Volksmusik-Eklat: Der Verrat des "Spatzenjudas"

Schmücken sich die Kastelruther Spatzen mit fremden Federn? Ihr ehemaliger Produzent Walter Widemair erhebt schwere Vorwürfe gegen die Volksmusiker. Auf ihren Alben sei kein Lied selbst eingespielt, außerdem beschreibt er sie als "gierig-geizig-geil". Nun kreischen die Spatzen zurück.

Hamburg - Was ist denn da los? Nach einer knapp 30-jährigen Zusammenarbeit packt Walter Widemair gegen seine ehemaligen Schützlinge aus. Die Kastelruther Spatzen würden kein einziges Instrument auf ihren CDs selbst einspielen, nur der Gesang von Frontmann Norbert Rier sei echt. In seinem Buch "Wenn Berge nicht mehr schweigen" wirft er den Musikanten außerdem Geldgier und Frauengeschichten vor.

Am Freitag nahmen die Spatzen Stellung zu den üblen Gerüchten - und fanden drastische Worte. Über ihren Medienmanager Helmut W. Brossmann bezeichnen die Volksmusiker auf ihrer Homepage Widemair als "Spatzenjudas", der sich "aus gekränkter Eitelkeit und persönlichem Kapitalbedarf" nun "in mentalen Presswehen und geistigen Blähungen" ergehe. Der Produzent veröffentlichte Auszüge seines bald erscheinenden Buches zuvor in der "Bild"-Zeitung.

Dort erklärte Spatzen-Sänger Norbert Rier, dass die Studiomusiker auf den CDs "nur um Kosten zu sparen" eingesetzt würden. Bei Auftritten spielten sie dagegen alles selbst. In der Presseerklärung zeigt sich die Band vor allem "menschlich und charakterlich" enttäuscht. Während sich Widemair "hinter dem Mischpult versteckt" habe, sei es vor allem Rier gewesen, der sich für seine Fans "fast privat aufgegeben" und für sie sogar mit Lungenembolie auf der Bühne gestanden habe.

Die Kastelruther Spatzen gehören zu den erfolgreichsten Volksmusikern aller Zeiten. Mit fast 15 Millionen verkauften Platten und 13 Echos sind sie der unbestrittene Marktführer in ihrem Genre. Die Lieder der Spatzen wurden mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet.

ajz

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1. optional
carlo02 09.11.2012
es is natürlich billiger, andere spielen zu lassen als man selbst ;)
2.
guerilla 09.11.2012
---Zitat--- Dort erklärte Spatzen-Sänger Norbert Rier, dass die Studiomusiker auf den CDs "nur um Kosten zu sparen" ---Zitatende--- Das dürfte eine der bizarrsten Rechtfertigungen überhaupt sein. Und dass ausgerechnet eine Volksmusik-Combo behauptet, live alle Instrumente selbst zu spielen, klingt nicht weniger absurd.
3.
tadamtadam 09.11.2012
Zitat von guerillaDas dürfte eine der bizarrsten Rechtfertigungen überhaupt sein. Und dass ausgerechnet eine Volksmusik-Combo behauptet, live alle Instrumente selbst zu spielen, klingt nicht weniger absurd.
diese rechtfertigung ist gar nicht absurd. studiozeit kostet sehr viel geld. wenn die spatzen ihre instrumente nicht gut genug beherrschen, um in kürzester zeit die stücke einzuspielen, dann ist es in der tat preiswerter, studiomusiker zu bezahlen, die gerade mal einen oder zwei takes brauchen. das sagt natürlich so einiges über die fähigkeiten der spatzen aus.
4. Übliche Verfahrensweise..
rallehajo666 09.11.2012
Was gibt's daran zu meckern, so läuft's halt. Allerdings sollte man als Kapelle nur das im Studio einspielen, was man auch auf der Bühne kann.. Und das können die Spatzen ja.. Ein paar Spuren mehr, damit's auf cd runder klingt sind in jedem Genre üblich.. Klingt nach Schmutzwäsche...
5. werbung
brehn 09.11.2012
Also wer jetzt immernoch nicht mitbekommen hat dass es hier mal wieder nur um Medienpräsenz geht, im Zusammenhang mit dem erscheinen eines Buches, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen....
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