Delta-Blues-Gitarrist David "Honeyboy" Edwards gestorben

Er war der wohl letzte lebende Musiker, der mit Robert Johnson zusammen den Delta-Blues gespielt hat; 2010 bekam der Gitarrist den Grammy für sein Lebenswerk. Nun ist David "Honeyboy" Edwards in Chicago gestorben. Er wurde 96 Jahre alt.

Bluesmann David "Honeyboy" Edwards im Jahre 2003: Die letzte Stimme des Delta-Blues
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Bluesmann David "Honeyboy" Edwards im Jahre 2003: Die letzte Stimme des Delta-Blues


Der amerikanische Bluesmusiker David "Honeyboy" Edwards, einer der letzten Vertreter des Delta-Blues, ist tot. Edwards wurde 96 Jahre alt. Im April stand er noch bei Festivals in seinem Heimatstaat Mississippi auf der Bühne. In diesem Sommer hatte er Auftritte in den USA und in Europa geplant, die aber aus Gesundheitsgründen abgesagt werden mussten.

Im Jahr 1915 als Sohn eines Baumwollpflückers und Enkel eines Sklaven im US-Staat Mississippi geboren, verließ Edwards im Alter von 14 Jahren seine kleine Heimatstadt Shaw, um mit dem Bluesmusiker Big Joe Williams durch die Lande zu ziehen.

Mitte der dreißiger Jahre lernte er den legendären Bluesmann Robert Johnson kennen: "Wir liefen durchs Land mit unseren Gitarren auf den Schultern, hielten bei den Häusern der Leute an, spielten ein bisschen, liefen weiter", zitiert die "New York Times"ein Interview mit Edwards. Er war auch bei seinem Freund, als dieser im August 1938 seinen letzten Auftritt hatte - kurz darauf starb Johnson, wahrscheinlich an einem vergifteten Whisky.

Der Archivar Alan Lomax nahm David "Honeyboy" Edwards im Jahre 1942 auf, im Rahmen seiner dokumentarischen Field Recordings im Mississippi-Delta im Auftrag der Library of Congress. Kommerzielle Schallplatten-Aufnahmen machte Edwards erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

In den fünfziger Jahren siedelte Edwards nach Chicago um, wo er den Blues des Südens in den Nachtclubs der Großstadt spielte. Sein Manager Michael Frank nannte den Musiker in der "Chicago Tribune" eine "wandelnde Jukebox des Blues von den Dreißigern bis in die Fünfziger - er hatte so viel Musik in seinem Gedächtnis gespeichert."

Dieses Repertoire brachte Edwards im Zuge des Blues-Revivals in den sechziger Jahren neue Popularität ein. Fortan spielte "Honeyboy" Konzerte in zahlreichen Ländern - noch mit über 90 gab er um die 70 Shows pro Jahr.

2010 wurde David "Honeyboy" Edwards mit einem Ehren-Grammy für sein Lebenswerk geehrt; zwei Jahre zuvor hatte er den Musikpreis regulär erhalten für das Album "Last of the Great Mississippi Delta Bluesmen: Live in Dallas", auf dem er zusammen mit Henry Townsend, Robert Lockwood Jr. und dem im März verstorbenen Pinetop Perkins zu hören war.

Nach seinem letzten Auftritt im April verschlechterte sich Edwards' Gesundheitszustand; er sei am Montagmorgen in seiner Wohnung in Chicago an Herzversagen gestorben, teilte sein langjähriger Manager Michael Frank mit.

feb/dpa

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