Depeche Mode: Fan-Arbeit vom Feinsten

Von Christoph Dallach

Depeche-Mode-Ausstellung: Schnarchsäcke oder Visionäre? Fotos
REUTERS

Ein besonders akribischer Depeche-Mode-Fan hat eine riesige Sammlung mit Fundstücken wie Tonträgern, Werbeklimbim und Demo-Kassetten der Band zusammengestellt - die nun in Berlin ausgestellt wird. Parallel erscheint ein eindrucksvoller Bildband.

Wäre es nach Morrissey gegangen, hätten Depeche Mode gleich wieder einpacken können. Über eines ihrer ersten Konzerte schrieb der spätere Smiths-Sänger, damals noch als Hobby-Journalist, im Fachblatt "Record Mirror": "Depeche Mode sind vielleicht nicht die langweiligste aller Bands, die je diesen Planeten betreten haben, aber sie gehören auf jeden Fall zu den schärfsten Anwärtern." Das ist jetzt gut 30 Jahre her, und die vermeintlichen Langeweiler füllen auch in diesem Jahrtausend größte Stadien, verkauften mehr als hundert Millionen Platten und gelten als "populärste elektronische Band aller Zeiten" ("Q").

Darüber, ob Dave Gahan, Martin Gore und Andy Fletcher nun dröge Schnarchsäcke oder coole Visionäre sind, kann man ausgiebig streiten. Tatsache ist, dass die Band aus der britischen Trabantenstadt Basildon Maßstäbe setzt, was Fanverehrung angeht. Das Trio wird weltweit mit einem religiösen Eifer vergöttert, der nahezu einzigartig sein dürfte. Ihre Fans sind dezente, gemeinhin schwarzgewandete Gestalten, die alles, aber auch wirklich jeden Schnipsel, der mit ihrer angehimmelten Lieblingsband zu tun hat, jagen, sammeln und archivieren.

Konzertkarten, Poster, Tonträger, Backstage-Pässe

Ein besonders euphorischer Jäger und Sammler in Sachen Depeche Mode ist der Deutsche Dennis Burmeister. Seit einem Vierteljahrhundert ist der Grafikdesigner auf der Pirsch und hat so eine spektakuläre Kollektion zusammengetragen. Seine Fundstücke reichen von Zeitungsartikeln, Konzertkarten, Postern, Backstage-Pässen, Werbeklimbim und unendlich vielen Tonträgern in allen nur denkbaren Variationen - darunter auch goldene Schallplatten - bis hin zu der originalen Promo-Kassette mit ersten Demo-Aufnahmen, mit der sich die Knaben 1980 um einen Plattenvertrag bewarben.

Diese außergewöhnliche Sammlung ist die Basis für die gestern in Berlin eröffnete, ungewöhnliche Ausstellung "Depeche Mode Fan Exhibition", die auf tausend Quadratmetern mehr als 250 Kuriositäten aus Burmeisters Sammlung bietet. Dazu kommt der bleischwere Bildband "Monument", der auch als Ausstellungskatalog dient. Mit seinem eindrucksvollen Bildmaterial und den erläuternden Begleittexten funktioniert das Buch als Band-Biografie der besonderen Art. Als Rahmen nutzten Burmeister und sein Co-Autor Sascha Lange die Depeche-Mode-Discografie, die sie chronologisch abarbeiten, vom ersten, 1981 auf einem Sampler veröffentlichten Song "Photographic" bis zum aktuellen Album "Delta Machine". Spannend wird das Buch durch die eingestreuten längeren Texte und Interviews, in denen die Bandgeschichte aus ungewöhnlichen Winkeln ausgeleuchtet wird.

