Rap gegen Dschihadisten Erklär deinen Islam!

Mali gilt als musikalische Weltmacht, von dort stammen Stars wie der Afro-Blues-Barde Ali Farka Touré. Doch Dschihadisten bedrohen die Musikszene, wie der Dokumentarfilm "Mali Blues" zeigt.

Real Fiction

In seinem Heimatort Kidal zerstörten Dschihadisten seine Instrumente; sie drohten dem Gitarristen, ihm die Finger abzuschneiden. Musik sei Sünde! Islamistische Fanatiker, die weite Teile von Malis Norden beherrschen, haben Musizieren verboten. Ahmed Ag Kaedi erzählt die traurige Geschichte im Hof eines Hauses in Bamako. Der Flüchtling, den Heimweh nach der Wüste plagt, kann sich auch in Malis Hauptstadt nicht sicher fühlen. Denn als Tuareg gehört Ahmed Ag Kaedi zu einem Volk, das seinen eigenen Staat anstrebt, und teilweise mit den Islamisten kooperiert. Im Süden misstrauen viele jedem Tuareg.

Doch bei seinen Musikerkollegen ist Ahmed willkommen. Sie bereiten ein Festival vor, auf dem Malier der verschiedenen Ethnien ihre Treue zu ihrem Land und für einen toleranten Islam bekunden. Stars der Show sind der Ngoni-Virtuose Bassekou Kouyaté, der für einem Grammy nominiert wurde, der Rapper Master Soumy aus der malischen Hip-Hop-Szene und die Singer/Songwriterin Fatoumata Diawara. Die 34-Jährige verließ Afrika mit 19 und wurde in Europa als Schauspielerin bekannt; als Musikerin arbeitete sie mit Jazzgrößen wie Dee Dee Bridgewater und dem kubanischen Pianisten Roberto Fonseca. Speziell für das Festival reiste Diawara in ihre Heimat.

Sport und Musik sind plötzlich Sünde

Die Rückkehr der Künstlerin stellte der Autor Lutz Gregor in den Mittelpunkt seines Films "Mali Blues". So dokumentiert er Diawaras Besuch im Dorf ihrer Vorfahren, wo die Schönheit aus dem Showbusiness die Landfrauen mit einem Dialog über Beschneidung und arrangierten Heiraten begeistert. Beim Festival filmte Gregor die Sängerin auch hinter der Bühne, die man auf einem Ponton im Niger-Fluss errichtet hatte.

Diawaras Auftritt bildete den Höhepunkt des "Festival sur le Niger" in der Stadt Segou. Das Musikfest im Süden ersetzt nun das berühmte "Festival au Desert" in der Wüste bei Timbuktu, das seit 2012 nicht mehr stattfinden kann. Damals hatten islamistische Fanatiker im Norden Malis die Macht übernommen. Sie errichteten Scharia-Gerichte, zwangen Frauen, Schleier zu tragen, und verboten Sport und Musik. Inzwischen wurden die Islamisten zwar mit Hilfe französischer Truppen aus etlichen Gebieten wieder vertrieben. Doch die Angst blieb, zumal die Glaubenskrieger sogar in der Hauptstadt zuschlagen: Im vergangenen November starben bei einer Geiselnahme in Bamakos größtem Hotel 20 Menschen; im März attackierten Bewaffnete die Militärmission der Europäischen Union, an der die Bundeswehr mit 200 Soldaten teilnimmt.

Ein Festival im Ausnahmezustand

Angesichts der Terrorgefahr verkümmert die früher vibrierende Musikszene sogar in der Metropole. Klubs haben geschlossen. Der Film "Mali Blues" zeigt, wie die Menschen in Bamako vor dem Moschee-Besuch kontrolliert werden - weibliche Sicherheitskräfte filzen die Frauen, Männer tasten Männer ab. Den Ausnahmezustand verlängerte die Regierung gerade bis März 2017. Dass da ein Großereignis wie das Festival in Segou stattfinden konnte, spricht für den Mut des Landes, das bislang für seinen toleranten Islam berühmt war.

Den beschwört der Rapper Master Soumy in seinem Hit "Explique ton Islam" - die Dschihadisten sollen erklären, was Unterdrückung, Gewalt und Folter mit dem Islam zu tun hätten. Für ihn sei die Religion des Propheten eine Botschaft der Brüderlichkeit. Soumy rappt auch über Probleme wie fehlende Schulbildung für Mädchen und den miserablen Zustand der Straßen. Dabei nennt er Namen von Verantwortlichen und prangert sie an. Das unterscheidet die Hip-Hopper von den Griots, den traditionellen Preissängern, die ihr Geld vor allem mit Lobliedern auf die Mächtigen verdienen.

