Elektro-Trio Brandt Brauer Frick: Ein paar von ihren Tricks
Sie präparieren ihr Klavier mit Radiergummis, treten im Ensemble auf und gelten doch als Techno-Projekt: Die Wahlberliner von Brandt Brauer Frick machen Clubmusik mit klassischen Instrumenten. Auf ihrem dritten Album "Miami" sind allerdings mehr Songs als Tracks.
Wenn es aus den Boxen schnurrt wie ein gekraultes Kätzchen, wenn knarzende, langgezogene Basstiefen in den Ohren dröhnen, ist die Tuba im Einsatz. Sanft ins Mundstück der blechernen Röhre geblasen, entsteht ein Klang wie aus dem heimischen Streichelzoo. Die schnurrende Tuba ist neben Klavier und Streichern ein Teil vom "Miami Theme", dem ersten Stück des neuen Albums von Brandt Brauer Frick. Getragen kommt dieser Track daher, bisweilen ins Esoterische enthoben von der hauchzarten Stimme der Schwedin Erika Janunger. Aber es ist auch ein Stück Musik wie das mühsame Aufstehen nach einer viel zu kurzen Nacht: irgendwie knatschig, irgendwie unwillig.
Sphärischer Sound durch klassisches Instrumentarium: Nicht eben das, was von einem Trio zu erwarten wäre, das Wikipedia als "Techno-Projekt" ausweist. Brandt Brauer Frick, das sind Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick, drei Wahlberliner um die dreißig. Versuche, ihre Musik in wenigen Worten zu umreißen, führen schnell ins Paradoxe. "Elektronische Musik mit analogen Instrumenten", heißt es dann.
Kein Geklicker und Geklacker aus dem Rechner
Geige, Cello, Harfe, Posaune und Tuba sind auf ihren Alben zu hören. Was daraus zusammen mit Synthesizer, Groovebox und Mischpult entsteht, ist meist clubtauglich. Schon der zweite Track auf "Miami" bedient den typischen Brandt-Brauer-Frick-Sound: nervöse, tanzbare Rhythmen, ohne die kühle Soundästhetik synthetischer Beats und Bässe, ohne das Geklicker und Geklacker aus dem Rechner, stattdessen erzeugt durch Radiergummis zwischen Klaviersaiten und das Klopfen aufs Mundstück von Blechbläsern. "Unser Posaunist hat Sachen drauf, von denen wir gar nicht wissen, dass sie möglich sind", sagt Daniel Brandt und grinst. "Manchmal sagen wir ihm: 'Mach mal ein paar von deinen Tricks!' und dann nehmen wir auf, was dabei herauskommt."
Was im Studio aus Jamsessions entsteht, einzeln eingespielt und zu Tracks zusammengesetzt wird, muss für die Konzerte wieder auseinandergenommen, gemeinsam geprobt und live nach Noten gespielt werden. Das Ensemble rund um Brandt Brauer Frick zählt zehn Musiker, für die Aufnahmen zum neuen Album kamen fünf Gastsänger hinzu. "Wir sehen sie als weitere Instrumente", sagt Paul Frick.
Der Engländer Jamie Lidell leiht zwei Songs seine Stimme, sie gibt den treibenden Tracks eine warme, soulige Note. "Wir hatten vorher ein bisschen geträumt, mit wem wir so zusammenarbeiten wollen. Jamie stand ganz oben auf der Liste", sagt Frick. Für seine Aufnahmen kam Lidell aus Nashville, Tennessee, ins Studio nach Berlin-Neukölln.
Der zweite bemerkenswerte Name auf "Miami" ist der von Om'Mas Keith. Er produzierte im vergangenen Jahr "Channel Orange", das Grammy-nominierte Debütalbum des US-Sängers Frank Ocean. Die Band schickte Keith ein Snippet, ein schnelles, eigentlich noch unfertiges Arrangement. Was zurückkam, nennt Frick ein kleines Wunder. "Das hat uns umgehauen. Deshalb haben wir es so gelassen, wie es war."
"Der Stil hat sich schon am ersten Tag ergeben"
Über MySpace war Paul Frick 2008 auf Daniel Brandt und Jan Brauer gestoßen. Frick studierte zu dieser Zeit Komposition an der Berliner Universität der Künste, bei Friedrich Goldmann, einem Vertreter der Neuen Musik. Brandt und Brauer machten in Wiesbaden unter dem Namen "Scott" Elektro-Jazz. Die drei verabredeten sich, um Platten auszutauschen - und nahmen stattdessen gemeinsam vier Tracks auf.
Eingespielt wurde das erste Album in der Garage von Brandts Mutter in Wiesbaden. Intuitiv hätten sie eine Art gefunden, zusammen Musik zu machen, sagt Paul Frick heute. Man war sich einig, was herauskommen sollte: "Minimalistisch sollte es sein, mit dreckigen, akustischen Klängen. Der Stil hat sich komischerweise schon am ersten Tag ergeben."
Das dritte Album erscheint nun wie die beiden Vorgänger "You Make Me Real" und "Mr. Machine" auf dem Berliner Elektrolabel !K7 Records. Der Fokus rückt dabei weiter weg von der Clubästhetik, mit der die Band vor fünf Jahren angefangen hat. "Wir haben vorher mehr in Trackmustern gedacht", sagt Daniel Brandt, "das waren dann eher Technoplatten. Jetzt haben wir uns komplett davon verabschiedet und mehr die Songs gesehen." Das neue Album klingt dadurch stringenter, die Stücke kommen schneller zum Punkt, sie bauen sich weniger langsam und sukzessive auf als noch auf den Vorgängern.
Mindestens einen prominenten Fan gilt es mit dem neuen Material bei der Stange zu halten: US-Rapper Kanye West postete schon 2009 das Video zum Track "Bop" auf seinem privaten Blog.
CD: Brandt Brauer Frick: Miami. !K7 Records; 16,99 Euro.
Konzert: 19.4. in Heidelberg.
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- Freitag, 15.03.2013 – 08:41 Uhr
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