Zum Beispiel wird da die langjährige deutsche Mute-Labelmanagerin Anne Haffmans befragt, die berichtet, wie man einst hinter den Kulissen mit Dave Gahans Suizidversuch umging und wie man eine Band wie Depeche Mode überhaupt medial platziert. Ein anderer Plattenfirmen-Mensch berichtet, wo Depeche-Mode-Platten in Deutschland gepresst wurden und warum die Bertelsmann-Buchclub-Ausgaben andere Bestellnummern hatten. Viel Platz wird auch der Depeche-Mode-Verehrung in Ostdeutschland eingeräumt. Insbesondere wie schwierig es war, da an Musik und Mode zu kommen.

Und falls Morrissey sich nicht mehr erinnern sollte, was er einst über Depeche Mode schrieb, so findet er in "Monument" eine Faksimile-Abbildung seines Textes von 1982.


Buch:
Dennis Burmester/Sascha Lange: Depeche Mode: Monument. Blumenbar Verlag, Berlin; 424 Seiten; 49,90 Euro.

Ausstellung:
"Depeche Mode Fan Exhibition". Berlin-Mitte, Warenhaus Jandorf, 7.-20. Juni, jeweils von 12 bis 21 Uhr.

Tournee:
9.6. Berlin, 11.6. Leipzig, 17.6. Hamburg*, 3.+5.7. Düsseldorf und ab 23.11. Karten: Marek Lieberberg Konzertagentur; *ausverkauft.

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
a-mole 07.06.2013
hmmm - sollte ich mal vor dem konzert am sonntag vorbeischaun
2. optional
mannda 07.06.2013
...mal an mir runter schaue: ne, nix Schwarzes an. Kann mich auch nicht erinnern, irgendwelche DM - Devotionalien zu sammeln...tja, dann bin ich wohl nach Ihrer Definition kein Fan der Band, die seit über 20 Jahren verehre und keine Tour oder Album verpasse. ...hören Sie blos auf, ständig mit völlig beknackten Klischees über die Band und ihre Fans zu arbeiten. Das liest sich ja wie aus der BRAVO von ´86! Schlimm!
3. Offen und ehrlich...
tzdv9000 07.06.2013
Zitat von mannda...mal an mir runter schaue: ne, nix Schwarzes an. Kann mich auch nicht erinnern, irgendwelche DM - Devotionalien zu sammeln...tja, dann bin ich wohl nach Ihrer Definition kein Fan der Band, die seit über 20 Jahren verehre und keine Tour oder Album verpasse. ...hören Sie blos auf, ständig mit völlig beknackten Klischees über die Band und ihre Fans zu arbeiten. Das liest sich ja wie aus der BRAVO von ´86! Schlimm!
...obwohl ich auch das aktuelle Album mein eigen nennen kann, gefiel mir die Musik DM's von anno '86 deutlich besser. Mag natürlich sein, dass meine musikalischen Präferenzen hier nicht mit der Band gealtert sind, aber vielleicht sollten die Jungs langsam mal über das Aufhören nachdenken. "Music For The Masses" war für mich deren absoluter Höhepunkt; den Weggang von Alan Wilder hat DM meiner Meinung nach bis heute nicht (mehr) kompensieren können.
4. Alan Wilder
cor 07.06.2013
Zitat von tzdv9000"Music For The Masses" war für mich deren absoluter Höhepunkt; den Weggang von Alan Wilder hat DM meiner Meinung nach bis heute nicht (mehr) kompensieren können.
Auch wenn für mich "Violator" und "Songs of Faith and Devotion" der absolute Höhepunkt war, haben Sie vollkommen Recht. Mit Alan Wilder ist ein grosser und wichtiger Teil des Depeche-Mode-Stils gegangen und die Band leidet bis heute stark darunter.
5. Vor ein paar Jahren...
Stefnix 07.06.2013
...auf einem DeMo-Konzert in Düsseldorf gewesen...war tatsächlich so ziemlich das langweiligste, was ich bis dahin gesehen habe. Und von der Musik war kaum was zu hören, konnte während des Konzerts ohne weiteres ungestört telefonieren...
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