Echo-Musikpreis Frei.Wild kommen? Kraftklub steigen aus!

Die Rechtsrocker von Frei.Wild sind für einen Echo nominiert. Für Kraftklub ein Grund abzusagen. Auch Die Ärzte finden das "politisch fragwürdig". Und warum ausgerechnet diese Band aus Italien in der Echo-Kategorie "Rock/Alternative national" gelandet ist? Ein Rätsel.

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Hamburg - Die Nominierungsliste zum Deutschen Musikpreis Echo provoziert Proteste: Die Südtiroler Band Frei.Wild konkurriert in der Kategorie "Rock/Alternativ national" mit den Bands Die Ärzte, Unheilig, Mia und Kraftklub. Beziehungsweise: konkurrierte. Denn Kraftklub wollen bei einem Musikwettbewerb, der einer mit Nationalismus und Deutschtümelei kokettierenden Formation eine Plattform gibt, nicht mehr dabei sein.

"Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, dass unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie 'Rock/Alternativ National' zurückgezogen wird", schreibt das Quintett aus Chemnitz auf seiner Facebook-Seite. "Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden. Obwohl wir uns gefreut haben, zusammen mit Mia, den Toten Hosen, Unheilig und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein. Schade um die schöne Aftershowparty..."

Die Nominierung von Frei.Wild - die übrigens bereits 2011 schon mal für einen Echo nominiert waren - kann man durchaus fragwürdig finden, nicht nur aus politischen Gründen. Einerseits legt das Echo-Reglement fest, dass "die Bestplatzierten der offiziellen Top-100-Album-Charts" im Zeitraum 24. Februar 2012 bis 21. Februar 2013 sozusagen automatisch für einen Echo in der jeweiligen Kategorie nominiert werden. Andererseits: Ist es wirklich logisch, wenn eine Band aus dem italienischen Brixen in der Kategorie "Rock/Alternative national" auftaucht? Und wird daraus nicht erst recht ein Fehlgriff, wenn diese Band gerne betont, zur deutschen Minderheit in Südtirol zu gehören?

Politische Haltung hinreichend bekannt

Schon in der Vergangenheit hat die Band um Sänger Philipp Burger, der einst in einer rechtsnationalen Skinhead-Kapelle namens Kaiserjäger spielte, Kontroversen ausgelöst. Mitte Januar etwa stieg die Musikzeitschrift "Visions" aus der Präsentation eines Festivals aus, auf dem Frei.Wild spielen sollten - die Band zog dann ihrerseits zurück.

Die Echo-Verleihung findet am 21. März im Berliner Palais am Funkturm statt. Moderatorin ist die Schlagersängerin Helene Fischer, als Favoriten gehen unter anderem die Toten Hosen und der Rapper Cro ins Rennen.

Auch Die Ärzte haben sich inzwischen zum Thema geäußert. "Hey Leute, beim 'Wichtigsten Deutschen Musikpreis' ist mal wieder eine politisch fragwürdige Band nominiert", schreibt das Berliner Trio zum Thema Frei.Wild. "Da uns der Echo sowieso nie interessiert hat und unsere politische Einstellung hinreichend bekannt sein sollte, liegt der Rest in den Händen der sicherlich weisen Juroren." Will heißen: Die Ärzte lassen sich durch Frei.Wild den Echo nicht verderben.

twi/afp

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