Legendärer Dirigent und Komponist Pierre Boulez ist gestorben

Wie kaum ein anderer definierte Pierre Boulez die großen Werke der Klassik und der Moderne neu. Er dirigierte ab 1976 den legendären "Jahrhundertring" in Bayreuth. Jetzt ist Boulez mit 90 Jahren gestorben.

Einer der wichtigsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts: Pierre Boulez ist verstorben
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Einer der wichtigsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts: Pierre Boulez ist verstorben


Sein Vater wollte, dass er Mathematik studierte. Aber Pierre Boulez' Leidenschaft für die Musik war zu groß. Sie trieb ihn schon früh ans Konservatorium in Paris und dann in eine einzigartige Laufbahn als Dirigent. Er war erst musikalischer Revolutionär, dann lebende Legende. Mit 90 Jahren ist Pierre Boulez am Dienstag gestorben, wie sein Pariser Büro mitteilte.

Von 1955 bis 1967 war Pierre Boulez Dirigent des Darmstädter Kammerensembles. Er lehrte an der Musikakademie Basel und der Harvard University und leitete das BBC Symphony Orchestra sowie als Nachfolger von Leonard Bernstein das New York Philharmonic Orchestra. 1966 debütierte Pierre Boulez als musikalischer Leiter des "Parsifal" als Wagner-Dirigent bei den Bayreuther Festspielen.

Hier erarbeitete er sich auch seinen Status als Legende. Boulez war der Dirigent der Aufführung von Wagners "Ring des Nibelungen", die von 1976 bis 1980 gegeben wurde und die im Premierenjahr zu lautstarkem Protest, Schlägereien und Unterschriftenlisten führte.

Dafür war neben Patrice Chéreaus Inszenierung, der die Handlung in die Zeit der Frühindustrialisierung verlegte, auch Boulez' musikalische Interpretation verantwortlich. Auch einige Mitglieder des Orchesters wandten sich gegen ihn. 1980 wurde die Inszenierung allerdings mit einem Applaus von über 90 Minuten verabschiedet, sie gilt heute als "Jahrhundertring".

Neben seiner Tätigkeit als Dirigent war Boulez auch selbst Komponist. Seit Mitte der Fünfzigerjahre gehörte er zu den prominenten Vertretern der musikalischen Avantgarde.

Boulez lebte in Baden-Baden, wo er 2015 die Ehrenbürgerschaft erhielt. Hier verstarb er auch. In einer Pressemitteilung der Pariser Philharmonie würdigte seine Familie seine "kreative Energie", seinen "künstlerischen Anspruch" und seine "Großzügigkeit".

kae/dpa



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