Pop-Newcomerin DENA Gerne groß aus Berlin

Zwei Jahre hat es gedauert, jetzt lässt die Neu-Berliner Sängerin DENA ihrem Internet-Hit "Cash, Diamond Rings, Swimming Pools" endlich ein Album folgen. Auf ihrem Debüt "Flash" dominieren Nineties-R&B, HipHop-Beats und ziemlich gewitzte Texte. Das Album gibt's bei uns komplett vorab im Stream.

Von

Zelinda Zanichelli

Das Internet ist anscheinend doch noch nicht kaputt. Für die in Berlin lebende Bulgarin Denitza Todorowa alias DENA läuft es im Netz sogar ziemlich gut. Bevor sie ihr erstes Album auch nur fertiggestellt hatte, spielte sie 2013 schon in Texas bei South By Southwest, dem weltweit größten Festival für Pop-Neuentdeckungen. "Ich bin super aufgeregt, wenn ich da performe. Alle Gedanken, die ich auf Englisch schreibe, die sind dort viel direkter", so DENA. Mit ihrem Debüt "Flash", das dieser Tage erscheint, empfiehlt sie sich schon mal für weitere Anfragen.

Einen ersten Internet-Hit hatte DENA vor zwei Jahren mit ihrem Song "Cash, Diamond Rings, Swimming Pools". Im Video zum Song sah man sie über einen Flohmarkt in Neukölln schlendern, umgeben von eher mäßig gelaunten Verkäufern mit Schnurrbart. Vor dieser unglamourösen Kulisse sang DENA, dass sie am liebsten einfach mit ihren Freunden am Pool abhängen würde, den sie dummerweise aber gar nicht hat. Als Markenzeichen trug sie dazu einschlägige Neunziger-Accessoires wie ein sehr locker sitzendes Sweatshirt und am Handgelenk ein "Scrunchy" genanntes Haargummi mit üppiger Stoffumwicklung.

Exklusives Prelistening: DENA - "Flash"

Zwei Jahre später trägt DENA zum Interview kein Haargummi mehr als Pulsschoner, auch im Video zum Song "Bad Timing", einem der neuesten Beiträge auf "Flash", ist weit und breit kein Scrunchy zu sehen. Musikalisch hat sich ebenfalls einiges geändert. In "Cash, Diamond Rings, Swimming Pools" vermischte sie noch R&B mit Anklängen an Balkanbeat - ein Ansatz, der ihr Vergleiche mit dem britischen Popstar M.I.A. einbrachte, auch wenn DENA ohne politische Provokationen daherkommt. Jetzt dominieren auf "Flash" R&B-Klänge der Neunziger und HipHop-Beats: Allzu "folkloristisch" möchte sich DENA lieber nicht mehr geben.

So DIY wie möglich

DENA hat als Musikerin einen gewissen Weg hinter sich gelegt. Kaum war sie 2005 nach Berlin gekommen, um Visuelle Kommunikation und Medienwissenschaften zu studieren, begann sie mit musikalischen Projekten, hatte mit einer kanadischen Freundin ein Duo aus Synthesizer und Schlagzeug und machte erste Versuche mit Songwriting. Nebenbei sang sie als Gast auf den Alben der Berliner Indie-Funk-Band The Whitest Boy Alive, deren Sänger Erlend Øye neben ihr im Video zu "Cash, Diamond Rings, Swimming Pools" tanzte.

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Newcomerin DENA: So viel DIY wie möglich
Als sich ihre erste Band wieder auflöste, merkte DENA, dass sie einfach "Songs schreiben muss". Am liebsten hätte sie gleich ihr Studium geschmissen und sich nur noch auf die Musik konzentriert. Dass sie bis zum Bachelor durchgehalten hat, wundert sie bis heute. Doch sie ist sicher: "Ohne dieses Studium hätte ich länger gebraucht, um festzustellen, wie man ein Projekt anfängt und es bis zum Ende durchzieht."

Ein bisschen gedauert hat es dann zwar schon, bis das Albumprojekt "Flash" abgeschlossen war, aber das war DENAs Anspruch geschuldet, so DIY wie möglich zu sein. Wobei sie durchaus bereit war, die Hilfe des Berliner Kaiku Studios anzunehmen, um ihre Beats noch "fetter" produzieren zu lassen. In ihren Songs orientiert sich DENA musikalisch an R&B-Größen wie Beyoncé, wichtigste Inspiration bleiben allerdings die entspannt-humorvollen Rapper A Tribe Called Quest: "Die werden immer die ultimative Rolle spielen."

DENA - "Cash, Diamond Rings, Swimming Pools"

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Anklänge an deren Witz kann man ebenfalls bei DENA finden, wenn sie etwa den Refrain von Skee-Los One-Hit-Wonder "I Wish" in ihrem Song "You Wish" zitiert - und dabei die Perspektive des HipHop-Originals komplett umdreht. Hatte Skee-Lo 1995 noch davon geträumt, ein bisschen größer zu sein, um bei den Frauen besser anzukommen, gibt DENAs Ich-Erzählerin ihrem imaginären männlichen Gegenüber zu verstehen, dass dieser anscheinend ein Problem mit ihrer Körpergröße hat: "You wish I was a little bit smaller."

Mit dem Flow hapert's noch

In DENAs Texten geht es vorwiegend um Erlebnisse aus erster Hand. Der Song "Bad Timing" zum Beispiel handelt von einer Frau, die eine Affäre beendet, da der Mann bei seiner Freundin bleiben will. "'Bad Timing' kommt mir wie eine Zusammenfassung verschiedener Storys vor, von sich wiederholenden Patterns im Alltag", so DENAs Kommentar.

Zugleich handelt "Flash" davon, wie sich unser Leben im digitalen Zeitalter verändert. Wobei DENA sich weniger als Kritikerin, denn als Beobachterin sieht. "Ich versuche, mit dem Thema auf möglichst positive Art und Weise umzugehen." Anmerkungen zum NSA-Skandal liefert sie denn auch keine. Stattdessen feuert sie in "Games" ein paar Spitzen gegen Fake-Freundschaften im Musikbusiness ab, wo es letzten Endes nur darum gehe, Kontakte auszunutzen, um weiterzukommen.

Musikalisch wird auf "Flash" zudem deutlich, dass DENA vor allem als Sängerin und als Schöpferin eingängiger Refrains und Melodien überzeugt. Mit dem Rappen hingegen tut sie sich mitunter etwas schwer. Ein richtiger Flow will sich nicht recht einstellen und das trotz ihres entwaffnend markanten Akzents, in dem sie manche Wörter härter, bestimmte Konsonanten hingegen leicht abgerundet artikuliert. "Bad Timing" klingt bei ihr wie "Bad Diming", und aus "cash" wird mitunter "gash".

Eine Eigenheit, die sie keinesfalls als Strategie missverstanden wissen will: "Als ich nach Deutschland kam, habe ich mich komisch gefühlt, als ich Referate gehalten habe. Wenn man in der Gruppe spricht und alle sagen: 'Woher kommst du eigentlich?' Ich will ja nicht diesen Woher-kommst-du-Bonus haben." Daher versuche sie, sich in so vielen Sprachen wie möglich auszudrücken - "damit es irgendwann nicht mehr wichtig ist, in welcher Sprache ich das mache."


DENA auf Tour: 4.4. K4/ Zentralcafe Nürnberg, 5.4. Exil Zürich, 6.4. 1210 Stuttgart, 8.4. Zoom Frankfurt, 9.4. Kong München, 10.4. Brut Wien, 12.4. Altes Wettbüro Dresden

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