Aus einer der ältesten Griot-Familien kommt Bassekou Kouyaté. "Wenn die Islamisten die Musik verbieten, reißen sie Mali das Herz heraus", sagt der 50-Jährige. Kouyaté brachte es vom lokalen Hochzeitsmusiker zum internationalen Star der Weltmusik. Er revolutionierte die Ngoni-Laute, die als eine Vorgängerin des Banjo gilt, indem er mehr Saiten und neue Stimmungen erfand. Kouyaté rockt auf seiner Ngoni! Im Film zeigt er stolz das Fußpedal für Echo- und Wahwah-Effekte.


"Mali Blues" kommt am 29. September in Deutschland in die Kinos. In einigen Städten gibt es Premieren mit Live-Auftritten von Protagonisten aus dem Film:
20.9. Berlin, Kant Kino (Fatoumata Diawara, Ahmed Ag Kaedi, Master Soumy)
21.9. Hamburg, Metropolis-Kino (Amanar, Master Soumy)
27.9. Köln, Odeon Kino (Amanar, Master Soumy)



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Knossos 28.08.2016
1. Rekord paradoxen Kopfstands
"... die Dschihadisten sollen erklären, was Unterdrückung, Gewalt und Folter mit dem Islam zu tun hätten." Rapper Soumy und der Rest seiner Blinde-Kuh-Fraktion sollten lieber erklären, warum sie einer Gesinnung anhängen, ohne über sie informiert zu sein. Immerhin handelt es sich um eine, die weltfremd, aggressiv, opportunistisch, gewissenlos und uneinsichtig wie keine andere großkulturelle Deformation ist. Und sogenannte Islamisten handeln lediglich wie ihnen angeblich von Propheten geheißen (genauer besehen, soll es ihnen sogar Gott abverlangen. Lesen Sie es nach). "Für ihn sei die Religion des Propheten eine Botschaft der Brüderlichkeit." Das ist eine Blut-und Bodensage für die vorsätzliche Ignoranz Rechtsradikaler auch. Es gibt den Widersinn eines moderaten Rechtsradikalismus allerdings ebenso wenig, wie einen Islam des Friedens, des Mitgefühls, des Verstands, der Verhältnismäßigkeit und der Menschlichkeit. Kann man wenigstens im aufgeklärten Westen damit aufhören, vorzuspiegeln es gäbe die Moderation eines aberwitzigen, radikalen, faschistischen Konstrukts, das sich noch dazu jede Reform von vornherein als Blasphemie verbietet? Wie wäre es zur Abwechslung, wenn Diskutanten und Journalisten ENDLICH einmal jene Scharteke läsen, auf der dieser Glaube fußt? Es ist widersinnig genug, daß seine Jünger es nicht fertigbringen, dies zu tun. Das religiöses Prinzip aktueller 'Vermittler des Weltfriedens', erst das Ziel festzulegen und ihm dann Fakten und Sicht anzupassen, steht dem Zeitgeist, der Vernunft und dem humanistischen Ideal in der Moderne entgegen und sollte schon gar nicht von etablierten Medien übernommen werden. Wer philanthropisch und demokratisch sein möchte, kann kein krudes Archaikum verzärteln, als handelte es sich um eine erbarmungswürdige, aussterbende Spezies, sonder stellt sich ihm immanent im Sinne täglicher Opfer entgegen. Im Abendland nannte man das einst "Aufklärung".
Atheist_Crusader 28.08.2016
2.
Wer den Islamismus bekämpfen will, muss nicht mit den Islamisten reden - sondern mit den anderen Moslems. Denn dafür, dass es angeblich so viele normale Muslime gibt, die mit Gewalt und Unterdrückung nichts am Hut haben wollen, haben die angeblich so zahlenschwachen Extremisten gewaltige Netzwerke, Einfluss, Macht und propagandistischen Erfolg. Tatsächlich fühle ich mich als Deutscher da unangenehm an das erinnert, was man uns in der Schule über die Dreißiger Jahre beigebracht hat. Eine kleine, aber gewaltbereite, laute und gut organisierte Minderheit schwingt sich an die Macht. Und die Mehrheit sagt keinen Ton. Vielleicht weil man Angst hat, vielleicht weil man meint dass einen das nichts anginge (immerhin ist man ja selbst kein Jude, Homosexueller, etc.) oder ihnen ganz einfach zustimmt. Viele der Unterdrückten (z.B. Frauen) stimmen sogar noch ein, mit irgendwelchen Stockholm-Syndrom-artigen Begründungen, dass es ihnen ja gut ginge