Gesammelte Elvis-Alben Des Königs alte Scheiben

Vor 60 Jahren wurde das erste Album von Elvis veröffentlicht. Zum Jubiläum werden nun alle zu Lebzeiten veröffentlichten Presley-Platten neu aufgelegt. Aber welche sind eigentlich wirklich gut?

Sony Music/ EPE

Weil er damals knapp bei Kasse war und ihm der Knabe ohnehin zu anstrengend wurde, überließ Sam Phillips, Chef des kleinen Labels Sun Records, seinen Klienten Elvis Aaron Presley der großen Plattenfirma RCA. Die 35.000 Dollar die Phillips 1955 für den singenden Lastwagenfahrer einsackte, waren für damalige Verhältnisse ein Vermögen. Um ihre Investition so schnell wie möglich wieder einzuspielen drängte RCA ihr frisch erworbenes Teenager-Idol umgehend, ein Album abzuliefern. Mit dem am 23. März 1956, also vor ziemlich genau 60 Jahren veröffentlichten Debüt-Album "Elvis Presley" begann eine der spektakulärsten Erfolgsgeschichten der Pop-Geschichte.

Die Bücher über diesen König des Rock'n'Roll, der in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre wie ein Blitz in die verstaubte Branche einschlug, füllen Regalwände. Über Elvis Presleys Leben und Wirken wurden Doktorarbeiten verfasst, und seit seinem frühen Ableben im Jahre 1977 ist sein Mythos sogar noch größer geworden. Der spannendste Weg, sich diesem Phänomen zu nähern, ist aber immer noch die Musik.

Den 60. Geburtstag seines Debüt-Albums feiert die inzwischen zu Sony gehörende Plattenfirma nun mit der Box "Elvis Presley: The Album Collection", einem 60 CDs fassenden Kasten, der alle zu Lebzeiten veröffentlichten Alben des "King" enthält sowie drei Alben mit Highlights aus dem Archiv. Die enthaltenen Platten, darunter "Elvis Presley", "Elvis Is Back" oder "That's The Way Is", wurden so gut wie möglich den Originalen nachempfunden. Es wurden Aufkleber beigepackt, Klappcover übernommen und auf die CDs die Original-Labels der Vinyl-Vorlagen gedruckt. Der Klang der Neuauflagen ist makellos und das dem Set beigepackte dicke Buch ist erstaunlich gut gelungen. Neben einem kurzweiligen Essay bietet es feine Bilder und detaillierte Informationen zu allen enthaltenen Alben und den Aufnahmesessions.

John Jackson, der Autor des dem Buch vorangestellten Textes, hauptberuflich Mitglied der Americana-Band The Jayhawks, wirft allerdings einige Fragen auf, die Elvis-Verehrer entsetzen dürften, aber mehr als berechtigt sind: Warum, wundert sich Jackson, sind eigentlich unter diesen zahlreichen Elvis-Platten so wenige Klassiker, also einzelne Alben, die als Meisterwerke gelten? Warum produzierte Elvis so viele Live-Alben? Warum so viele Soundtracks? Und - besonders spannend - warum hat Elvis eigentlich nie mit den großen Produzenten seiner Zeit gearbeitet? Jackson liefert eine Antwort gleich mit: Elvis habe einfach nicht in diesen heute gültigen Kategorien gedacht.

Einige Male zurückkämpft

Der Beginn von Elvis' Karriere fiel zufällig zusammen mit der Entdeckung der Langspielplatte als Kunstform. Damals, Mitte der Fünfzigerjahre, gehörte Frank Sinatra zu den ersten Künstlern, die diese neue Möglichkeit, einen Satz Songs mit Dramaturgie und Thema zu versehen, voll ausnutzte. Presley hatte diesen Anspruch eher selten. Natürlich gibt es Elvis-Alben, die heute als Meilensteine gelten, so wie sein Debüt oder das "1968 NBC TV-Special", aber vor allem sah sich Elvis als Sänger, dem es reichte, eine Langspielplatte mit den Songs zu füllen die er gerade eingespielt hatte. Auch für die Gestaltung der Plattenhüllen schien sich in Elvis' Umfeld kaum einer zu interessieren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Darüber, dass Elvis' Karriere als Musiker Höhen und Tiefen hatte, herrscht wohl Einigkeit. Die Frage nach den Höhepunkten bietet jedoch allerlei Gesprächsstoff: Strenge Spezialisten behaupten gerne, das der "King" nach dem elektrisierenden Rockabilly seiner frühen Sun-Sessions bereits sein Pulver verschossen hatte. Andere meinen, dass er nach seiner Army-Zeit nie wieder auf einen grünen Zweig kam. Aber es gibt auch einige, die seine umstrittenen Hollywood-Soundtracks lieben, also Songs wie "Yoga is as Yoga does".

Aber die Größe eines Künstlers besteht ja auch darin, sich wieder aufzurappeln, wenn er eigentlich schon am Boden ist. Und Elvis hat sich einige Male zurück gekämpft, als nur noch wenige mit ihm gerechnet hätten: Nach der Army! Nach Hollywood! Nach Depressionen und Weltschmerz, er kam immer wieder zurück.

Diese Box gehört zum Weltkulturerbe

Auch diese Geschichten illustriert die Box fabelhaft. Damals, zum Ende der Sechziger zum Beispiel, als Elvis offiziell als erledigt galt, überholt von den Beatles, Rolling Stones und anderen jungen Wilden, meldete er sich mit dem für den TV-Sender NBC produzierten, atemberaubenden "'68 Comeback Special" zurück und stellte noch einmal mit Nachdruck klar, wer der König ist.

Was für ein sagenhafter Sänger Elvis war, machten himmlische Gospel-Alben wie "He Touched Me" deutlich, die er immer mal wieder einspielte. Dagegen müssen die beiden Platten, die er in den Stax-Studios einspielte, der Heimat von Soul-Größen wie Isaac Hayes, als verpasste Chancen gelten, weil ihm der Mut fehlte, auf die dort ansässigen Session-Musiker zu setzen.

Als 1977, zur Hochzeit des Punk, Elvis' finales zu Lebzeiten veröffentlichtes Studio-Album "Moody Blue" erschien, galt der King als Relikt einer vergangenen Ära. Das wusste er selbst auch. Er habe es so satt, Elvis Presley zu sein, vertraute er kurz vor seinem Tod einem Produzenten an. Dass er aber trotzdem noch auf der Höhe der Zeit war, belegt schon die Anekdote, dass er sich damals David Bowie als Produzenten wünschte. Ein Jammer, dass daraus nichts wurde.

Aber diese Box mit all seinen Alben, mit allen Höhen und Tiefen dieser einzigartigen Karriere, gehört zum Weltkulturerbe.

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
mr.hans1960 18.03.2016
1. Wenn
die Box irgendwann auf Lp erscheinen sollte,denke ich mal darüber nach!Ansonsten bleiben mir ja noch die vielen alten Originalscheiben,die einen unverwechselbaren natürlichen Kinowumms bieten.
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