Album von Steven Wilson Pink Floyd? Langweilig!

Zwei Jahre lag eine junge Londonerin unbemerkt tot in ihrer Wohnung. Der Brite Steven Wilson, Kopf der Band Porcupine Tree und cooler Erneuerer des Prog-Rock, hat aus ihrer Geschichte ein eindrucksvolles Solo-Album gemacht.

Von

Susana Moyaho

Steven Wilson besitzt keinen Fernseher. In sozialen Netzwerken ist er nicht unterwegs, und viel Schlaf braucht er auch nicht. Der Mann hat also viel Zeit für das, was ihn im Leben am meisten interessiert: Musik.

Bekannt wurde der 47-jährige Brite mit der Band Porcupine Tree, nebenher musizierte er noch mit No Man und Blackfield. Weil ihn das nicht auslastet, betreibt er noch eine Plattenfirma und ist ein gefragter Restaurator historischer Rockalben von Bands wie Yes, King Crimson, Jethro Tull, XTC oder Simple Minds. Irgendwie kombiniert er das alles obendrein noch mit einer erfolgreichen Solokarriere. Sein jüngstes Album "The Raven That Refused To Sing" basierte auf Edgar Allen Poes Texten und wurde mitproduziert vom Pop-Veteranen Alan Parsons. Es rauschte 2013 in Deutschland bis auf Rang drei der Charts.

Nun erscheint Wilsons neues Solo-Werk "Hand. Cannot. Erase". Dafür ließ sich der Brite von der traurigen Geschichte einer hübschen, jungen Frau inspirieren, die zwei Jahre lang tot in ihrer Londoner Wohnung zwischen verpackten Weihnachtsgeschenken lag. Aus der Wohnung drang Verwesungsgeruch, doch die Nachbarn glaubten, der Gestank komme von den Mülltonnen. Permanent lief der Fernseher, was die Nachbarn vermuten ließ, in der Wohnung lebten irgendwelche Junkies.

"Ich war so einsam, dass ich nicht vor die Tür gehen mochte"

"Wie konnte jemand, der Freunde und Familie hatte, so lange unbemerkt verschwunden sein?", fragt Steven Wilson. "Für mich illustriert das perfekt die emotionale Kälte, der man in einer Metropole wie London ausgesetzt sein kann." Wilson, der den Großteil seines Lebens in London lebte, weiß wovon er spricht und ist auch deshalb vor vier Jahren aufs Land gezogen: "Ich hatte zu Beginn meiner Karriere harte Zeiten in London, war zeitweilig so einsam, dass ich kaum vor die Tür gehen mochte. In dem Dorf, in dem ich jetzt lebe, kannte ich nach drei Tagen schon den Namen des Postboten."

Bemerkenswert an Wilsons Karriere ist auch das Genre, in dem er sich bevorzugt bewegt, der sogenannte Progressive-Rock, der in den Siebzigerjahren seine Blütezeit hatte und mit dem Ende des Jahrzehnts vielen Beobachtern nur noch als lachhafte Geschmacksverirrung galt. Schuld daran waren Bands wie Yes oder ELP, die ihre Virtuosität gern in endlos langen Songs auslebten und auch von Einhörnern und Gnomen sangen.

Am Prog-Rock reizen Wilson Abenteuerlust und Verspieltheit

So das Klischee. "Alles Blödsinn", sagt Steven Wilson, der als junger, cooler Erneuerer der Branche gilt: "Allein Bands wie Yes und Genesis oder King Crimson über einen Kamm zu scheren, ist Quatsch, weil sie grundverschieden sind." Was den nachgewachsenen Prog-Rock-Verehrer Wilson an dieser sehr speziellen Musik reizt, sind Abenteuerlust und Verspieltheit: "Ich liebe Musik, die mich auf eine Reise mitnimmt und Melodien mit Inhalten koppelt."

Ob man die Songs, die er zu diesem Thema schrieb, nun Prog-Rock oder sonst wie nennt, ist Wilson egal. Letztlich geht es um aufregend oder langweilig. Die englische Rockmusik der jüngeren Zeit gilt vielen Kritikern als öde. Eine Meinung, die Wilson nachvollziehen kann. "Dass die Rockmusik in einer Krise steckt, belegt allein der Erfolg der letzten Pink-Floyd-Platte. Die Musik darauf ist natürlich okay, aber letztlich doch von der Resterampe dieser tollen Band. Dass so ein Album für so viel Aufregung sorgt, ist schon seltsam und sollte einem zu denken geben." Mit seiner neuen und ja, spannenden, Musik kommt Steven Wilson jetzt auf Tournee. Etliche Auftritte sind schon ausverkauft. Ein Wunder, dass er dafür überhaupt Zeit hat. "Ja, stimmt, die Zeit wird immer knapper. Ich sollte künftig weniger schlafen."


CD-Angaben:
Steven Wilson: Hand. Cannot. Erase. K-Scope/CMM; 12,99 Euro.

Tournee ab 20.3. Infos: www.fkpscorpio.com

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
hammelbein84 06.03.2015
1. Genial!
Steven Wilson ist einer der genialsten Produzenten (Opeth), Sänger und Songwriter unserer Zeit. Ich kenne wenige Sänger die ein solch angenehmes Gefühl von Melancholie erzeugen und in Takte verpacken können wie er. Wer sich mal ein Beispiel anhören möchte der suche bei youtube nach "collapse light into earth". Ich freue mich aufs Album!
neighbourofthebeast 06.03.2015
2. Etwas unglücklich,
die im Text genannten King Crimson mit diesem aktuellen Photo dessen, was sich heute noch King Crimson nennt, zu bebildern. Gerade weil der Name im Zusammenhang mit seinen Reissues faellt, waere ein zeitgenössisches Bild passender. Ich bebildere ja auch die kommende Tour von AC/DC mit Bon Scott. Die koennte man ja fast fuer die Flippers halten.
marbles-jens 06.03.2015
3. grosses Kopfkino! Meisterwerk
Steven Wilson ist nicht 37 Jahre alt. Er ist am 3.November 1967 geboren. "Hand Cannot Erase" ist wirklich ein grosses Stück Musik und man bekommt fast Angst, was Steven Wilson noch so hervorbringt. Ein bewegendes Werk. Der Hintergrund zu diesem Album beruht auf der Dokumentation " A dream in a life". Steven selbst lebt ohne Kinder mit seinem Hund " Milly". Cool ist er nicht wirklich. Das brauch er nicht.
freddykruger, 06.03.2015
4. na gut
da hat das Meckern (Abgehört vom 03.03) wohl doch etwas gebracht. Steven Wilson bekommt von SPON das was ihm zusteht, einen eigenen Artikel (lol). Zum Album selber muß ich nicht mehr viel sagen. Fantastisch wie alles was Wilson anpackt. Egal ob es sich dabei um Blackfield, Porcupine Tree, Storm Corrussion oder Solo handelt. Letzte Opeth war dank Wilson phänomenal. Empfehlens wert auch seine letzte Bearbeitung, Relayer von Yes. Sollte eigendlich auch jeder Progfan sein eigen nennen. Auch wenn Rick Wakeman damals nicht dabei war.
scapis 06.03.2015
5. Album des Jahres
genau, Wilson ist 10 Jahre älter und Joyce Carol Vincent lag 3, nicht 2 Jahre lang in der Wohnung. Bitte ändern.
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