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Vinyl-Klassiker von Deep Purple: Das Riff, das rockt

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Deep Purple: Rauch auf dem Wasser Fotos
Corbis

Bekanntestes Gitarrenriff aller Zeiten? "Smoke On The Water" von Deep Purple natürlich! Im April wird die britische Rockband in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Zur Einstimmung gibt's ihre besten Alben neu auf Vinyl.

Über die gewichtige Frage nach dem Gitarren-Riff aller Zeiten lässt sich endlos debattieren. In der Regel werden immer dieselben Klassiker herbeigeholt: Led Zeppelins "Whole Lotta Love", Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" oder Deep Purples "Smoke On The Water". Natürlich gibt es noch zig weitere Kandidaten, aber alleine das letztgenannte Stück von 1972 haben inzwischen Generationen Pubertierender breitbeinig mit Luftgitarren und Tennisschlägern in ihren Kinderzimmern nachgeäfft. Kein Wunder, dass "Smoke On The Water" in den USA angeblich der bekannteste Song nach der Nationalhymne ist. Auch in Gitarrenfachgeschäften soll "Smoke On The Water" nach Led Zeppelins "Stairway to Heaven" das meist angestimmte Lied sein. (Kennen Sie nicht? Hier auf YouTube anhören!)

Der für das markante Riff verantwortliche Gitarrist Ritchie Blackmore, ein Virtuose, der im persönlichen Umgang allerdings als schwierig gilt, hat für Amateure wenig Verständnis und meinte einst, dass die meisten Menschen zu blöd wären sein Riff angemessen nachzuspielen. Was er allerdings auch aus Trotz gesagt haben könnte, weil insbesondere Deep-Purple-Fans immer wieder mal mosern, "Smoke On The Water" sei eigentlich ein eher schlichter Song.

Den "Rauch über dem Wasser" den die britischen Rocker da beschwören gab es tatsächlich. Im Dezember 1971 waren Deep Purple nach Montreux in der Schweiz gereist, um ein neues Album einzuspielen. Aber dann brannte während eines Konzerts von Frank Zappa der Ort ab an dem die Sessions stattfinden sollten, so das die Künstler stattdessen den über den Genfer See ziehenden Qualm verewigten.

Das Album dazu wurde dann "Machine Head", das mit Songs wie "Highway Star", "Space Truckin'" und eben "Smoke On The Water" zum kommerziell erfolgreichsten Werk der Band wurde. Auch musikalisch setzten Deep Purple mit "Machine Head" Maßstäbe. Bei Wikipedia ist vermerkt, dass das Album "entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Heavy Metal" gehabt habe. Ozzy Osbourne zählt "Machine Head" zu seinen zehn Lieblingsplatten aller Zeiten, und Metallicas Taktgeber Lars Ulrich preist Deep Purples "Made in Japan", das auf der Tour zu "Machine Head" eingespielt wurde, als sein allerliebstes Album überhaupt.

Quintett von Könnern

"Machine Head" wurde jetzt, zusammen mit sechs weiteren Deep-Purple-Alben in der Box "The Vinyl Collection" neu aufgelegt. Zu der Sammlung gehören auch "Who Do We Think We Are", "Burn", "Stormbringer", "Come Taste The Band" sowie die Spätwerke "Perfect Strangers" und "The House Of Blue Light". Alles wurde anhand der Originalbänder restauriert und optisch so aufbereitet, wie sie einst in die Läden kamen. Dass die Auswahl der Alben etwas seltsam geriet - frühe Klassiker wie "In Rock" fehlen, dafür gibt es späte Highlights wie "Perfect Strangers" - ist Lizenzproblemen zuzuschreiben.

In der ersten Hälfte der Siebzigerjahre galten Deep Purple mit Led Zeppelin und Black Sabbath als "Unholy Trinity of British Hard Rock and Heavy Metal". Die 1968 gegründete Band verkaufte zwar 150 Millionen Alben, wurde aber nie mit so viel Respekt bedacht wie Led Zeppelin oder Black Sabbath, was auch mit dem stetig wechselnden Personal zu tun haben dürfte. Fans gilt die sogenannte "Mark II"-Besetzung mit Jon Lord, Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice als Maß aller Dinge. Ein Quintett von Könnern, das Albun-Klassiker wie "In Rock", "Fireball" und "Machine Head" verantwortete und nach langer Pause noch mal für "Perfect Strangers" und "The House of Blue Light" zusammenkam.

