Pop! Hier ist noch alles handgefurzt

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DJ Shadow wurde wegen konfuser Musikauswahl aus einem Club gejagt. Nun tobt die Debatte, ob DJs Künstler oder Dienstleister sind. Queen-Gitarrist Brian May soll eine Astrophysik-TV-Show übernehmen. Und bei YouTube "handfurzt" ein Knabe die großen Hits des Pop nach.

Pop! The Sound of Hand Farting Fotos
Getty Images

Abgedreht

Vermutlich dachte Josh Davis, besser bekannt als DJ Shadow, ihn treffe der Blitz, als er vor zwei Wochen während eines Auftritts in Miami gebeten wurde, das Weite zu suchen. Genauer gesagt wirbelte er gerade in einem Club namens Mansion an den Plattenspielern, als einer der Veranstalter dazwischenging und die Shadow-Show beendete. Ein ungewöhnlicher Schritt, den der Partymacher damit begründete, dass Shadows Musikauswahl zu "konfus" für das Publikum sei, das vermutlich einiges an Eintritt berappt hatte, um den Star-DJ zu erleben.

Seitdem tobt im weltweiten Netz, u.a. im "Guardian" online, eine unterhaltsame Debatte darüber, ob DJs nun Künstler oder doch nur Dienstleister sind. "Es ist mir egal, ob ich aus jedem Schnösel-Club des Planeten rausgeworfen werde. Aber niemals werde ich meine Integrität als DJ opfern", twitterte DJ Shadow umgehend nach seinem Abgang. Der Londoner Großkritiker David Hepworth, einst Chef des Magazins "The Word", gab in einem (leider gelöschten) Blog-Beitrag zu bedenken, dass DJs zu akzeptieren hätten, dass es ihr Job sei, "die gute Laune in einem Raum zu erhöhen und nicht herunter zu fahren." Fest steht, dass manche Plattenaufleger, die nur als Unterhalter gebucht sind, ihr Publikum gern mal in Geschmacksfragen erziehen wollen. Fest steht aber auch, dass DJ Shadow kein simpler Dienstleister ist. Sein Album "Endtroducing" gilt als Klassiker, was er an Plattenspielern zaubert, ist außergewöhnlich. Nur ein normaler "Entertainer" ist der Amerikaner eben nicht. Aber darüber, ob er nun tatsächlich Künstler ist oder nicht, darf nun gestritten werden.

Umgeschult

Ob Queen-Gitarrist Brian May außerhalb der Musik weitergehende Entertainer-Qualitäten hat, könnte bald geklärt sein. Der Stadion-Rocker hat nämlich einen Doktortitel in Astrophysik und wird derzeit bedrängt, eine BBC-Show zum Thema zu übernehmen. Bislang hüllt sich der Künstler dazu allerdings in Schweigen.

Abgetanzt

Dass man im fortgeschrittenen Alter abwägen sollte, wie viel Show der eigene Körper noch verträgt, belegt der Tod eines 46-jährigen Briten, der bei einer Büroparty kollabierte, während er den "Gangnam Style"-Tanz aufführte. Überhaupt ist YouTube voll mit enthemmten Menschen, die sich da freiwillig als Klone des südkoreanischen Rappers Psy zum Narren machen.

Abgeschmackt

Mehr Spaß macht da der junge Exzentriker, der Welthits via Hand Farting (Handfurzen), neu interpretiert. Wem die Feiertage die gute Laune verhageln, sollte ihm zuschauen, wie er Simon and Garfunkels "The Sound Of Silence", nun ja, aufführt.

