Deutscher Musikmarkt Zum vierten Mal in Folge mit Umsatzplus

Krise? Welche Krise? Die deutsche Musikindustrie erwirtschaftete 2016 schon wieder mehr Umsatz als im Jahr zuvor. Das größte Wachstum verzeichneten Streaming - und die gute Schallplatte.

Die Schallplatte bleibt auf Wachstumskurs
imago/ Christian Grube

Die Schallplatte bleibt auf Wachstumskurs


1, 5 Milliarden Euro - diese Summe hat die deutsche Musikindustrie 2016 insgesamt erwirtschaftet. Der Markt ist damit nach Jahren der Krise zum vierten Mal in Folge gewachsen. Das teilte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mit.

Die Summe übertrifft noch die Prognose vom Januar, als der Verband von einem Wachstum von 2,4 Prozent ausgegangen war. Es liegt nun bei drei Prozent. Den Löwenanteil am Umsatz hat mit 53,8 Prozent nach wie vor die CD. Ihre Verkäufe gingen aber weiter zurück, 2016 um 8,9 Prozent.

Auf Platz zwei folgen die Streaming-Angebote von Wettbewerbern wie Spotify, Apple Music oder Deezer. Das Segment wuchs rasant um 72,7 Prozent und verwies erstmals Downloads digitaler Musik auf den dritten Platz. Downloads verlieren mit einem Umsatzrückgang von 19,4 Prozent weiter an Bedeutung.

Weiterhin auf Wachstumskurs ist auch die Schallplatte, die Experten vor zehn Jahren noch für so gut wie tot erklärt hatten. Sie wuchs 2016 noch stärker als im Jahr zuvor: Um 40,1 Prozent auf 4,4 Prozent Gesamtanteil am Markt. Immer noch ein Spartensegment, aber ein gesundes.

Zukunftsweisend für die Musikindustrie ist aber natürlich der Zuwachs beim Streaming. BVMI-Geschäftsführer Florian Dücke sagt in der Pressemitteilung dazu: "Der Streamingzuwachs lässt sich gut an der Zahl gestreamter Songs innerhalb unserer Vergleichswoche am Jahresende zeigen: 2012 waren es 99 Millionen, 2016 schon 906 Millionen, knapp das Zehnfache. Diese Dynamik führt jetzt zu einer spannenden Neuordnung des Marktes."

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insgesamt 2 Beiträge
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Ed Roxter 02.03.2017
1.
Das zeigt ja nun beeindruckend, dass Leute das Angebot bezahlten, legalen Streamings ausgiebigst nutzen. Ich erinnere mich noch gut an das Wehklagen vor ein paar Jahren, dass Raubmordkopien ja die Musikindustrie zerstören würden. Schon damals war der Tenor der Nutzer eindeutig: Wenn die Industrie es schaffen würde, sinnvolle Konzepte zum legalen Musikhören übers Internet zu erarbeiten und umzusetzen, wäre das bejammerte Problem nichtig. Nun sind also gangbare Lösungen gefunden und etabliert, "dieses Internet" zum Musikverkauf zu nutzen, und man liest Meldungen wie diese hier, die danach klingen, als seien alle Beteiligten zufrieden. Hätte man nur auch mal zehn Jahre früher drauf kommen können. Und wenn man mal nur nach dem wirtschaftlichen Aspekt geht, hätten die Musikkonzerne ja nun auch problemlos eigene Plattformen entwickeln können, womit der Margenabgriff der "Mittelsmänner" Apple, Spotify und Co. auch noch wegfallen würde. Aber scheint ja nun auch so zu gehen. Immerhin: Endlich kein Rumgeheule mehr.
doctoronsen 02.03.2017
2. Man erinnere sich an Napster
Dass Apple und andere sehr gut am Streaming- und Downloadgeschäft mitverdienen, ist vollauf gerechtfertigt. Diese Unternehmen haben sich nicht irgendwie zwischen Kunde und Industrie gedrängelt: sie haben den Markt überhaupt erst erschaffen - gegen zum Teil massive Widerstände. iTunes war der Durchbruch, und der ist genau einer Person zu verdanken. Es war Steve Jobs, der persönlich mit intensiver Leidenschaft Lobbyarbeit bei den Meinungsführern unter den Rechteinhabern betrieben hat. Ein entscheidender Durchbruch waren die Verhandlungen mit Mick Jagger und Keith Richards, man lese und staune. Die Musikindustrie hatte wie viele andere Branchen das Internet verschlafen und unterschätzt. Trotzdem kam die Riesenchance, als Napster auf juristische Klippen gefahren war und immer stärkere Schlagseite bekam. Hätte die Musikindustrie sich damals zusammengetan, den Kahn im gemeinsamen Interesse wieder flott gemacht und das globale Netzwerk vieler Millionen User an Bord gehalten, so wären iTunes und Spotify etc. heute Teil ihrer eigenen Wertschöpfungskette.
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