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22. Juni 2012, 08:56 Uhr

Pop!

Trotzköpfe am Mikro

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Es ist ein altes Lied, aber es rockt noch immer die Gemüter: Musikprofis wie David Lowery und Aimee Mann empören sich über illegale Downloads. Die Red Hot Chili Peppers trotzen der Krise der Musikindustrie auf andere Art: Sie veröffentlichen einfach mal neun Singles auf gutem alten Vinyl.

Empörte Musiker

Wer dachte, dass die Debatte um illegale Downloads und das Überleben von Musikern so langsam abgehakt ist, hat sich geirrt. Das beweist der Wirbel, den ein Blog-Beitrag einer gewissen Emily White, Mitarbeiterin der großen US-Radiostation NPR, im Netz entfacht hat. In einem Online-Beitrag posaunte die junge Amerikanerin heraus, dass auf ihrer Festplatte zwar 11.000 Songs seien, sie aber in ihrem Leben nur für 15 CDs bezahlt habe. Wumms! Vermutlich ahnte sie nicht, was für einen Orkan der Empörung sie damit unter Künstlern auslösen würde.

Als Antwort auf ihren Beitrag schrieb ihr der Indie-Rock-Veteran David Lowery, der mit Camper Van Beethoven und zuletzt Cracker musizierte, einen offenen und sehr detaillierten Brief, in dem er deutlich macht, wie sehr viele Musiker derzeit um ihr Überleben kämpfen. Und stellt dabei ihrer ganzen Generation Fragen wie: "Warum zahlen wir für Computer, iPods, Smartphones und schnelle Internetanschlüsse, aber nicht für Musik?" Und: "Warum werfen wir vergnügt einigen der größten Konzerne der Welt unser Geld nach, aber nicht den Individuen, die Musik schaffen und verkaufen?"

Lowerys Text spricht so vielen Musikern aus der Seele, dass er nun durch die Blogs rauscht und auch intensiv via Facebook verlinkt wird. Zum Beispiel von der coolen Französin Keren Ann, die all ihren Fans dringend rät, den Text zu studieren. Richtig empört scheint die Oscar-nominierte amerikanische Bardin Aimee Mann zu sein, die bei Facebook darauf verweist, dass auch ihre Tourneen kaum Geld bringen, ja sogar zuweilen mit Verlusten enden. "Oft stellt sich die Frage, ob ich mir überhaupt einen Schlagzeuger leisten kann." Schließlich stellt sie verbittert fest: "Wenn ihr nicht für Musik zahlen wollt, lasst es halt sein. Aber macht euch bitte ein Bild von der Realität!"

Trotzige Rocker

Vielleicht, weil kaum einer mehr Platten kaufen mag, gaben die Red Hot Chili Peppers gerade bekannt, neun 7"-Vinyl-Singles zu veröffentlichen. Eine Trotzreaktion der lustigen Art.

Versponnene Fee

Die Amerikanerin Fiona Apple scheint wie gemacht für das Internet. Sie ist eine rätselhafte Erscheinung, die die Phantasie vieler Blogger rotieren lässt: weil sie begabt und versponnen, hübsch und unberechenbar ist. Gern zankt sie mit Plattenfirmen über künstlerische Kontrolle und noch lieber taucht sie mal jahrelang weg. Nun ist nach längerer Auszeit wieder ein neues, schönes Album von Fräulein Apple erschienen, und die große Gemeinde ihrer im wahrsten Sinne des Wortes fanatischen Verehrer jubiliert. Wer mitfeiern will, findet natürlich im Netz schöne Dinge, wie diesen aktuellen TV-Auftritt in der Show von Jimmy Fallon und ein ausführliches Interview im "New York Magazine".

Streitlustige Briten

In England ist die Wiederauferstehung der Britpop-Titanen The Stone Roses die Pop-Sensation der Saison. An diesem Wochenende spielen die streitlustigen Raver aus Manchester in Deutschland. Vielleicht aber auch nicht. Denn in Amsterdam zankten sie sich gewaltig auf der Bühne. Wie Sänger Ian Brown den Schlagzeuger Reni auf der Bühne verfluchte, ist bei YouTube zu bestaunen. Für Fans mit tiefergehendem Interesse lohnt die neue und sehr unterhaltsame Stone-Roses-Biografie von Simon Spence mit dem passenden Titel: "War and Peace".

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