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1. mind. 2 Sichtweisen!
exil-berliner 28.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDJ Shadow wurde wegen konfuser Musikauswahl aus einem Club gejagt. Nun tobt die Debatte, ob DJs Künstler oder Dienstleister sind. Queen-Gitarrist Brian May soll eine Astrophysik-TV-Show übernehmen. Und bei YouTube "handfurzt" ein Knabe die großen Hits des Pop nach. http://www.spiegel.de/kultur/musik/dj-shadow-brian-may-hand-farting-a-874363.html
Die Frage ob ein DJ Künstler oder Dienstleister ist beantwortet wenn man das Ausgehverhalten des Publikums näher betrachtet. Selbst in Szene Clubs geht das Publikum nicht wegen Ihrer Musikkenntnisse sonder überwiegend um Party abzufeiern. So habe ich es zwischen 2002-2006 erlebt. Beispielsweise hat Ricardo Villalobos im Berghain zur Perlon Nacht (Plattenlabel) aufgelegt aber die wenigstens Besucher vor Ort hätte neben dem Headliner "Ricardo" noch irgendjemand anders von den 4-5 weiteren DJs gekannt bzw. gewusst, dass Perlon ein Plattenlabel ist. Es hat sich alles sehr oberflächig entwickelt, heute gehen Erstsemester vom Land auf Technoparties feiern weil eben Freunde (mit mehr musikalischer Ahnung aus der Wohngemeinschaft) auch dorthin gehen. Die jungfräuliche Anfangszeit von Techno/der elektronischen Musik sind vorbei in welchen Kommerz keine Rollt gespielt hat. So betrachtet kann ich es gut nachvollziehen wieso der Veranstalter DJ Shadow bei seinem "untanzbaren" Beats von der Bühne geladen hat.
2.
Da Chef 28.12.2012
"Aber darüber, ob er nun tatsächlich Künstler ist oder nicht, darf nun gestritten werden." Allein dieser Satz schickten den Autor dieses Artikels ins Aus. Man müßte sich nur die DJ Shadow Diskographie ansehen - es handelt sich hier mit Sicherheit nicht um den unbekannten Resident-DJ einer Dorfdisko, sondern um einen international renommierten Künstler, der ein ganzes Genre als Producer und DJ geprägt hat. Da könnte man einen Absatz weiter auch gleich den Künstler Brian May in Anführungszeichen setzen, dessen Queen-Coverbands der letzten 15 Jahre eher als Dienstleistung zu verstehen sind. Natürlich sind 85% der Clubbesucher zum Tanzen auf Altbewährtes anwesend, allerdings sind alle großen DJs tatsächlich Trendsetter und keine Dienstleister, sonst würden sie wohl auch nicht kostenlos mit White Label Promos durch die Plattenfirmen beliefert. Ob die aufgelegten Tracks in obigem Club "untanzbar" waren oder nicht, läßt sich auf die Ferne natürlich nicht beurteilen, allerdings läßt man Westbam wohl auch nicht bei der hiesingen Rock-Nacht auflegen. Im Übrigen war der Club-Auftritt Teil von DJ Shadows Tour und nicht eine einzelne Buchung für einen Motto-Abend. Das Ende vom Lied war übrigens wie folgt: Der Club hat sich öffentlich bei DJ Shadow entschuldigt und hat intern umstrukturiert (was wohl soviel heißt wie den Verantwortlichen entlassen), damit ein solcher "Fehler" nie wieder passiert....
3. ist doch egal ob Künstler oder nicht
Connor Larkin 28.12.2012
Wenn ein DJ sich von einem Veranstalter buchen lässt und es dem Veranstalter dann so gefällt, kann er ihn auch wieder raus werfen. Er muss halt trotzdem bezahlen. Es ist natürlich die künstlerische Freiheit des DJs zu spielen was ihm beliebt und es ist aber ebenso künstlerische/veranstalterische Freiheit diese Kunst abzulehnen. Wenn der DJ die Disco mietet und selber Eintritt nimmt ist es ihm alleine überlassen was er spielt und muss im Zweifelsfall auch mit dem verärgerten Publikum klar kommen. Ein Museum muss ja auch nicht jedes Bild ausstellen und kann auch Bilder wieder abhängen. Das ist kein Eingriff in künsterische Freiheit. Genauso wie der Künstler frei ist, ist auch der Betrachter/Zuhörer frei das dargebotene abzulehnen.
4. Das Ende vom Lied...
skyopti 28.12.2012
...singen die Medien natürlich nicht! Warum werden solche Geschichten nie zu Ende erzählt und der Leser erfährt nur durch den Konsum der Leserkommentare, wie die Geschichte ausgegangen ist?
5. nur mal so
vipix 28.12.2012
Oh, wenn die Verantwortlichen fuer diesen Act entlassen wurden, nun. Wer Josh Davis einlaedt sollte schon wissen was er zu hoeren bekommt. Das Netz verraet es. Er sollte es auch so ankuendigen. Ich finde nicht das alles von "kids" tanzbar sein muss. Zu spaeter Stunde freue ich mich sowas live zu hoeren. Eine Bar ist mir zu spiessig. bin nicht mehr 18. Club Besitzer sollten mal darueber nachdenken. Total uncool, oft habe ich erst nach Mittaernacht Hunger, ist durch den Job bedingt. In Uk kann mir ohne das ich die Location verlasse geholfen werden, habe sowas auf dem Continent selten gefunden.
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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