"Symbol der Schande" Echo-Gewinner geben Trophäe zurück

Der Echo für Farid Bang und Kollegah löste heftige Debatten aus: Außenminister Heiko Maas äußerte sich, der ARD-Unterhaltungskoordinator fordert die Abschaffung. Nun hat das Notos Quartett seinen Preis zurückgeben.

Das Notos Quartett
imago/Sven Simon

Das Notos Quartett


Für das Notos Quartett war die Auszeichnung mit dem Echo Klassik 2017 eine riesige Ehre und eine großartige Anerkennung - bis zum vergangenen Donnerstag. Jenem Abend, als die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah den Echo entgegennahmen - für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3". Darauf finden sich die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Damit sei der Preis für das Berliner Quartett nun ein "Symbol der Schande". Aus Protest gaben die jungen Musiker ihn zurück.

Auf seiner Facebook-Seite schreibt das Kammermusik-Ensemble, das sich vor allem den großen Meisterwerken der Gattung Klavierquartett widmet, weiter: "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar." Über die Entscheidung der Verantwortlichen, antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen, seien die Musiker zutiefst erschüttert.

Neues Konzept für den Echo

Damit ist das Notos Quartett der erste Echo-Preisträger, der sich zu diesem Schritt entschieden hat. Es ist aber längst nicht die erste Reaktion: Außenminister Heiko Maas hatte die Preisvergaben für "antisemitische Provokationen" als "beschämend" bezeichnet. Bei der Gala selbst hatte Tote-Hosen-Frontmann Campino die Vergabe an das Duo heftig kritisiert.

In einem Gastbeitrag für die Zeitung "Welt" sprach sich der ARD-Koordinator für Unterhaltung, Thomas Schreiber, gar für die Abschaffung des Preises aus. Zugleich kritisierte er die Musikindustrie als Veranstalter für ihr dreifaches Versagen: die Nominierung der Rapper, den Auftritt der beiden bei der Verleihung und das Schweigen der Verantwortlichen.

Am Wochenende dann reagierte der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI) und kündigte an, das Konzept der Verleihung zu erneuern. Das schließe die "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" ein.

brs



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