Echo-Gala "Danke, dass ihr mich so runtergeladen habt"

An "Schni-Schna-Schnappi" führte auch bei der Echo-Verleihung kein Weg vorbei: Sängerin Joy, 9, bekam den Preis für den erfolgreichsten Downloadtitel. Als beste deutsche Nachwuchsgruppe wurde Silbermond ausgezeichnet, die Brachial-Rocker von Rammstein erhielten gleich zwei der begehrten Musiktrophäen.


Hat gut lachen: "Schnappi"-Sängerin Joy
DDP

Hat gut lachen: "Schnappi"-Sängerin Joy

Berlin - So sehr gestrahlt wie die kleine Joy hat am Samstagabend keiner der vielen Echo-Preisträger. "Boah, ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Echo in der Hand halten würde", sagte die Neunjährige mit dem Schlapphut - nach Luft und Worten schnappend und die Trophäe fest an sich drückend. "Danke, dass ihr mich im Internet so runtergeladen habt." Das Lied "Schnappi, das kleine Krokodil" bekam den begehrten Musikpreis als erfolgreichster Downloadtitel des Jahres. Zu der feierlichen Gala-Veranstaltung waren die Creme de la Creme der Musikszene sowie zahlreiche Fans in das Estrel Convention Center in Berlin gekommen. Insgesamt wurden vor rund 4000 Menschen 25 Echos verliehen.

Feiern taten die Preisträger im Anschluss an die Echo-Gala indes nur sehr verhalten und leise. Anlässlich des Todes von Papst Johannes Paul II. wurde bei der traditionellen After-Show-Party keine Musik gespielt. Die Stimmung war gedämpft. Viele Prominente ließen sich nicht sehen, die Medienberichterstattung wurde heruntergefahren.

Silbermond beim Echo-Auftritt: Als Favorit gestartet, aber nur ein Preis
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Silbermond beim Echo-Auftritt: Als Favorit gestartet, aber nur ein Preis

Die Favoriten Silbermond, die gleich für vier Echos nominiert gewesen waren, konnten sich nur über eine Auszeichnung freuen: den Nachwuchspreis der Deutschen Phono-Akademie. Dennoch war der Jubel bei der Band aus dem sächsischen Bautzen riesig. Sängerin Stefanie Kloß, die vorher bekannt hatte, sie spüre "Adrenalin in den Gelenken", musste um Fassung ringen: "Es kommt selten vor, dass ich sprachlos bin." Der Dank der Gruppe ging vor allem an die Eltern, "die es uns nicht übel genommen haben, dass wir keinen anständigen Beruf erlernt haben". Bevor sie die Trophäe in Empfang nahmen, legten Silbermond mit "Zeit für Optimisten" einen energiegeladenen Live-Auftritt hin und brachten ihre Fans zum Mitrocken.

Den Echo für den besten nationalen Live-Act schnappte den Newcomern dann jedoch eine andere Band weg: die für spektakuläre Bühnenshows bekannte Formation Rammstein, die zudem einen Preis für die erfolgreichste alternative Band erhielt. Am Samstag verwandelten sich die Musiker mit dicken Polstern in Hemd und Hose in Fettleibige und lieferten erwartet extravagant ihren ersten Auftritt in einer Fernsehshow ab - die Bühne ließen sie dabei jedoch stehen. Wortkarg und gewohnt provozierend gaben sich die Jungs bei der Entgegennahme ihrer Echos für den besten Live-Act und als erfolgreichste Gruppe in der Kategorie "Alternative National/International". Mehr als ein schlichtes "Danke" und "Danke schön, die anderen ziehen sich schon um" gab es von den Schockrockern nicht.

Wenn das Roy Black wüsste: Ganz in weiß...

Rammstein war ganz in weiß gekleidet erschienen - und traf damit offenbar den Trend des Abends. Auch Sängerin Judith Holofernes von Wir sind Helden, den Abräumern bei der Echo-Verleihung 2004, kam im weißen Kleid mit weißer Federboa. In weiße Anzüge hatten sich auch die Jungs von den Fantastischen Vier geschmissen. Sängerin Annett Louisan, die als erfolgreichste Künstlerin in der Kategorie "Rock/Pop national" geehrt wurde, kam in weißer Hose und weißem Blazer. Rapper Sido hatte für sein schneeweißes Outfit eine Erklärung parat: "Ich bin weiß angezogen, weil ich mich heute mal ein bisschen benehmen will."

Räumte zwei Preise ab: Rammstein
Universal Music

Räumte zwei Preise ab: Rammstein

Der Echo wird seit 1992 jedes Jahr von der Deutschen Phono-Akademie, dem Kulturinstitut der Phonographischen Wirtschaft, verliehen. Die Preise basieren zum größten Teil auf den Platzierungen in den Charts des vergangenen Jahres. Superstar Robbie Williams bekam zum vierten Mal in Folge eine der begehrten Trophäen. Nach Berlin gekommen war der britische Sänger aber nicht, da er gerade in den USA sein neues Album aufnimmt.

Als erfolgreichste Künstlerin international Rock/Pop nahm US-Sängerin Anastacia einen Echo in Empfang - und schlug damit Nelly Furtado, Norah Jones, Avril Lavigne und Katie Melua aus dem Rennen. Anastacia betonte, das vergangene Jahr sei "mehr als ein Traum" gewesen.

Einen Echo als erfolgreichster deutscher Sänger Rock/Pop erhielt Gentleman; als beste Gruppe wurden die Söhne Mannheims ausgezeichnet. Auf internationaler Ebene ging dieser Preis an die Punkrocker Green Day aus Kalifornien. Sieger in der Hiphop- und R&B-Ecke wurden die deutsche Band Die Fantastischen Vier sowie US-Rapper Eminem. Die Zuschauer des Musiksenders Viva stimmten für "Run With Me" von Jeannette als Bestes Video National.

Randfichten-Alarm beim Echo

Einen Echo für die erfolgreichste Single des vergangenen Jahres heimste O-Zone mit "Dragostea Din Tei" ein und schlug auch "Schnappi, das kleine Krokodil". Die in Georgien geborene Britin Katie Melua wurde als erfolgreichste Newcomerin des Jahres 2004 wurde geehrt; bester Dance Act wurde der schwedische DJ und Produzent Eric Prydz ("Call on me").

Die erfolgreichsten deutschen Popstars



Für sein Lebenswerk mit einem Echo geehrt wurde der Songwriter Michael Kunze, dem Interpreten wie Udo Jürgens, Julio Iglesias und Gilbert Bécaud einige ihrer größten Erfolge verdanken. In den Kategorien Schlager und Volkstümliche Musik gewannen Andrea Berg und De Randfichten ("Dr Holzmichl") ab.

Bereits am Freitag waren erste Echos vorab verliehen worden. Stefan Raab wurde als erfolgreichster Musikproduzent sowie als Medienpartner gewürdigt. Der Titel beste Musik-DVD-Produktion ging an Die Ärzte für "Die Band, die sie Pferd nannten". Den Preis für die erfolgreichste Jazz-Produktion erhielt die Kanadierin Diana Krall ("The Girl In The Other Room").

Von Nadine Emmerich und Nathalie Waehlisch, ddp



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