Dresdner Sinfoniker in Mexiko Anti-Trump-Konzert am Grenzzaun

Musizieren gegen Trump: Die Dresdner Sinfoniker traten am Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA auf. Ein Parallelkonzert auf der anderen Seite des Bollwerks hatten die US-amerikanischen Behörden verboten.

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Laut und fröhlich, mit Musik und Lärm und 2000 Besuchern gegen Donald Trump: Die Dresdner Sinfoniker haben am Wochenende ein höchst politisches Konzert gegeben. An der Grenze zwischen Mexiko und den USA forderten sie musikalisch: "Tear Down That Wall".

Der Spruch stammt ursprünglich von Ronald Reagan und richtete sich 1987 gegen die Berliner Mauer. Die Musiker aus Dresden interpretieren ihn angesichts von Trumps Mauerplänen neu: Sie bringen die metallenen Gitterstäbe an der Grenze zwischen Mexiko und den USA mit ihrer Musik zum Schwingen. Beim Stück "The Big, the Bug, the Cricket & the Quack" bearbeiten die Schlagzeuger am Grenzzaun aufgehängte Metallfässer mit Vorschlaghämmern - das Echo lässt die Stäbe erzittern.

"Mit Musik und Kunst senden wir eine Botschaft gegen Fanatismus und Nationalismus in der Welt", sagt Sinfoniker-Intendant Markus Rindt. "Es ist unglaublich. Ein tolles Festival vor einer schönen Kulisse." Damit meinte er allerdings den Pazifischen Ozean - und nicht den Grenzzaun zwischen Tijuana in Mexiko und San Diego in den USA.

Musik gegen die US-Abschottungspläne vor dem schon heute bestehenden Grenzzaun
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Musik gegen die US-Abschottungspläne vor dem schon heute bestehenden Grenzzaun

"Ein fröhlicher und bunter Protest"

Über 2000 Menschen kam am Samstag zum Festival, bei dem neben den Dresdner Sinfonikern und dem Jugendorchester Tijuana auch die Bands Pucha Lucha und Tijuana No sowie der Sängerinnen Coral MacFarland und Sara Curruchich auftraten. Das Konzert unter dem Motto "Tear Down This Wall" richtet sich gegen die Pläne von US-Präsident Donald Trump, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen, um Drogenschmuggel und illegale Einwanderung zu stoppen.

Zudem hatte Trump seinen Anhängern versprochen, Mexiko für das milliardenschwere Mega-Projekt zahlen zu lassen. Die mexikanische Regierung lehnt das strikt ab. In den kommenden Tagen werden die Gewinner der ersten Ausschreibungsphase bekannt gegeben, die dann auf einer Brachfläche in San Diego ihre Prototypen errichten sollen.

Auf der US-Seite der Grenze hatten sich einige Trump-Anhänger versammelt. Sie schwenkten amerikanische Flaggen und skandierten "Baut die Mauer". "Wir haben mit unserer Musik kräftig dagegengehalten", sagt Rindt. "Es war ein fröhlicher und bunter Protest gegen die Mauer."

Mehr Tote als an der Berliner Mauer

Der mexikanische Künstler Enrique Chiu malt einen Teil des Grenzzauns an, eine Installation mit rosa Tauben erinnert an die Migranten, und ein riesiger Spiegel macht die mächtige Metallbarriere für einen Moment unsichtbar.

"Dieses Projekt lädt uns dazu ein, einmal über die Lage der Migranten nachzudenken. Sie sind getrennt von menschengemachten Mauern, die sie von ihren Familien fernhalten", sagt die Studentin Haidee Patricia Suárez, die bei dem Festival mithilft.

Enrique Morones von der Organisation "Engel der Grenze" bittet um eine Schweigeminute, für all jene, die beim Grenzübertritt ums Leben kamen. "Es gibt hier mehr Tote als an der Berliner Mauer", sagt er.

Der Übertritt in den Wüstengebieten zwischen den mexikanischen Bundesstaaten Sonora, Chihuahua und Coahuila und den US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und Texas ist gefährlich. Auf der mexikanischen Seite werden die Migranten häufig Opfer krimineller Banden. Und auf den langen Fußmärschen durch die Wüste verdursten immer wieder Menschen.

