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Gedenken an David Bowie: Karaoke für den Thin White Duke

Bowie-Ehrungen: Und jetzt alle: "Ground control to Major Tom" Fotos
AFP

Mit Blaskapelle oder im Karaoke-Chor: Rund um die Welt gedachten übers Wochenende Fans des mit 69 Jahren verstorbenen David Bowie. Das letzte Album, das der Popstar vollenden konnte, führt derweil die Hitparaden an - eine zum ersten Mal.

Der Höhepunkt war eine Karaoke-Version des Hits "Starman" von 1972: Die meisten der rund 900 Fans, die sich in der Union Chapel, einer häufig für Konzerte genutzten Kirche im Londoner Stadtteil Islington, versammelt hatten, sangen mit voller Kehle mit - und erinnerten so am Sonntagabend an David Bowie, den eine Woche zuvor im Alter von 69 Jahren verstorbenen Musiker.

"Die Welt wäre ein anderer Ort ohne David Bowie, und viele Menschen haben das Bedürfnis, sich von ihm zu verabschieden", sagte einer der Organisatoren, Stefan Simanowitz. Der Abend sei für "alle, deren Leben von seiner Musik geprägt war".

Musiker spielten Bowies Lieder auf höchst unterschiedliche Art - so gab es Elektroklänge, eine Harfe und eine singende Säge. Zu den prominenteren Bühnengästen zählten David McAlmont, Dan Gillespie Sells von der Band The Feeling und die Magic Numbers. Die Schwester des verstorbenen Gitarristen Mick Ronson, der in Bowies Band Spiders from Mars spielte, hielt eine Rede.

Am Samstag hatte die US-Südstaatenmetropole New Orleans auf lokaltypischer Weise des Verstorbenen gedacht: mit einer Straßenparade. Zu diesem Zweck hatten sich die Preservation Hall Jazz Band und Musiker der von Bowie geschätzten Band Arcade Fire zusammengetan.

Hunderte von Fans, viele in Bowie-Verkleidung, marschierten durch die Straßen der Stadt und hörten Blaskapellen-Versionen von Bowie-Hits wie "Heroes", "Fame" oder "Oh! You Pretty Things", angeführt von Arcade-Fire-Sänger Win Butler in pinkem Jackett und mit rotem Megaphon. "Das ist die Art von Feier, die sich Bowie gewünscht hätte", sagte der Direktor der Preservation Hall, Ben Jaffe: "Leute, die auf der Straße tanzen."

Im kanadischen Toronto fanden sich über 500 Sänger in der Art Gallery of Ontario zusammen, um eine eindrucksvolle Chor-Version desBowie-Klassikers "Space Oddity" vorzutragen. Das YouTube-Video davon verbreitete sich am Montag über die sozialen Netzwerke. Sehen Sie es hier:

David Bowies Familie hatte in einem Statement klargestellt, dass die Veranstaltungen zu Ehren des Sängers alle begrüßenswert, "aber keine offiziellen Gedenkfeiern, die von der Familie organisiert oder unterstützt werden" seien.

Dies galt auch für die Feier im Berliner Hansa Studio, wo Bowie einst sein Album "Heroes" aufgenommen hatte. Dort drängten sich am Freitag Hunderte Menschen, viele still und in sich gekehrt.

Im Aufnahmeraum des Studios herrschte bald drangvolle Enge. Über eine große Leinwand flimmerten Bilder von Bowie und persönliche Erinnerungsfotos der Fans. Der Toningenieur Eduard Meyer, der an "Heroes" mitarbeitete, spielte auf der Bühne noch einmal seinen damaligen Cello-Part im Song "Art Decade". "Ich mache einfach mal Musik, ich spreche mit meinem Instrument", sagt er.

In Berlin, wo David Bowie von 1976 bis 1978 lebte, wird derweil eifrig darüber diskutiert, ob eine Straße nach dem Musiker benannt werden sollte. Eine Internet-Petition, die das fordert, hat bis Montagmittag etwas über 10.000 Unterstützer gefunden. Auf Höhe der Hauptstraße 155 in Schöneberg, wo Bowie seinerzeit wohnte, wurde spontan schon ein Straßenschild angebracht.

Doch die Forderung nach einer dauerhaften David-Bowie-Straße ist nicht die einzige, für die im Netz Unterstützung gesucht wird: Ein US-Amerikaner fordert, "irgendwas auf dem Mars" nach dem Sänger von "Life on Mars?" zu benennen. Ein blitzförmiges Sternenbild immerhin soll Bowie und seiner Kunstfigur Ziggy Stardust gewidmet werden.

Viel Unterstützung findet in Großbritannien eine Petition, die neue 20-Pfund-Banknote mit einem Bild Bowies zu versehen. Die wohl originellste Forderung hatte Andrea Natella aus Rom: Der für subversive Marketingaktionen bekannte Soziologe wendet sich an "Gott oder wer auch immer zuständig ist": David Bowie dürfe einfach nicht tot sein.

Sicher weiterleben wird aber Bowies Musik. Sie ist derzeit in den internationalen Hitparaden so populär wie nie. In Großbritannien schafften es zehn Alben in die Top 40; in Deutschland stieg das letzte zu Lebzeiten vollendete Album "Blackstar" auf Platz eins der Charts ein.

Dies schaffte Bowie nun auch zum ersten Mal in den USA: "Blackstar" verdrängte dort das Album des britischen Superstars Adele, "25", das sich sieben Wochen lang auf Platz an der Spitze der US-Abumcharts gehalten hatte. Auf Platz vier der US-Charts kehrte das Album "Best of Bowie", das 2002 veröffentlicht worden war, zurück in die Album-Hitliste. Vor seinem Tod hatte Bowie sieben Alben in den US-Top-Ten, keines aber hatte es auf den ersten Platz geschafft.

feb/AFP/AP/dpa

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