und sie respektiert würden. Fanatiker werden als "Patrioten" Oder heute: als "fromm" und "gottesfürchtig") verharmlost. Und dann wird in der Geschichtskiste gekramt um alles (reale wie empfundene) Unrecht der letzten paar Jahrhunderte hervorzukramen - selbstverständlich ohne die eigenen Fehltritte in der Sache zu erwähnen. Und plötzlich sehen die ach so harmlosen "tiefgläubigen Männer" sogar gut aus. Und dann scheitern ihre großartigen Pläne, der Krieg kommt zurück nach Hause und wenn die Bomben fallen, schreien die Leute "aber ich hab die doch gar nicht gewählt!". Wenn man ernsthaft etwas gegen Islamismus tun will, dann muss man sich an die Mehrheit der Muslime wenden. Und das ohne falsche Scheu, ohne alberne Entschuldigungen und im Klartext. Westdeutschland hat das geschafft. Die DDR hatte eine andere Idee "War nicht eure Schuld, die Faschisten haben euch belogen". Generalabsolution. Und das ist genau der selbe Mist, den man heute mit den Muslimen abzieht. "Das ist nicht der Islam.", "Da hattet ihr nichts mit zu tun." oder "Der Islam ist eine Religion des Friedens.". Und sich dann wundern, warum es immer so weitergeht. Warum immer wieder Menschen unterdrückt und ermordet werden, Fortschritt und Aufklärung erstickt und dabei noch der eigene Opfermythos genährt werden. Deutschland hat das schon hinter sich. War nicht schön im Ergebnis.
darthmax 28.08.2016
3. Aufklärung
Zitat von Knossos"... die Dschihadisten sollen erklären, was Unterdrückung, Gewalt und Folter mit dem Islam zu tun hätten." Rapper Soumy und der Rest seiner Blinde-Kuh-Fraktion sollten lieber erklären, warum sie einer Gesinnung anhängen, ohne über sie informiert zu sein. Immerhin handelt es sich um eine, die weltfremd, aggressiv, opportunistisch, gewissenlos und uneinsichtig wie keine andere großkulturelle Deformation ist. Und sogenannte Islamisten handeln lediglich wie ihnen angeblich von Propheten geheißen (genauer besehen, soll es ihnen sogar Gott abverlangen. Lesen Sie es nach). "Für ihn sei die Religion des Propheten eine Botschaft der Brüderlichkeit." Das ist eine Blut-und Bodensage für die vorsätzliche Ignoranz Rechtsradikaler auch. Es gibt den Widersinn eines moderaten Rechtsradikalismus allerdings ebenso wenig, wie einen Islam des Friedens, des Mitgefühls, des Verstands, der Verhältnismäßigkeit und der Menschlichkeit. Kann man wenigstens im aufgeklärten Westen damit aufhören, vorzuspiegeln es gäbe die Moderation eines aberwitzigen, radikalen, faschistischen Konstrukts, das sich noch dazu jede Reform von vornherein als Blasphemie verbietet? Wie wäre es zur Abwechslung, wenn Diskutanten und Journalisten ENDLICH einmal jene Scharteke läsen, auf der dieser Glaube fußt? Es ist widersinnig genug, daß seine Jünger es nicht fertigbringen, dies zu tun. Das religiöses Prinzip aktueller 'Vermittler des Weltfriedens', erst das Ziel festzulegen und ihm dann Fakten und Sicht anzupassen, steht dem Zeitgeist, der Vernunft und dem humanistischen Ideal in der Moderne entgegen und sollte schon gar nicht von etablierten Medien übernommen werden. Wer philanthropisch und demokratisch sein möchte, kann kein krudes Archaikum verzärteln, als handelte es sich um eine erbarmungswürdige, aussterbende Spezies, sonder stellt sich ihm immanent im Sinne täglicher Opfer entgegen. Im Abendland nannte man das einst "Aufklärung".
da dies natürlich genau so auf andere Religionen zutrifft wird von Ihnen auch kein Widerstand entgegengebracht und die Politik hat Angst, Gläubige vor den Kopf zu stossen.
es-reicht-nun 28.08.2016
4. soll also heissen...
dass ich mich an WEN wende, wenn mir die arrogante Haltung der Eurozentriker nicht passt?
go-west 28.08.2016
5. Er ist nicht erklärbar.
Vor allem nach eingehender Analyse des Handelns des Religionsgründers.
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