Von Christoph Dallach
Irre Karriere
Kaum ein Künstler, der es mal in die Champions-League-Regionen der globalen Charts schaffte, demontierte sich so nachhaltig wie die kahlgeschorene Irin Sinead O'Connor. Mit der von Prince geschriebenen Schmacht-Nummer "Nothing Compares 2 U" kam sie, vor nun auch schon zwanzig Jahren, groß raus. Ihren Abstieg leitete sie wenig später ein, als sie im US-Fernsehen vor laufender Kamera ein Foto von Papst Johannes Paul II. zerriss. Die Empörung war gewaltig und die Reaktion der Musikerin hilflos.
Seitdem fiel Sinead O'Connor überwiegend durch mehr oder weniger traurige Aktionen auf. Mal behauptete sie, nur Frauen zu lieben und nahm das flugs zurück. Dann suchte sie per Zeitungsannonce einen Mann für Sex, heiratete, ließ sich umgehend scheiden, versöhnte sich noch schneller, trennte sich noch mal und wagte noch einen Versuch. Zuletzt war sogar von einem Suizidversuch die Rede. Nun meldet sie sich überraschend mit dem neuen Album "How About I Be Me (And You Be You?)" zurück, und die große Frage lautet: Interessiert sich noch irgendwer für ihre Musik? Ist Sinead O'Connor als Künstlerin noch ernst zu nehmen oder ein trauriger Pflegefall? Lesenswerte Antworten bietet die Online-Ausgabe des "Guardian" in einem schönen Gespräch mit der umstrittenen Musikerin.
Noch spannender aber ist ihre eigene Web-Seite. Da posiert die 45-Jährige unbekleidet, bedeckt nur von einer Gitarre. Als Warnung ist eingangs zu lesen: "This Site Contains Adult Themes and Is for Age 18 and Over." Was wilder klingt als es ist. Vielmehr äußert sich O'Connor hier mal selber ausgiebig zum Chaos ihres Lebens: "Since my first record all that has happened is I get treated like a crazy person, in a world where crazy is used as a stick with which to beat someone. It's very nasty ... And loads of people then in ur life think its ok to treat u like shit and dismiss you as 'mad'. It's very sore."
Was eher tragisch als irre klingt!
Überraschende Großverdienerin
Adele hat zwar zuletzt in den USA für denkbar viel Furore gesorgt, aber die erfolgreichste britische Sängerin war sie dort deshalb noch lange nicht. Auf einer nun veröffentlichten und von Taylor Swift angeführten Liste der Pop-Großverdiener in den USA rangiert Adele nur auf Platz zehn (13,1 Millionen Dollar). Vier Plätze davor aber landete ohne viel Getöse ihre britische Kollegin Sade (16,4 Millionen Dollar). Was die Londoner Kuschel-Jazz-Expertin ("Smooth Operator") vor allem einem "Greatest Hits"-Album mit begleitender Arena-Tournee zu verdanken hat. Ein erstaunlicher Triumph für die dezente Sade, die nun auch schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert ihre Lieder schnurrt.
Kollabierte Computer
Wie begehrt die Electro-Veteranen von Kraftwerk immer noch sind, belegte eindrucksvoll der Ansturm auf die Tickets ihrer anstehenden Konzertreihe im MoMA zu New York. Vom 10. bis zum 17. April werden die Düsseldorfer acht Abende lang jeweils ein Album komplett aufführen. Von "Autobahn" bis "Tour De France". Die Karten dafür waren so begehrt, dass die Computer der Veranstalter kollabierten. Ein Restkontingent wird nun auf dieser Web-Seite verlost.
Zickige Mimose
Der Rapper und Kaminliebhaber Kanye West ist gut im Austeilen, aber schlecht im Einstecken. Insbesondere Journalisten mag er seit geraumer Zeit gar nicht mehr, wie der "New Musical Express" online berichtet. Weil bei der Premiere seiner neuen Frauen-Mode-Kollektion im vergangenen Herbst der mediale Beifall eher dezent war, ist er nun mucksch. Bei seiner jüngsten Modenschau Anfang des Monats in Paris waren Journalisten unerwünscht: "Ich wurde das letzte Mal schlecht behandelt. Warum sollte ich mir das noch mal antun?"
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