Eröffnung der Elbphilharmonie "Ein Juwel der Kulturnation Deutschland"

Musiker schwärmen vom "warmen Klang", Politiker sehen sie jetzt schon als historisches Prestigeobjekt: Jahrelang galt die Elbphilharmonie als Baudesaster, doch bei der Eröffnung sind die Gäste begeistert.

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Sie soll die Weltspitze der Konzerthäuser werden: Nach fast einem Jahrzehnt Bauzeit ist die Hamburger Elbphilharmonie am Mittwochabend eröffnet worden. 2100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur sind zu dem Festakt gekommen - und zeigten sich begeistert. "Ein Ort, an dem die verbindende, inspirierende und beglückende Kraft der Musik für alle spürbar wird", sagte Bundespräsident Joachim Gauck.

Die Popularität und die Anziehungskraft der Elbphilharmonie seien eine große Chance, mehr Menschen für klassische Musik zu begeistern. Gauck ermunterte die Stadt: "Nutzen Sie die Möglichkeiten, die dieses Haus Ihnen bietet." Dann werde aus der Elbphilharmonie, was viele Hamburger sich wünschten: "das Wahrzeichen einer weltoffenen, vielfältigen Metropole - und ein Juwel der Kulturnation Deutschland".

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Eröffnung der Elbphilharmonie: Schaulaufen im Glaskasten

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war angetan von dem Prachtbau. Es sei ein beeindruckender Abend, sagte sie, die Elbphilharmonie ein fantastischer Konzertsaal. "Eines Tages werden wir alle sehr stolz sein, dass auch zu unseren Zeiten mal etwas gebaut wurde, wo Menschen vielleicht in 50 und 100 Jahren noch sagen: Guck mal, das war damals im Jahr 2017 am 11. Januar."

"Der 11. Januar 2017 ist ein historisches Datum"

Das erste Konzert im Großen Saal mit der besonderen Innenverkleidung - der sogenannten weißen Haut - durfte das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung von Thomas Hengelbrock geben. Wegen des schlechten Wetters startete es später als geplant. Im Konzertsaal war es anfangs völlig dunkel, als die ersten Töne von "Pan" erklangen. Es ist das erste Stück der "Sechs Metamorphosen nach Ovid" des englischen Komponisten Benjamin Britten. Der Oboe-Solist Kalev Kuljus spielte auf den Rängen zwischen den Zuhörern.

"Hamburg setzt mit der Elbphilharmonie ein unübersehbares Zeichen für die große Bedeutung, die Kunst und Kultur in einer freien Gesellschaft zukommt", hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zuvor in seiner Eröffnungsrede gesagt. Der 11. Januar 2017 sei ein historisches Datum. "Mit dem ersten Konzert im Großen Saal beginnt das Herz der Elbphilharmonie zu schlagen."

Auch auf die vielen Schwierigkeiten während der jahrelangen Bauzeit nahm Scholz Bezug: "Die Vor-Geschichte dieses Hauses war bis zu seiner Eröffnung lang und bewegt - deutlich länger und bewegter, als wir uns das alle gewünscht haben." Aber heute wolle man sich ausschließlich auf die vielen Musiker, die diesen Ort mit Leben füllen werden, freuen. "Die Konzerte des Eröffnungshalbjahres sind restlos ausverkauft", sagte er.

Kent Nagano vergleicht Klangerlebnis mit Geburt

Auf dem Programm des Eröffnungskonzertes stand eine musikalische Zeitreise von der Renaissance bis zur Gegenwart. Musiker, die in der Elbphilharmonie bereits proben durften, hatten von ihrem "warmen Klang" geschwärmt. Der Akustiker Yasuhisa Toyota wollte zudem, dass alle Besucher auf den terrassenförmigen Publikumsrängen gleich gut hören können. Aus Schallschutzgründen wurde der 12.500 Tonnen schwere Saal vom restlichen Gebäude entkoppelt, er liegt auf Federpaketen.

Der Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, Kent Nagano, verglich das Klangerlebnis mit einer Geburt. "Ich glaube, ich spreche für alle Musiker und das Publikum, wenn ich sage: Wir waren tief beeindruckt von dieser Geburt", sagte Nagano, der auch das Philharmonische Staatsorchester Hamburg leitet. "Wir Musiker werden lernen, unser neues Instrument zu spielen, zu benutzen. Und das Publikum wird seine neue Heimat adaptieren und sich wirklich zu Hause fühlen."

