"Der Pianist" Filmkomponist Wojciech Kilar gestorben

Er war einer der bekanntesten Komponisten Polens und schrieb die orchestralen Soundtracks für Filme von Roman Polanski und Francis Ford Coppola. Jetzt ist Wojciech Kilar im Alter von 81 Jahren verstorben.

  Komponist Kilar: "Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der polnischen Kultur"
AP/dpa

Komponist Kilar: "Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der polnischen Kultur"


Berlin - Kilar starb am Sonntag nach langer Krankheit im oberschlesischen Katowice, berichtete die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf den polnischen Komponistenverband. Waldemar Dabrowski, Direktor der Warschauer Oper, bezeichnete den Verstorbenen im polnischen Rundfunk als "eine der wichtigsten Persönlichkeiten der polnischen Kultur". Für seinen orchestralen Soundtrack zu Roman Polanskis Warschauer-Ghetto-Drama "Der Pianist" hatte Kilar 2002 den französischen Filmpreis César für die beste Filmmusik erhalten. Er schrieb die Musik für mehr als 160 Filme.

Kilars internationale Karriere begann Anfang der neunziger Jahre mit der Musik zu Krzysztof Zanussis Drama "Der Klang der Stille" über einen Komponisten, der den Holocaust überlebt hat. 1992 engagierte ihn Francis Ford Coppola für sein barockes Vampir-Drama "Bram Stoker's Dracula", es folgten Polanskis "Der Tod und das Mädchen" sowie Jane Campions "Portrait Of A Lady". Eine Einladung, auch die Musik zu Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie zu schreiben, schlug Kilar jedoch aus, er wollte sich zu jener Zeit auf Musik konzentrieren, die in Konzerthallen dargeboten wird.

Geboren wurde Kilar am 17. Juli 1932 im damals polnischen Lemberg. Seine musikalische Ausbildung begann er an der Akademie in Krakau, später studierte er Komposition bei Nadia Boulanger in Paris. Er wurde zu den Vertretern der polnischen Avantgarde gezählt und nahm 1957 in Darmstadt an den Ferienkursen für Neue Musik teil. Zuletzt wandte sich Kilar verstärkt großen Orchesterwerken zu. Seine September-Symphonie von 2003 widmete er dem Andenken an die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001. Die höchste staatliche Auszeichnung der Republik Polen, den Orden des Weißen Adlers, erhielt Kilar im Mai 2012.

Bereits in den sechziger Jahren begann Kilar damit, Musik für Filme zu komponieren, er arbeitete eng und regelmäßig mit Regisseuren wie Zbigniew Kuzminski und Kazimierz Kutz zusammen. Kutz sagte am Sonntag, die Arbeit mit Kilar sei "pure Freude" gewesen: "Er kam, sah meinen Film an, und einen Monat später brachte er mir extrem gute Musik, die immer meine Erwartungen übertraf."

Seine musikalischen Inspirationen zog Kilar, der in der ehemaligen Industriestadt Katowice lebte, aus polnischer Folklore, religiösen Gebeten und Hymnen, die er in jungen Jahren als Ministrant kennengelernt hatte. Als er das Pianospiel erlernte, begeisterten ihn vor allem moderne Komponisten wie Ravel und Debussy. Mitte der Sechziger gehörte Kilar zu den wagemutigsten Künstlern der experimentellen Zwölftonmusik und wurde in einem Atemzug mit Penderecki und Gorecki genannt. Während diese frühen Kompositionen dem Zeitgeist gemäß in den Jazz tendierten, zeichnete sich Kilars orchestrales Spätwerk, oft getragen durch Cello und Bass-Spiel, durch atmosphärische Dichte und Opulenz aus. Ein romantischer Sound, der sich perfekt zur Illustration von Filmen eignete.

bor/dpa/AP

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