Berühmter Dirigent Kurt Masur ist tot

Er leitete über Jahrzehnte das berühmte Gewandhausorchester in Leipzig und war der wohl bekannteste deutsche Dirigent der Gegenwart: Kurt Masur ist tot. Der Klassikstar wurde 88 Jahre alt.

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Kurt Masur ist gestorben. Das bestätigte am Samstag unter anderem eine Sprecherin des Dirigenten. Die New Yorker Philharmoniker, bei denen Masur von 1991 bis 2002 wirkte, würdigten in einer Stellungnahme das Lebenswerk des Künstlers. Mit tiefer Trauer gebe er im Namen der Familie Masur und der Philharmoniker den Tod des Stardirigenten bekannt, schrieb Orchesterleiter Matthew VanBesien.

Der 1927 geborene Musiker war der wohl bekannteste lebende deutsche Dirigent. Von 1970 bis 1996 war er Kapellmeister des legendären Leipziger Gewandhausorchesters. Zu den Wirkungsstätten des fünffachen Vaters gehörten außerdem New York, London und Paris. Er unternahm zahlreiche Konzerttourneen, die ihn durch die ganze Welt führten.

Am 9. Oktober 1989 war Masur einer der sechs prominenten Leipziger, die den Aufruf "Keine Gewalt!" verfassten und auf diese Weise mit dafür sorgten, dass der Umschwung zur Demokratie in der DDR friedlich verlief.

Noch 2014 gab er ein Konzert - im Rollstuhl

Der in Schlesien geborene Masur begann schon mit fünf Jahren, sich selbst das Klavierspiel beizubringen. Als 16-Jähriger erfuhr der Ingenieurssohn, dass seine Finger wegen einer Sehnenverkürzung verkrüppeln würden. Nach einer Lehre zum Elektriker sattelte er daher aufs Dirigieren um. Masur studierte an der Musikhochschule Leipzig, wurde dann Kapellmeister in Halle, Erfurt und an der Leipziger Oper, war Chefdirigent bei Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin sowie Chefdirigent bei den Dresdner Philharmonikern.

Seit 1976 war Masur in dritter Ehe mit der japanischen Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn. 2012 machte der Klassikstar öffentlich, dass er unter Parkinson leidet. Im Frühjahr 2012 brach er sich bei einem Auftritt in Paris das Schulterblatt, ein Jahr später stürzte er in Tel Aviv und brach sich die Hüfte.

Bis zu seinem Tod war Masur Ehrendirigent in Leipzig. Im vergangenen Jahr gab er nach 18 Jahren Pause wieder ein Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) in der Berliner Philharmonie. Bei dem Mendelssohn-Bartholdy-Abend dirigierte Masur vom Rollstuhl aus.

Die Beisetzung soll nach Angaben der New Yorker Philharmoniker im privaten Kreis stattfinden. Zudem soll es eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben. Masur wurde 88 Jahre alt.

Kurt Masur im Interview (2014)

mxw/dpa/AP/AFP



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