Auf der Gästeliste standen auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), zahlreiche Politiker aus Bund und Ländern sowie Regisseur Fatih Akin, Modeschöpferin Jil Sander und die Schauspieler Hannelore Hoger, Charly Hübner und Armin Mueller-Stahl. Bei Schmuddelwetter wurde für Zuschauer draußen an den Landungsbrücken und auf Barkassen eine zur Musik passende Lichtinstallation auf das Gebäude projiziert.

Der Grundstein für den Prestigebau an der Spitze der Hafencity wurde bereits am 2. April 2007 gelegt. Eigentlich sollte das Konzerthaus der Architekten Herzog & de Meuron, das neben dem großen Saal noch einen kleinen Konzertsaal, ein Hotel mit 244 Zimmern und 44 Eigentumswohnungen beherbergt, bereits vor sieben Jahren eröffnen.

Die Kosten stiegen für die Steuerzahler auf 789 Millionen Euro, hinzu kamen 57,5 Millionen Euro Spenden. Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft kritisierte deshalb: "Die Luxuseröffnung ist das logische i-Tüpfelchen auf der irren Verschwendungsgeschichte der Elbphilharmonie", sagte der Abgeordnete Norbert Hackbusch.

kry/dpa



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kobmicha 11.01.2017
1. Ich habe es mit in TV angesehen.....
Auf einem 65Zoll Plasma Fernseher. Mit Diolby S. Ton. Da habe ich schon viel,viel besseres gehört und gesehen! Für mein Empfinden war es eine eher unterdurchschnittliche Darbietung! Für solche Musik- Experimente ist ein Eröffnungskonzert wahrlich nicht geeignet. Und wie sich die Politiker- Protagonisten dieses ganzen Theaters um diesen "Skandalbau" auf Steuerzahlerkosten, gegenseitig Feierten, ist schon sehr Steuerzahlerverachtend!
fabi.c 11.01.2017
2. Die Bedenkenträger...
Die Bedenkenträger werden sagen:" viel zu teuer,das Geld hätte man besser anlegen können". Ich sage in 5 nochmal in fünf Jahren wir niemals mehr die Kosten angeführt. Alle werden sagen wir waren dabei. Wir haben Karten für 6 Euro in Vorverkauf bekommen Herz was willst du mehr. Willkommen in Hamburg.
didaskalos 11.01.2017
3. Elphi und die Linke
"Die Elbphilharmonie ein Projekt für die Oberschicht ...", hörte man hier im Forum. Mag man voreingenommen so sehen, aber wenn da (beispielsweise) auch Howard Carpendale. Hansi Hinterseer, irgendwelche Egerländer ...., auch manche Rapper usw. auftreten und der Saal voll ist, heißt's wieder in diesen Kreisen "das Proletariat/Prekariat" solle eingelullt werden und von seiner "wahren Klassenlage" abgelenkt werden. Schwierig, das mit der Kultur ..... ;-).
Steve1982 11.01.2017
4. Jetzt ist sie fertig...
...Das Geld ist ausgegeben, dann sollte man sich jetzt auch drüber freuen! Sonst hat man nichts davon...! Grundsaetzlich ist es toll dass Deutschland auch "groß" kann!! Das hätte dann auch in der Tagesschau entsprechend mit Sendeplatz Nr. 1 gewürdigt werden können oder eigentlich muessen...! Olaf Scholz wird sicher noch weitere, zusaetzliche Ideen haben, wie man Hamburg bekannter macht, trotz Olympia-Entscheid. Und günstigere...
99Augustus 11.01.2017
5. Kulturelles Signal
Die Bedeutung dieses neuen Konzerthauses geht schon heute weit über Hamburg hinaus. Es ist an Signal an die ganze Welt, dass Deutschland wieder auf dem Weg zu einer großen Kulturnation ist. Welch ein Trost in einer Zeit der Unruhe, des Terrors und der Orientierungslosigkeit. Herzlichen Glückwunsch Hamburg, herzlichen Glückwunsch Deutschland.
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