Von Christoph Dallach
Dass sie für diesen Party-Zirkus ihre Ausbildung abbrach, störte ihren Vater ("ein Freigeist") wenig, aber ihre Mutter war "entsetzt". Es folgten mehr Lieder, mehr Auftritte, mehr Partys und die immer dringlichere Frage, wann Uffie denn nun mit einem Album so richtig groß rauskommen würde.
Denn mittlerweile war sie beim coolen französischen Ed-Banger-Label unter Vertrag, das bereits mit Uffies Kumpels von Justice einen Riesenhit gelandet hatte. Mit einem Album, so viel schien klar, könnte Uffie rasant zu Madonna und Britney Spears aufschließen. Mindestens. Aber dieses Album ließ auf sich warten. Die Jahre vergingen. "Ich merkte irgendwann, dass das Spielerische aus meinem Leben verschwunden war. Alles war nun ernst." Auf einmal waren da Erwartungen und Druck. Die Folge: Nichts ging mehr voran. "Ich und mein Freund sind drei Jahre lang unfassbar selbstzerstörerisch durch die Nächte getrieben, kamen nach Sonnenaufgang nach Hause und schliefen, bis es wieder dunkel wurde."
Irgendwann verlor Uffie die Kontrolle. "Ich verpasste Auftritte. An neue Musik war nicht zu denken. Wir zwei waren wie Sid und Nancy", sagt Uffie in Anlehnung an die selbstzerstörerischen und toten Punk-Ikonen Sid Vicious und Nancy Spungen. Und dann kam auch noch eine Ersatz-Uffie namens Ke$ha. Noch so ein aufgedrehtes Pop-Party-Mädchen, das zu sehr ähnlichen Beats sehr ähnliche Themen besingt: Diese Amerikanerin, deren Debüt-Album "Animal" zuletzt rund um die Welt die Hitparaden dominierte, schien wie ein auf kommerzielle Tauglichkeit polierter Uffie-Klon.
"Ein kleiner Hit wäre doch auch toll"
Wer die Namen Uffie und Ke$ha googelt, landet bei mehr als 50.000 Treffern, darunter viele Blogs, in denen Ke$ha als böse Uffie-Kopie angeprangert wird. Ihr sei das alles egal, sagt Uffie trotzig, fügt aber rasch hinzu: "Wer meine Musik kennt, weiß, wie lange ich diesen Sound schon habe. Ich habe mir einfach zu viel Zeit gelassen, und meine Plattenfirma ist auch ziemlich genervt!" Die Enttäuschung ist ihr anzumerken. So wurde Uffie nach ihrem digitalen Blitzstart doch noch von den Profis der vermeintlich trägen alten Plattenfirmen und einem Klon namens Ke$ha lässig überholt. Da nutzen auch 17 Millionen Online-Klicks nichts mehr.
Für "Sex Dreams And Denim Jeans" hat Uffie ihre Singles zusammengestellt und ein paar neue Songs aufgenommen. Dass sie damit Ke$has Triumph wiederholen kann, glaubt sie nicht, obwohl sie tatsächlich die viel bessere Platte gemacht hat. "Aber ein kleiner Hit wäre doch auch toll."
Das wilde Nachtleben hat Uffie aufgegeben, als sie erfuhr, dass sie schwanger ist. "Mein Ausgehen ist ein abgeschlossenes Kapitel. Ich vermisse nichts." Ihre Tochter ist jetzt ein paar Monate alt, und in Paris schlägt sich Uffie nun die Nächte mit Babybetreuung um die Ohren.
Mit dem Produzenten Mirwais sitzt sie bereits am zweiten Album. Und falls doch nichts aus ihrer Popkarriere wird, will Uffie endgültig das Tempo aus ihrem Leben nehmen und ins Grüne ziehen. "Mein Vater hat ein Landhaus, da verkaufe ich dann selbstgemachte Marmelade, oder ich schreibe einen irren Roman." Material für ein Buch hat Uffie jedenfalls genug.
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