Plagiatsvorwürfe Jury soll entscheiden, ob Ed Sheeran abgekupfert hat

Das Gerichtsverfahren um Ed Sheerans Hit "Thinking Out Loud" geht weiter - und landet bei einer Jury. Kläger werfen dem Musiker vor, sich bei einem Song von Marvin Gaye bedient zu haben.

Ed Sheeran
Getty Images for Global Citizen Festival: Mandela 100

Ed Sheeran


Hat Ed Sheeran für seinen Song "Thinking Out Loud" bei Marvin Gayes "Let's Get It On" abgeschrieben? Die Antwort auf diese Frage liegt nun bei einer Jury - genau das wollten die Anwälte des britischen Musikers verhindern. Aber der New Yorker Bezirksrichter Louis Stanton wies Sheerans Antrag zurück, die Klage abzuweisen. Es gebe "wesentliche Ähnlichkeiten zwischen mehreren musikalischen Elementen" der beiden Musikstücke, ließ Stanton mitteilen.

Die Klageschrift ging schonim Sommer letzten Jahres bei Gericht ein. Dort heißt es, "Thinking out Loud" habe ohne Erlaubnis eine Vielzahl von Elementen des Gaye-Liedes kopiert, unter anderem Rhythmen, Harmonien, Hintergrundgesang und Tempo. Kläger sind die Erben des Produzenten Edward Townsend, der "Let's Get It On" gemeinsam mit Gaye geschrieben hatte, sowie eine Investmentfirma, die Teile an den Urheberrechten von Gayes Songs hält. Der Streitwert liegt bei 100 Millionen US-Dollar (88 Millionen Euro).

Offizielles Musikvideo von "Thinking Out Loud"
Vergleich von "Thinking Out Loud" und "Let's Get It On"

Sheeran hatte mit "Thinking Out Loud" enormen Erfolg, in mehr als zehn Ländern eroberte der Song den Spitzenplatz der Charts, auf YouTube wurde er bisher mehr als 2,6 Milliarden Mal abgespielt. Aufgenommen hatte er ihn 2014 für sein zweites Studioalbum mit dem Titel "x". Sheeran gewann damit den Grammy für den Song des Jahres 2015.

Auch wegen seines Hits "Photograph" vom selben Album war Sheeran verklagt worden. Zwei Songwriter aus Kalifornien warfen ihm vor, den Refrain und 39 Noten ihres Songs "Amazing" geklaut zu haben, der 2012 vom britischen Castingshow-Gewinner Matt Cardle veröffentlicht worden war. Der Rechtsstreit wurde 2017 mit einem Vergleich beigelegt. Ob Sheeran den Klägern Geld gezahlt hat, wurde nicht öffentlich bekannt.

kae/dpa



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dasfred 04.01.2019
1. Wann haben die denn die Ähnlichkeit bemerkt
Schon erstaunlich, dass in solchen Fällen immer gewartet wird, bis ein Künstler mit seinem Titel ordentlich Geld verdient hat. Erst dann zu kommen, wenn es Millionen abzugreifen gibt, finde ich recht dubios. Die Einnahmen ab Veröffentlichung bis zum Antrag auf Beteiligung sollten daher von Ansprüchen frei gestellt werden.
moneysac123 04.01.2019
2. Marginal
Als Hobbymusiker und Komponist finde ich das nicht abgekupfert. Die Ähnlichkeiten sind dann doch weitaus geringer, als man es von anderen Stücken kennt. Außerdem darf man nicht vergessen, dass in den eigenen Schaffensprozess auch all das einfließt, was man schon gehört hat, das muss nicht mal bewusst sein oder in dem Wissen woher es kommt. Oft "erfindet" man auch Tonfolgen und findet später heraus dass es die so oder so ähnlich schonmal woanders gegeben hat. Ich bin gerne kritisch wenn bestehende Stücke neu verwurstet werden und als neu verkauft werden, aber mit dieser Trivialität hier Geld machen zu wollen ist der eigentliche Skandal. Aber das ganze Business ist ja auch Geld machen ausgelegt, daher sind dann 100 Mio sicher angemessen für 39 Noten.
thisnotes4u 04.01.2019
3. Weia!
So ein Quark! Da ist gerade mal die Akkordfolge der normalen Verse gleich. Hoffentlich kommt nicht mal jemand auf die Idee, das Blues-Schema einzuklagen. Da wäre vielleicht Reibach gemacht...
beroyeah 04.01.2019
4. Geistiges Eigentum ...
... ist in jedem Falle zu schützen. Auch mit Millionenklagen. Anders ist dem "abkupfern" nicht bei zu kommen. Und bei unserem Ed ist es ja nicht das erste Mal. Nicht wahr!
Steffen Gerlach 04.01.2019
5. Absurd
Die beiden Stücke sind also unter Ausklammerung des Gesangs sehr ähnlich? Verehrte Erben & Co, das ist im Pop keine Seltenheit. Bei einem Zyklus von nur vier Akkorden, wie ihn die beiden Stücke haben (genau wie 90% der restlichen Popmusik), gibt es nicht unendlich viele Möglichkeiten. Eine Tonart hat nur drei Dur- und drei Moll-Akkorde. 6 hoch 4 ist 1296, und davon ergeben viele Kombinationen musikalisch keinen Sinn. Mit Synkopen kommt wieder ein Faktor drauf, aber dem stehen Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Popsongs gegenüber. Auf dieser Ebene ist alles, was einfach ist und gut klingt, schon hundertfach da gewesen. Für ein Plagiat sollte schon die Melodie sehr ähnlich sein, sprich: der Gesang, und davon kann ich in den Videos nichts erkennen. Es fällt schon sehr auf, dass solche Klagen meistens von irgendwelchen Rechteverwaltern kommen, selten von Künstlern selbst.
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