US-Behörden verhindern Parallelkonzert

Vor 30 Jahren hatte sich US-Präsident Ronald Reagan nahe der Berliner Mauer mit einem Satz in die Geschichtsbücher geschrieben: "Mr. Gorbatschow: Tear Down This Wall!" Zweieinhalb Jahre später wurde aus der Aufforderung, die Mauer einzureißen, Wirklichkeit.

Wenn es nach den Sinfonikern und den anderen Künstler auf dem Festival geht, soll die von Trump geplante Mauer an der Grenze von Mexiko und den USA gar nicht erst entstehen. Auf gut einem Drittel der über 3000 Kilometer langen Grenze steht ohnehin schon ein massiver Stahlzaun - in Tijuana reicht er bis ins Meer.

Ursprünglich hatten die Sinfoniker ein grenzüberschreitendes Konzert geplant. Es sollte ein musikalisches Zwiegespräch zwischen Tijuana und San Diego, zwischen Süden und Norden werden, so das Konzept. Allerdings untersagten die US-Behörden den Auftritt im Friendship-Park in San Diego. Aus Sicherheitsbedenken und zum Schutz der Vögel.

"Wenn wir das nächste Mal nach Tijuana kommen, hoffe ich, dass es den Zaun nicht mehr gibt und dass der Freundschaftspark ein echter Park ist, in dem sich die Menschen beider Länder treffen können", sagt Sinfoniker-Intendant Rindt. "Ich weiß, dass das nicht sehr realistisch ist, aber man wird ja noch träumen dürfen."

Luis Ángel García/Denis Düttmann/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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citizen01 04.06.2017
1. Gibt bestimmt ein gutes Gefühl.
Da es mind. die tausendste Botschaft dieser Art ist, reißt es niemanden mehr aus dem Sessel. Wohl eher Selbstinszenierung für die Chronik.
spon-facebook-10000540048 04.06.2017
2.
Freut mich, daß aus Deutschlands Osten auch solche Töne zu hören sind. Danke !
neanderspezi 04.06.2017
3.
Jeder Widerstand und ist er noch so klein, lädt zur Widerholung und zur Verstärkung ein. Es gibt da einen Bibelstelle zur Mauer von Jericho, die lautet so: "Und es geschah, als das Volk den Schall der Posaunen hörte und als das Volk ein großes Geschrei erhob, da stürzte die Mauer ein an seiner Stelle". Diese abscheuliche Mauer zwischen den USA und Mexiko sollte unter Dauerbeschallung gestellt werden und das Weiße Haus mit, in dem ein gewisser Trump versucht, den Regierungsgeschäften nachzugehen und ein Desaster nach dem anderen in die Wege leitet, wie wenn etwas Derartiges seine zweite Natur darstellte.
Shulma Shmoller-Shmopp 04.06.2017
4. Dabei sein ist alles
Zitat von citizen01Da es mind. die tausendste Botschaft dieser Art ist, reißt es niemanden mehr aus dem Sessel. Wohl eher Selbstinszenierung für die Chronik.
Die Solidaritätsadresse ist in Zeiten der Selbstvermarktung leider ziemlich unappetitlich geworden. Das lässt sich nach jedem Anschlag in den sozialen Accounts diverser Zelebritäten und anderer Trittbrettfahrer hautnah erleben. Mit der Vervielfältigung ins Hunderttausendfache und weit mehr verkehrt sich die möglicherweise intendierte Würde des Unterfangens ins Würdelose. Mich erinnert solcherlei immer an Lady Di und die Travestie der Kondolenz und Anteilnahme in eine Art von floraler Müllhalde. Dabei sein ist eben alles.
hajode 04.06.2017
5. Wenigstens.....
wird mal erwähnt, dass mehr als tausend Kilometer der verstärkten Grenze bereits gebaut sind (hat übrigens unser allseits beliebter Bill Clinton begonnen). Manchmal hat man das Gefühl, dass die meisten Bundesbürger glauben, dass der Donald damit beginnt.
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