Antisemitismus-Skandal Pianist Igor Levit gibt seinen Echo zurück

Die Echo-Affäre um die Rapper Kollegah und Farid Bang wird immer größer. Nach dem Notos Quartett und Klaus Voormann gibt nun auch der deutsch-russische Pianist Igor Levit seine Auszeichnung zurück.

Igor Levit bei der Verleihung des "Echo Klassik" am 26.10.2014
DPA

Igor Levit bei der Verleihung des "Echo Klassik" am 26.10.2014


Aus Protest gegen die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang hat nun auch der Pianist Igor Levit seinen Echo-Klassik zurückgegeben, den er 2014 erhalten hatte. Die Vergabe an die beiden Rapper sei für ihn "ein vollkommen verantwortungsloser, unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft", schrieb Levit auf Twitter. "Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich."

Am vergangenen Donnerstag waren die beiden Rapper mit dem Musikpreis für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden, das als antisemitisch und frauenverachtend kritisiert wird.

Im Video: Campinos deutliche

REUTERS

Zuvor hatte bereits der Musiker und Grafiker Klaus Voormann den erst vor wenigen Tagen überreichten Echo für sein Lebenswerk zurückgegeben. Auch das Notos Quartett aus Berlin hatte angekündigt, seinen Echo Klassik vom vergangenen Herbst zurückzugeben.

Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf. Auch andere Musiker, Kulturschaffende und Journalisten machten ihrem Unmut Luft. Der Bundesverband Musikindustrie kündigte angesichts der Proteste an, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Lesen Sie hier einen Kommentar zur Echo-Affäre.

bsc/dpa



insgesamt 78 Beiträge
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manitoba 17.04.2018
1. Placebo
Die Rückgeberitis ist ein Placebo. Am Problem ändert sich nichts. Dieser "Preis" honoriert die Verkaufszahlen und gemessen daran haben die Herren Rapper diesen zu Recht bekommen. Erschütternd ist, dass sie ihren geistigen Schrott in der Tat verkaufen können und nicht etwa verschenken müssen. In den Hirnen der Jugend liegt einiges im Argen. Böswillig könnte man auch sagen, das ist genau die Islamisierung, von der behauptet wird, dass sie gar nicht stattfände...
jkleinmann 17.04.2018
2. Nicht zu vergessen
die Homophobie und Frauenfeindlichkeit. Ich lese nur noch 'Antisemitismus'. Selbst ein Bezug auf Auschwitz ist nicht auf Juden limitiert.
yoda56 17.04.2018
3. Jede Rückgabe ist besser, als ein Behalten, aber...
...ich frage mich, warum offenbar Campino der einzige war, der sich vorher mit diesen Kriminellen beschäftigt hat.
Mieze Schindler 17.04.2018
4. Und wo bleibt der Rücktritt derer
die für die Verleihung des Preises an Farid Bang und Kollegah verantwortlich waren? Man kann doch nicht jeden Müll prämieren, der Umsatzzahlen d.h. Profit bringt. Wo wir da hinkommen, sehen wir an dieser "Echo"- Verleihung.
alter_nativlos 17.04.2018
5. Bedenklich
ich finde es bedenklich, wenn sich Preisträger zu Preisrichtern aufspielen. Letztlich lässt sich darüber streiten, ob die inkriminiert Zeile der Rapper schon antisemitisch oder noch durch die Kunstfreiheit gedeckt ist.
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