Deutsch-Quote im Hörfunk Bundestags-Appell findet kaum Gehör

Das Parlament stieß auf taube Ohren: Die deutschen Radiosender sind der Aufforderung des Bundestages, mehr einheimische Musik zu spielen, kaum gefolgt. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender hatten wenig Lust auf "Made in Germany".


Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes: Sehr beliebt, wenig gespielt
DPA

Wir-sind-Helden-Sängerin Judith Holofernes: Sehr beliebt, wenig gespielt

Hamburg - Monika Griefahn hatte im Dezember letzten Jahres deutliche Töne angeschlagen: Die Band Wir sind Helden zum Beispiel, Gewinner von drei Echos und Garant für ausverkaufte Hallen, werde kaum im Radio gespielt. Für die SPD-Politikerin ein Unding, zumal die 1994 in Frankreich eingeführte Quote zeige, dass die nationalen CD-Verkäufe durch eine Selbstverpflichtung der Sender durchaus anzukurbeln sei.

Doch der Appell, unter anderem unterstützt von der Grünen-Abgeordneten Antje Vollmer, traf, wie sich jetzt herausstellt, auf wenig Gegenliebe. Wie eine heute veröffentlichte Auswertung des Marktforschungsinstituts Nielsen Music Control in Baden-Baden ergab, nahm der Anteil von Titeln "Made in Germany" binnen eines Jahres von Januar 2004 auf Januar 2005 unter den Privatkanälen zwar leicht zu, sank dafür aber unter den öffentlich-rechtlichen Sendern mit Popmusikangebot.

Von Januar 2004 bis Januar 2005 stieg die Quote von deutschen Produktionen bei den 61 Privatsendern von rund 18,74 auf 20,55 Prozent, bei den 18 öffentlich-rechtlichen Anbietern mit Popmusikanteil sank sie jedoch von rund 19,45 auf 18,21 Prozent. Bei den 15 ARD-Sendern mit eher traditioneller Ausrichtung blieb die Quote im Vergleichszeitraum zwar hoch, sank aber von 68,06 auf 57,53 Prozent.

Beim Einjahresvergleich der deutschsprachigen Titel (im Unterschied zu allen aus Deutschland stammenden Produktionen) sind die Unterschiede sehr viel markanter: Die Privatsender steigerten ihren deutschsprachigen Musikanteil im gleichen Zeitraum von etwa 6,3 auf 9,7 Prozent, die ARD-Sender mit Popmusik von 7,3 auf 9,1 Prozent. Bei den konservativeren Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reduzierte sich die Quote von 62,6 auf 57,1 Prozent.

Das Bekenntnis zum Teutonen-Pop fiel bei den Privatsendern 104,6 RTL Berlin (17,2 Prozent), RTL 89,0 Hitradio (17,7 Prozent), Radio Top 40 (18,2 Prozent) und Sachsen-Radio (16,3 Prozent) am deutlichsten aus. Bei den öffentlich-rechtlichen rangiert Radio Fritz FM mit einer Quote von 20,3 Prozent auf Platz eins, gefolgt von "Unser Ding" (15,0), dem WDR-Programm "Eins live" (12,5) und Radio Eins (10,6). Bei den ARD-Landessendern dominieren die SWR-4-Programme aus Baden-Württemberg (86,5 Prozent) und Rheinland-Pfalz (86,4).



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