gesungen hat, was heute keiner mehr kennt.
Sie haben die Nummer aber schon mal gehört oder? Dass die Frau die Idealbesetzung war, auch stimmlich ist Ihnen dabei scheinbar entgangen. Der DSDS Vergleich hinkt grausam. Damals musste man, mit Ausnahme einiger Stock Aitken Waterman Sternchen noch etwas können um Erfolg zu haben. Ja, man durfte sogar über 30 sein, etwas mehr auf den Hüften haben oder sonstwie nicht dem Schönheitsideal entsprechen und dennoch kauften die Leute was sie hören wollten statt heute aus dem Netz zu saugen was ihnen mehr stiltechnisch oder optisch zusagt. Ich bin kein Fan von solcher Musik, aber an der Nummer und Leistung muss man nicht rütteln. Das war schon hervorragend. Und wer in den letzten 25 Jahren auch einen Welthit hatte und daran karrieretechnisch anknüfen konnte der werfe den ersten Stein. Ich finde es immer wieder amüsant wie aus dem Graumaussegment normale Menschen von "nur einem Hit" schreiben. Lieber ein "One Hit Wonder" als gar keines oder?
4.
crunchy_frog 16.03.2012
Zitat von molesmanSie haben die Nummer aber schon mal gehört oder? Dass die Frau die Idealbesetzung war, auch stimmlich ist Ihnen dabei scheinbar entgangen. Der DSDS Vergleich hinkt grausam. Damals musste man, mit Ausnahme einiger Stock Aitken Waterman Sternchen noch etwas können um Erfolg zu haben. Ja, man durfte sogar über 30 sein, etwas mehr auf den Hüften haben oder sonstwie nicht dem Schönheitsideal entsprechen und dennoch kauften die Leute was sie hören wollten statt heute aus dem Netz zu saugen was ihnen mehr stiltechnisch oder optisch zusagt. Ich bin kein Fan von solcher Musik, aber an der Nummer und Leistung muss man nicht rütteln. Das war schon hervorragend. Und wer in den letzten 25 Jahren auch einen Welthit hatte und daran karrieretechnisch anknüfen konnte der werfe den ersten Stein. Ich finde es immer wieder amüsant wie aus dem Graumaussegment normale Menschen von "nur einem Hit" schreiben. Lieber ein "One Hit Wonder" als gar keines oder?
Das bestimmt. Nur sehe ich da keine Leistung. Was bitteschön hatte sie bemerkenswertes gemacht, außer einmal was gesungen, was ein anderer komponiert hat? War sie für mitreissende Liveshows bekannt? Hat sich auch bemerkenswerte Eigenkompositionen gehabt? Konnte sie sich wenigstens als Marke etablieren (wie z.B. Joe Cocker oder Tina Turner)? Nein, nichts von alledem. Sie hat einen Princesong geträllert. Und das bekommt wirklich jede DSDS Kandidation hin (oder jede sonst mit wenigstens einigermassen Gesangstalent). Ihre Relevanz im musikalischen Bereich ist irgendwo zwischen Pete Burns und Brigitte Nielsen anzusiedeln. Sie hatte ihre 15 Minuten Ruhm und fällt seither nur noch durch Peinlichkeiten auf. Besser als nichts, das stimmt.
5.
sunshine17 16.03.2012
Zitat von crunchy_frogDas bestimmt. Nur sehe ich da keine Leistung. Was bitteschön hatte sie bemerkenswertes gemacht, außer einmal was gesungen, was ein anderer komponiert hat? War sie für mitreissende Liveshows bekannt? Hat sich auch bemerkenswerte Eigenkompositionen gehabt? Konnte sie sich wenigstens als Marke etablieren (wie z.B. Joe Cocker oder Tina Turner)? Nein, nichts von alledem. Sie hat einen Princesong geträllert. Und das bekommt wirklich jede DSDS Kandidation hin (oder jede sonst mit wenigstens einigermassen Gesangstalent). Ihre Relevanz im musikalischen Bereich ist irgendwo zwischen Pete Burns und Brigitte Nielsen anzusiedeln. Sie hatte ihre 15 Minuten Ruhm und fällt seither nur noch durch Peinlichkeiten auf. Besser als nichts, das stimmt.
nur weil Sie so ignorant sind und keine anderen Songs kennen, ist dem so?? Ich empfehle nur mal den Film "Die Journalistin" und die entsprechende Filmmusik von ihr.
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Zur Person
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.
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