Dita von Teese bei der Eurovision Sahnehäubchen in schwarzem Glitzer

Schon vor ihrem Auftritt bei der Eurovision bringt der Star des deutschen Beitrags Männer in Wallung: Dita von Teese solle sich weniger freizügig zeigen, meckern die Organisatoren. Dabei ist genau dieses erotische Spiel die Spezialität der US-amerikanischen Burlesque-Künstlerin.

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Wie freizügig wird Deutschlands Auftritt beim Finale des Eurovision Song Contest in Moskau? Die US-Tänzerin Dita von Teese, optisches Sahnehäubchen der Combo "Alex swings Oscar sings", drängte die Mannen der Europäischen Rundfunkunion schon mit ihrer Generalprobe zur Tat.

Kaum räkelte sich die 36-jährige US-Amerikanerin zu den Klängen von "Miss Kiss Kiss Bang" auf der Bühne, mahnten die Organisatoren die Verhüllung ihrer Brüste an. Dabei hatte Teese auf der Webseite des Contest, eurovision.de, versprochen: "Es wird heiß werden, aber heiß in angemessenem Rahmen." Eilig schob der ARD-Koordinator Thomas Schreiber hinterher, dass Teeses Auftritt nie als Stripshow geplant war, sondern an die "Hochzeit der kunstvollen Verführung" erinnern soll.

Dita von Teeses Kunst besteht genau in dieser Balance zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig: der Burlesque. Anfang des 20. Jahrhunderts brachte der Ausziehtanz mit Gesang die amerikanischen Männer in Fahrt - dabei entledigten sich die Damen nie des letzten Fetzen Stoffs, schon das Abstreifen von Handschuhen hatte erotische Wirkung.

Als der Striptease allerdings zum Nackedei-Schlängeln verkam und zuletzt die sexuellen Revolution der Sechziger anrollte, kam die Burlesque aus der Mode. Bis, ja spätestens bis Dita von Teese die Bühne betrat und in einem Champagnerglas die Beine in die Luft wirbelte. Wie die anderen Vertreterinnen der New Burlesque perfektionierte sie das Spiel mit Erotik, wenn es auch bei ihr zuweilen "full monty" heißt.

Korsage auf dem Kiez

Nach den USA und Großbritannien steckt auch Deutschland im Burlesque-Fieber. Erst im August vergangenen Jahres eröffnete auf dem Hamburger Kiez "Queen Calavera". Versteckt in der Gerhardtstraße gelegen, nimmt das kleine Lokal seine Besucher mit in die vierziger und fünfziger Jahre: Frauen in Korsagen, mit Haartollen oder im Marilyn-Monroe-Outfit drängen sich an der Theke, die Barfrauen tragen enggeschnürte Matrosenkleider und High Heels.

Die dunkelrot gestrichene, ehemalige Stripbar ist mit Kronleuchtern geschmückt. "Wir wollten den erotischen Tanz der Zwanziger wiederbeleben und reformieren", sagte die Besitzerin Claudia Gritl zu stern.de. In Berlin sind es die "Teaserettes", die etwa in der "Bar der Vernunft" eine Mischung aus Frivolität und "Klimbim"-Verschnitt präsentieren.

Das Besondere an dem Strip-Tanz, der nicht alles zeigt: Johlen und klatschen tut hier nicht allein das männliche Publikum, auch und gerade Frauen, die sich szenegemäß in High Heels und Korsage werfen, haben ihren Spaß. Dita von Teese für den deutschen Eurovisions-Beitrag auf die Bühne zu schicken, könnte daher ein erfolgreicher Kunstgriff sein.

Die Amerikanerin, die vor ihrer Zusage noch nie von dem europäischen Wettbewerb gehört hatte, kann den Swingdance-Stil des Duos aus dem Hamburger Alex Christensen und dem US-Musical-Künstler Oscar Loya zumindest optisch aufhübschen. Zu der letztmalig im Jahr 1982 für Deutschland erfolgreichen Nicole in Rüschenbluse wird die bleiche Ex-Ehefrau von Marilyn Manson allemal einen Kontrapunkt bilden.

Doch bleibt die Frage nach den Möglichkeiten einer Burlesque-Künstlerin bei den biederen Eurovisionen, bei denen die Zuschauer sich noch immer zwischen Dschinghis Khan und Guildo Horn wähnen. Dita von Teese wird alles geben, mit immerhin sechs Schrankkoffern reiste sie laut der "Bild"-Zeitung aus Los Angeles an. Auf der Generalprobe testete sie ein schwarz glitzerndes Vierziger-Jahre-Edeloutfit, das blütenförmig ihre mit Strass verzierten Brüste stützte - zu wenig für die Herren Organisatoren. Oder zu viel?

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