Verkannte Popband Spain Die Crowd-Rocker

Warum sind Spain aus Los Angeles keine Stars? Johnny Cash war ein Fan. Wim Wenders auch. Pünktlich zu zwei Deutschland-Konzerten erinnert eine tolle Unplugged-CD an ihre Klasse.

Von

Dave Naz

Eine Skype-Tarotkarten-Lesung mit Josh Haden, dem Chef der Band Spain, kostet 200 Dollar. Wer einen Hunderter drauflegt, bekommt ein Gemälde des Sängers und Songwriters aus Los Angeles. Noch 200 mehr bringen einen exklusiv geschriebenen Josh-Haden-Song. Und zur Krönung des Ganzen können sich betuchte Fans die Band für 2000 Dollar nach Hause zum Wohnzimmer-Konzert bestellen.

Wem das alles zu kostspielig ist, kann bei PledgeMusic auch, ganz altmodisch, signierte T-Shirts und CDs ordern. Was auf den ersten Blick wie ein grotesker Ausverkauf anmutet, ist nur ein weiterer Versuch, sich mittels "Crowdfunding" von der etablierten Musikindustrie zu lösen: also unabhängig von einer großen Plattenfirma ein Album auf die Beine zu stellen. Im kommenden Jahr soll das neue Werk der Band um Josh Haden erscheinen. Als Produzent ist Gus Seyffert an Bord, der sonst sein Geld bei den Black Keys verdient. Und finanzieren sollen diesen Spaß eben die Fans.

Vielleicht haben sie einfach nur Pech

An die Klasse von Spain, die seit zwanzig Jahren jenseits der öffentlichen Wahrnehmung unregelmäßig feine Alben veröffentlichen, erinnert ihre frisch erschienene CD "The Morning Becomes Eclectic Session". Das Mini-Album bietet einen "Unplugged-Auftritt" des Quintetts beim Hipster-US-Radio-Sender KCRW, wo die Band ihre eleganten Klagelieder wie "Nobody Has to Know" oder "She Haunts My Dreams" aufführen. Rätselhaft bleibt, warum Spain ein nennenswertes Publikum bislang verwehrt blieb. Warum ihre samtenen Melodien nicht in hippen US-TV-Serien surren oder Menschen beglücken, die sich von Lambchop, Mazzy Star und den Tindersticks einlullen lassen. Oder warum Spain selbst in der Musikpresse nicht vorkommen. Da nutzte es nicht mal was, dass Johnny Cash mit Rick Rubin den herzzerreißenden Spain-Song "Spiritual" einspielte. Oder dass Wim Wenders ihr "Every Time I Try" für seinen Film "The End of Violence" nutzte. Ja, selbst der Promi-Bonus, dass Josh der Sohn des Jazz-Titanen Charlie Haden ist, bringt nichts.

Als Spain vor einigen Monaten in Hamburg in einem kleinen Club an der Reeperbahn auftreten sollten, entschied der Besitzer des Ladens kurzfristig, die Show abzublasen, weil ihm der Ticketverkauf zu läppisch erschien. Unbeeindruckt davon zogen die Musiker in den schnieken Hamburger Plattenladen "Michelle Records" um, wo sie ein atemberaubendes Schaufenster-Konzert absolvierten.

Vielleicht sind Spain einfach zu nett, was meist mit "unglamourös" einhergeht. Vielleicht haben sie einfach nur Pech. Vielleicht aber kommen Spain doch noch irgendwann groß raus. Bleibt ihnen zu wünschen, dass sie viele Hauskonzerte spielen mögen. Wem das zu teuer oder doch zu intim ist, kann Spain übrigens jetzt bei zwei Deutschland-Konzerten bestaunen.


CD
Spain: The Morning Becomes Eclectic Session. Glitterhouse/Indigo; 16,99 Euro.

Tourdaten:
22.11. Schorndorf; 24.11. Düsseldorf.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
sesky 22.11.2013
1.
Was auf den ersten Blick wie ein grotesker Ausverkauf anmutet, ist in Wahrheit ein grotesker Ausverkauf.
serbmem 22.11.2013
2.
warum gibt's denn keine hörprobe? schade.
captain_dimpf 22.11.2013
3. Wim Wenders?
Fand der nicht auch BAP super? Kein gutes Omen.
angst+money 22.11.2013
4.
Zitat von captain_dimpfFand der nicht auch BAP super? Kein gutes Omen.
und u2...
andyrage 22.11.2013
5. Spain
Nicht nur Bap und U 2 . Bands die Wim Wenders gut findet ; da muss man ja ganz vorsichtig sein!!
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