Zoff auf der Bühne Kollegah und Farid Bang mit Echo ausgezeichnet

Ihre Nominierung hatte schon vorher für hitzige Diskussionen gesorgt, nun gewannen die Rapper Kollegah und Farid Bang einen Echo. Noch auf der Bühne antworteten sie ihren Kritikern.

Die Rapper Kollegah (r.) und Farid Bang beim Echo
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Die Rapper Kollegah (r.) und Farid Bang beim Echo


Die umstrittenen Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang haben den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National gewonnen - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen".

Tote-Hosen-Sänger Campino sah sich gar zu einer Live-Schelte auf der Bühne veranlasst. Provokation sei ein wichtiges Stilmittel, sagte der 55-Jährige, als er die Auszeichnung für die Kategorie Rock national entgegennahm. Habe Provokation aber eine frauenfeindliche, homophobe, rechtsextreme oder antisemitische Form, sei eine Grenze überschritten. Verbot und Zensur seien jedoch keine Lösung, so Campino weiter.

"Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen", konterte Kollegah die Kritik. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagte Kollegah weiter als er den Preis auf der Bühne entgegennahm - und erntete laute Buh-Rufe und Pfiffe aus dem Publikum.

Knobloch: "Verheerendes Zeichen"

Kurz nach der Verleihung äußerte sich auch die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Sie sei entsetzt über den Echo für das Rap-Duo. Es sei "ein verheerendes Zeichen", den wichtigsten deutschen Musikpreis an "vermeintliche Künstler" zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch.

Kollegah und Farid Bang würden "mit ihren menschenverachtenden Botschaften Millionen, meist junge, Menschen" erreichen, sagte Knobloch weiter. Der Preis sei nun außerdem am jüdischen Holocaustgedenktag, Jom HaSchoa, an die Musiker verliehen worden. Da dürfe sich niemand wundern, dass "Jude" in Klassenzimmern wieder Schimpfwort sei und jüdische Menschen alltäglich Opfer von Diffamierung und Aggression würden.

Rekord für Helene Fischer

Helene Fischer, Ed Sheeran und Mark Forster gehören zu den weiteren Gewinnern der 27. Echo-Preisverleihung. Die 33-jährige Fischer baute mit der Auszeichnung ihren Rekord weiter aus: 17 Echos hat sie inzwischen bei sich zu Hause stehen. Sie räumte in der Kategorie Schlager ab. "Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar", sagte sie. Sheeran bekam die wichtigen Preise für Hit des Jahres und bestes Album - war aber selbst nicht in Berlin dabei.

Zuvor hatten Alice Merton (Künstlerin Pop national), Milky Chance (Band Pop national) und Haiyti (Kritikerpreis) Preise abgeräumt. Wincent Weiss gewann die Auszeichnung als nationaler Newcomer. Luis Fonsi wurde als internationaler Newcomer geehrt. Der DJ Robin Schulz gewann den Echo in der Kategorie Dance national. Er konnte den Preis allerdings wegen Krankheit nicht selbst in Empfang nehmen.

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung. Zwei eher ungewöhnliche Auftritte legte Fischer hin. Sie performte zunächst ihren Song "Lieb mich dann" mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und dem Gitarristen Gregor Meyle. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi. "Wir vom Schlager sind einfach überall - auch da, wo niemand mit uns rechnet", sagte Fischer.

mkl/dpa

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zeitgeist☆ 13.04.2018
1. Eine Schande...
ich will den beiden ihre künstlerische Leistung und Freiheit nicht absprechen und Dennoch ist es einfach eine falsche Botschaft. Ein Stück weit haben die beiden ja auch eine Vorbildfunktion und dieser Text ist ein absolutes no go.
studios 13.04.2018
2. Enormer Fremdschämfaktor
Normalerweise spiegelt der Echo ja nur die traurige deutsche Musiklandschaft wider, dieses Mal leider zusätzlich noch den schlaffen Zeitgeist einer Generation (und zwar nicht die der Jüngeren), die mit den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht umzugehen weiß außer durch dämliches Weglächeln. Und ausgerechnet 'hate speech' ist beste deutsche Musiklyrik. Ich schäme mich und möchte mich bei allen Betroffenen, insbesondere den jüdischen Mitbürgern, für meine Landsleute entschuldigen.
jkbremen 13.04.2018
3. Der Musikzirkus
denkt nur ans Geld (wenn er überhaupt denkt) und ansonsten fehlt den Verantwortlichen jeder moralische oder politische Kompass. Die Nominierung dieser Rapper-Hetzer war schon falsch und der Preis sollte alle anders denkenden Musiker veranlassen ihren Preis zurückzugeben. Mit Leuten wie diesen beiden Rappern würde ich keinen Preis haben wollen.
Him 13.04.2018
4. Was für eine Veranstaltung...
...der einzige, der sich gegen diese Proll-Rapper erhebt, ist Campino...das kann doch nicht sein. Niemand sonst ergreift da das Wort und alle machen einen auf "was für ein toller Abend" und "ich freu mich auf die Party"....echt jetzt?? Diese Leute werden von Millionen jeden Tag gehört und haben eine gewisse Vorbildfunktion, ob es denen nun passt oder nicht. Schade, dass Feine Sahne Fischfilet den Preis nicht erhalten haben, denn die hätten mit Sicherheit nicht geschwiegen....
Das Pferd 13.04.2018
5.
es ist ein kommerzieller Preis. Eine Auszeichnung, für einen gewissen kommerziellen Erfolg. Es schätzen also viele Millionen Konsumenten derartigen Müll. Das gibt mir zu denken, nicht die beiden Idioten die über die Bühne hüpfen.
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