Musikpreis Umstrittene Band Frei.Wild bekommt Echo

2013 wurden die Heimatliebhaber Frei.Wild nach Protesten anderer Bands noch von der Nominierungsliste gestrichen, jetzt bekam die umstrittene Band doch noch einen Echo. Nicht alle sind begeistert.

Frei.Wild
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Die umstrittene Deutschrock-Band Frei.Wild hat einen Echo bekommen. Die Gruppe erhielt den Musikpreis in der Sparte Rock/Alternative National. Der Echo solle als Symbol für Widerstand gegen Ausgrenzung gesehen werden, sagte die Band bei der Preisverleihung in einer teilweise kryptischen Rede, in der sie auch davon sprach, dass nun Fehler korrigiert seien.

Frei.Wild war 2013 beim Echo noch von der Nominierungsliste gestrichen worden, nachdem andere Gruppen wie Kraftklub mit einem Boykott gedroht hatten. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob und wie rechts die Band ist und ob sie den rechten Rand bedient (Mehr Hintergründe dazu lesen Sie hier.)

Frei.Wild äußern sich zwar in ihren Texten nicht offen rechts, feiern aber offensiven Patriotismus und Heimatliebe. Die Band ordnet sich selbst als "überzeugt von bestimmten konservativen Werten" ein. Im vergangenen Jahr positionierten sich die Musiker dann überraschend klar gegen Fremdenhass.

Tim Renner, Kulturstaatssekretär in Berlin und Ex-Musikmanager, kommentierte die Entscheidung auf Facebook so:

Nach der Preisübergabe an Frei.Wild, bei der es Buh-Rufe gab, spielte der Sänger Bosse seinen Song "Steine" live. Am Ende hob er plötzlich seine Mittelfinger und sang: "Und die hier gehen raus an alle Nazischweine."

Pur als beste Band ausgezeichnet

Zur 25. Echo-Verleihung haben sich Stars wie Udo Lindenberg, Tim Bendzko, Anna Loos und ihre Band Silly Amy Macdonald und Namika in Berlin versammelt. Der Deutsche Musikpreis wird bei der von Barbara Schöneberger moderierten Gala an die erfolgreichsten Künstler der Branche verliehen.

Die Popband Pur wurde als beste nationale Band in der Kategorie Rock/Pop ausgezeichnet. Sie siegten gegen The BossHoss ("Dos Bros"), Revolverheld, Silbermond und Unheilig. Sarah Connor ist mit dem Echo als beste nationale Künstlerin in der Kategorie Rock/Pop ausgezeichnet worden. Helene Fischer räumte gleich viermal ab: Die 31-Jährige gewann den Echo für ihr Album "Weihnachten", sie siegte in der Kategorie Crossover und nahm weitere Preise in den Kategorien Live-Act National und Musik-DVD/Blu-Ray entgegen. Der heimliche Star der Preisverleihung war allerdings Newcomer Joris, der drei Echos gewinnen konnte und dabei auch die Publikumswahl gewann.

Der Echo für den Hit des Jahres geht an den belgischen DJ Lost Frequencies. Der Musiker wurde für seinen Song "Are You with Me" ausgezeichnet. Bei der Echo-Gala in Berlin setzte sich Lost Frequencies unter anderem gegen Adele ("Hello") und Sido ("Astronaut") durch.

Bei der Verleihung wird auch an Jazzmusiker Roger Cicero erinnert, der mit 45 Jahren überraschend gestorben ist. Roland Kaiser erhält den Echo für sein soziales Engagement. Kaiser unterstütze karitative Einrichtungen für Kinder und mache sich für das Thema Organspende stark, so die Echo-Verleiher.

Hier finden Sie die wichtigsten Preisträger im Überblick:

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Echo-Verleihung 2016: Das sind die Preisträger

kry/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Konakri 07.04.2016
1.
" Im vergangenen Jahr*positionierten sich die Musiker dann überraschend klar gegen Fremdenhass." Eigentlich nur für die Leute überraschend, die sich nie mit der Band beschäftigt haben, sondern sich nur die allgemeine Meinung zueigen gemacht haben.
euroeddy 07.04.2016
2. 2013 war es eine Schande, Frei.Wild zu streichen...
...und angesichts dieser unwürdigen Aktion war die "Dankesrede" heute sehr maßvoll und hatte Stil. Die Band war noch nie rechtsradikal und Deutschland ist wohl das einzige Land der Welt, in dem Heimatliebe negativ bewertet wird.
Kaian 07.04.2016
3. Tolerant
sollte man auch gegenüber Patriotismus sein, leider wird die Band hier typischerweise ins rechte Abseits gestellt. Wer ihre Texte liest sieht aber ein, dass die Band zwar rechts (konservativ) ist, aber durch ihren Patriotismus fälschlicherweise ins Extreme gestellt werden. Allerdings rückt die Band mittlerweile auf die CSU Linie, was aber für Südtiroler nicht unrealistisch ist. Rechts ja, Nazis Nein!!
pascal94 07.04.2016
4. JEDER hat Fehler in einer Jugend gemacht!
Mir ist es immer wieder schleierhaft wie man die Jugendfehler eines Menschen immer und immer wieder heranzieht, nur um daraus Kapital zu schlagen. Wenn JEDER von uns in seine Jugend zurück schaut, dann ist jeder froh, dass ihn die eine oder andere Sache nicht mehr verfolgt. PUNKT. Wenn man sich von diesen Fehlern wieder und wieder distanziert, so DARF man dann diese Fehler nicht immer wieder diesem Menschen vorhalten. PUNKT
sterbenderpelikan 07.04.2016
5. Wow, was eine unnötige Veranstaltung...
Sarah Connor... Silbermond... Barbara Schöneberger (?!?!?)... der Echo tut zwar so, als bilde er die deutsche Musikszene ab, aber zum Glück ist dem nicht so. Wenn man einen Echo bekommt, hat man künstlerisch irgendwas falsch gemacht. Also gönne ich ihn Frei.Wild eigentlich...
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