Deutscher HipHop-Newcomer Cro: Carlo, das süße Pandabärchen
Totenköpfe? Klappmesser? Alles vorbei. Der deutsche HipHop-Mainstream macht jetzt auf freundlich, im Kommen sind Rapper wie der brave Schwabe Cro. Der Mann mit der Pandamaske legt einen in der Szene fast beispiellosen Aufstieg hin - und bleibt dabei trotzdem total nett.
"Hi Kids, ich bin Carlo, wirf den Arm hoch und gib mir ein Hallo" - so sprechsingt der Rap-Newcomer Cro auf seinem Track "Hi Kids". Ein Chor antwortet: "Hallo!" Diese eine Zeile zeigt dreierlei: Dieser Cro hat und macht gute Laune. Dieser Cro will ein Massenpublikum, gern auch ein junges. Und dieser Cro mag zwar Künstlername und Pandamaske tragen, aber er versteckt damit nicht den 20-jährigen Normalo namens Carlo, der sich dahinter verbirgt.
"Wer ist dieser Cro?", twitterte im Februar 2011 der Reutlinger Rapper Kaas, als er auf YouTube einen Song von Cro gehört hatte: "Falls Du das liest oder jemand ihn kennt bitte melden!" Über diesen Aufruf kam der Kontakt zum Stuttgarter Indie-Label Chimperator Productions zustande, wo nun gut ein Jahr später die erste reguläre EP von Cro erscheint und am Veröffentlichungstag gleich auf Platz eins der iTunes-Charts steht - vorläufiger Höhepunkt eines im deutschen HipHop fast beispiellosen Aufstiegs.
Mehr als sieben Millionen Mal wurde auf YouTube das Video zu dem Cro-Song "Easy" gesehen; ein lässig dahingleitender Track über eine Ex-Freundin, der an prominenter Stelle den Klassiker "Sunny" von Bobby Hebb zitiert. Im Video bewegt eine dunkelhaarige Schönheit die Lippen zu Cros Zeilen, auch die Kumpels des Rappers werden alle von Frauen dargestellt. "Wir haben überlegt, wie man das machen kann, dass ich nicht vorkomme", sagt Cro mit freundlichem schwäbischer Färbung in der Sprache, "weil ich das blöd fand, im Video mit der Maske aufzutreten."
Mehr Videos von Cro gibt es hier auf tape.tv!
Der Mann macht "Raop"
Dennoch: So wie der Panda als niedliches Tier (Cro: "Ich bin ja auch total niedlich") ein Gegensatz zu Sidos furchteinflößender Totenkopfmaske ist, so wird Cro entspannter, gutgelaunter, poppiger Style als Gegenentwurf gehandelt zu den Gewaltphantasien und Gangsterposen aus Berlin, die den deutschen HipHop-Mainstream lange Zeit bestimmt haben. Der Journalist und Labelmacher Marcus Staiger sprach in der "Berliner Zeitung" schon von einem "Schweinezyklus", der in eine neue Phase getreten sei - jetzt kommen eben die Pandas. "Ein bisschen was Wahres ist da schon dran, dass die Zeit der Bösen vorbei ist und jetzt die Freundlichen dran sind", stimmt Cro zu, ganz freundlich.
Die Freundlichen bekommen im deutschen HipHop immer eins aufs Dach, das war schon bei den Fantastischen Vier oder Fettes Brot so. Aber dagegen hat sich Cro gewappnet. Sein Album, an dem er gerade arbeitet und das im Sommer erscheinen soll, nennt er "Raop"; eine Wortmischung aus Rap und Pop, die zeigen soll, dass er keine Berührungsängste hat. Außerdem "lese ich solche Kritik gar nicht. Wenn ich sehe, ein Bericht fängt so an, dann, zack, klicke ich das weg".
Die Hüter der reinen HipHop-Lehre, die Cratedigger, die auf der Suche nach raren Tracks sind, werden sich auch an Cros Sample-Auswahl reiben: Neben "Sunny" basieren Tracks von ihm auch auf Indie-Songs von Bloc Party, den Caesars oder den Kilians. "Einfach Musik, die ich auf dem iPod hab", sagt Cro: "Wenn man immer HipHop macht, braucht man auch mal 'ne Abwechslung, und dann höre ich halt Indie oder was ganz anderes."
Für die Mixtapes "Meine Musik" und "Easy", die er übers Netz gratis vertrieb, konnte sich Cro beim Samplen hemmungslos bedienen. Für eine reguläre Veröffentlichung aber "muss jeder Fitzel gecleart werden", die Erlaubnis der Rechteinhaber eingeholt werden. Zwei, drei Songs würden es deshalb wohl nicht aufs Album schaffen.
Innerhalb von einem Monat habe er fast das komplette Album geschrieben, sagt Cro und klingt etwas fassungslos über sich selbst. Dafür ließ er die geplante Tour im Vorprogramm von Casper sausen, des Deutschrap-Aufsteigers 2011 aus Bielefeld, der gerade einen Echo verliehen bekam. Ob im nächsten Jahr Cro dort steht? "Hoffentlich", sagt Carlo munter. Aber er plane nur bis zum Sommer, zur nächsten Tour, zum Album: "Danach ist alles schwarz."
In einem seiner Songs wagt er aber schon mal eine Prognose: "Ich hab kein' Benz vor der Tür, kein Cent für 'n Bier/ doch ich spür' irgendwann wird das anders."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 28.03.2012 – 16:06 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 13 Kommentare
- Twitter-Aufruf von Rapper Kaas auf der Suche nach Cro
- Berliner Zeitung: "Der Rapper mit den Puschelohren"
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT KULTUR
-
Bestseller
Die aktuellen Listen: Hardcover, Taschenbücher, DVDs und Kino-Charts -
Rezensionen
Abgehört, vorgelesen, durchgeblickt: Unsere Rezensionen - was Sie nicht verpassen sollten -
TV-Programm
Ihr TV-Planer: So gucken Sie beim Fernsehen nie mehr in die Röhre -
Gutenberg
Bücher online lesen: Die Klassiker der Weltliteratur - gratis bei Projekt Gutenberg -
Tageskarte
Sieben Tage, sieben Empfehlungen: Die wichtigsten Entdeckungen der Woche.

