"Der Mann am Klavier" Pianist Paul Kuhn gestorben

"Geben 'se dem Mann am Klavier noch ein Bier": Dieser Schlager machte Paul Kuhn in den Fünfzigern berühmt. Im Fernsehen trat er in Samstagabendshows als Bandleader auf - doch auch Jazz-Kenner schätzten den Pianisten. Nun ist Kuhn im Alter von 85 Jahren gestorben.

DPA

Zwei grundverschiedene Musikertypen vereinten sich in der Person von Paul Kuhn: Die breite Öffentlichkeit nannte ihn kumpelhaft "Paulchen" und liebte seine Schlager wie "Geben 'se dem Mann am Klavier noch 'n Bier" oder "Es gibt kein Bier auf Hawaii". Doch in Jazzkreisen wurde der Pianist außerordentlich geschätzt, für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" war er sogar "Deutschlands bester Jazzer". Zuletzt war er mit dem Paul Kuhn Trio auf Bühnen unterwegs und sollte im November bei den Leverkusener Jazztagen auftreten.

Paul Kuhn wurde am 12. März 1928 in Wiesbaden geboren. Seine Familie war arm; sein Vater, der keinen Beruf erlernt hatte, arbeitete als Croupier. Kuhns herausragende musikalische Begabung machte sich früh bemerkbar. Als Kind spielte er bereits öffentlich Akkordeon, so 1936 während der Berliner Funkausstellung. Als Zehnjähriger erhielt "Paulchen", wie er genannt wurde, ersten Klavierunterricht. Er studierte am Wiesbadener Konservatorium, seine Eltern hofften, er würde klassischer Konzertpianist werden.

"Aber mein Herz gehörte der Unterhaltungsmusik, und in meinem Kopf spukte der Jazz herum, den wir im Nationalsozialismus nicht hören durften", erzählte Kuhn dem KulturSPIEGEL 2011. Nach dem Krieg trat Kuhn dann mit einer Jazz-Combo in amerikanischen Clubs auf. Eine Zeitlang war er der einzige deutsche Musiker, der eine feste Anstellung beim amerikanischen Soldatensender AFN hatte.

Als Komponist und Arrangeur war Kuhn in den fünfziger Jahren einer der meistgefragten Unterhaltungsmusiker. Daneben hatte er auch viel Erfolg als Schlager- und Stimmungssänger, mit Titeln wie "Die Farbe der Liebe", "Der Mann am Klavier" und "Es gibt kein Bier auf Hawaii".

"Hallo Paulchen" und andere Fernsehshows

Außerdem machte sich Kuhn als Bandleader großer Rundfunk-Unterhaltungsorchester wie dem des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) einen Namen. Der leidenschaftliche Jazzmusiker machte so den Swing im Nachkriegsdeutschland populär. Beliebt wurde Kuhn auch als Entertainer mit Fernsehshows wie "Pauls Party" oder "Hallo Paulchen" an der Seite von Stars wie Peter Alexander, Peter Frankenfeld und Harald Juhnke.

1980 erlitt Kuhns Karriere einen herben Einbruch, als innerhalb eines Jahres einmal der SFB unter Hinweis auf die enormen Kosten der Bigband seinen Vertrag als Bandleader nicht weiter verlängerte und zum anderen auch seine Plattenfirma ihren mehr als 25 Jahre alten Vertrag aufkündigte. Kuhn zog mit seiner Frau von Berlin nach Köln und wagte einen Neuanfang mit der Paul Kuhn Big Band. Bald sah man ihn auch wieder, wenn auch seltener als früher, im Fernsehen.

Im November 1994 geriet Kuhn in die Schlagzeilen, als er und seine Frau wegen Steuerhinterziehung von knapp einer Million DM zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt wurden. Der Musiker verwies in diesem Zusammenhang auch auf seine schwierige Lage nach dem Verlust seines Engagements als SFB-Bandleader.

Ende der Neunziger kehrte Kuhn zu seiner alten Liebe Jazz zurück und zog vermehrt mit einem Trio durch die Lande. Zusammen mit Max Greger und Hugo Strasser feierte Kuhn unter dem Motto "Swing-Legenden" große Erfolge. Als Jazzmusiker genoss er die späte Anerkennung der Kritik.

Nun ist die Jazz-Legende Paul Kuhn tot. Eine Sprecherin seiner Agentur in Durchhausen bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Kuhn starb im Alter von 85 Jahren.


Eine Übersicht aller Sendungen zu Paul Kuhn in den Mediatheken finden Sie hier.

feb/dpa/AFP

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
lars_gerhard 23.09.2013
1. Einer der ganz Großen
ist von uns gegangen. Ich höre den ganzen Tag nur noch seine Musik.
kaddi84 23.09.2013
2.
Mein Beileid! Aber auch über eine Eilmeldung sollte nochmal jemand drüber lesen, denn im unteren Abschnitt hat sich ein "ist" zuviel eingeschlichen!
t_omte 23.09.2013
3. Ich wünsche
Paul Kuhn, dass ihn möglichst viele postum als wunderbaren Jazzmusiker entdecken. Seine letzte Veröffentlichung "The L.A. Session" lädt dazu ein.
tchantchès 23.09.2013
4. Danke Paul
Für den Mann am Klavier ebenso wie für das letzte Album, L.A. Sessions. Die haben Dir im Himmel ganz sicher schon ein Bier kaltgestellt.
HäretikerX 23.09.2013
5. Ein echter Jazzman,
schade.., in der Öffentlichkeit war eher das "Schlagerimage präsent..! Danke Paul!
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