Insbesondere diese Besetzung glänzte mit einem individuellen Sound, der maßgeblich vom Rock geprägt war, aber immer wieder mit Jazz- und Avantgarde-Elementen beeinflusst war, was besonders bei Konzerten deutlich wurde, wo die Band Songs wie "Child In Time" auf bis zu 20 Minuten streckte. Obendrein setzte Jon Lord mit seinem wuchtigen Orgel-Sound Akzente. Sänger Ian Gillan langweilten die langen instrumentalen Passagen dagegen so sehr, dass er während der überlangen Songs schon auf eine Zigarette von der Bühne ging, bis er wieder gebraucht wurde.

Historisch belegt ist auch die Geschichte, dass die Kabel, an denen Gillan und Blackmore bei Konzerten hingen, exakt so lang bemessen waren, dass sie nicht auf der Bühne übereinander herfallen konnten. Der divenhafte und zum Jähzorn neigende Ritchie Blackmore attackierte Gillan daher beständig hinter der Bühne, bis der entnervt hinschmiss.

Heute ist von den Gründungsmitgliedern nur noch Ian Paice übrig. Roger Glover blieb an Bord, und auch Ian Gillan ist wieder Teil der aktuellen Besetzung, während sich Ritchie Blackmore endgültig abgesetzt zu haben scheint. Jon Lord verstarb vor vier Jahren.

Im Sommer werden die Veteranen einige Konzerte in Deutschland spielen. Im April sollen Deep Purple zudem in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen werden. Spannend wird, in welcher Besetzung sie bei der zugehörigen Zeremonie antreten werden - mit oder ohne Blackmore? Ziemlich sicher ist: "Smoke on the Water" wird zu hören sein.

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insgesamt 11 Beiträge
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1.
monoman 11.03.2016
Bisher lief das Geschäft mit den Wiederveröffentlichungen ja so, daß man die Schallplatten, die man sich damals als Teenie vom Mund abgespart hatte, nochmal als CD, dann als remasterte CD, dann als remastered and expanded edition CD-Set neu kaufen sollte. Mittlerweile ist der Markt mit den entsprechenden CDs offensichtlich derartig gesättigt, daß nun wieder die LPs dran sind ;-)
2. Schöner Artikel - nur leider ohne Mehrwert
mdietric 11.03.2016
Ein einziger Absatz zur Vinylwiederauflage. Aber kein Wort zur Qualität der Pressung. Kein Wort zur Überspielung - wurden wirklich die Originalbänder benutzt, oder wie bei Universal eigentlich immer aus Kostengründen üblich, eine Digitalkopie zum Remastering benutzt? Klingen die 'Neuen' besser als die Original-LPs? Oder so flach und leblos wie die Scorpions-Remaster zum 50. Und überhaupt, wurde wieder mal fleißig am Loudness-Regler gedreht? Das alles hätte ich von dem Artikel erwartet, der sich schön liest, aber von mir als Themaverfehlung eine glatte 6 bekommt. Wahrscheinlich hat der Autor nicht mal eine der LPs aufgelegt ... Sehr peinlich ...
3.
L!nk 11.03.2016
Die Qualität würde mich auch mal interessieren. Im Gegensatz zu anderen Produktionen aus der Zeit klangen die Platten wirklich grottig, da reichen wirklich die CDs als Erinnerungstücke an die exzellenten musikalischen Leistungen. Noch mal genau dieser Sound auf Vinyl muss nicht sein.
4. Wer es braucht
Namen werden überbewertet 11.03.2016
> Dass die Auswahl der Alben etwas seltsam geriet ist Lizenzproblemen zuzuschreiben. Ein Offenbarungseid der Musikindustrie, aber wahrscheinlich sind die nimmersatten Abzocker der Plattenfirmen dermaßen ignorant, dass ihnen das nicht einmal peinlich ist. Von mir bekommen sie jedenfalls kein Geld für nichts. Ich habe die guten Alben seit Jahrzehnten als Vinyl (Nostalgie) und CD (zum Gebrauch) im Schrank. Und auf jedes weitere Konzert freue ich mich.
5. Abgekupfert
gert.stein 11.03.2016
Gerade bei diesem Riff ärgert es mich immer wieder, wenn selbsternannte «Rockexperten» kein Wort darüber verlieren, das der Eingangsriff schlicht und ergreifend abgekupfert ist. Abgekupfert von der einst faszinierenden Gruppe - die die wenigsten noch kennen - «It's a beautiful Day» und deren Song «Bombay Calling». Geschrieben von David LaFlamme, einem der Gründer dieser Gruppe.
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