Pop!: Trotzköpfe am Mikro

Von Christoph Dallach

Es ist ein altes Lied, aber es rockt noch immer die Gemüter: Musikprofis wie David Lowery und Aimee Mann empören sich über illegale Downloads. Die Red Hot Chili Peppers trotzen der Krise der Musikindustrie auf andere Art: Sie veröffentlichen einfach mal neun Singles auf gutem alten Vinyl.

Pop! Trotzköpfe am Werk
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EMI Music

Empörte Musiker

Wer dachte, dass die Debatte um illegale Downloads und das Überleben von Musikern so langsam abgehakt ist, hat sich geirrt. Das beweist der Wirbel, den ein Blog-Beitrag einer gewissen Emily White, Mitarbeiterin der großen US-Radiostation NPR, im Netz entfacht hat. In einem Online-Beitrag posaunte die junge Amerikanerin heraus, dass auf ihrer Festplatte zwar 11.000 Songs seien, sie aber in ihrem Leben nur für 15 CDs bezahlt habe. Wumms! Vermutlich ahnte sie nicht, was für einen Orkan der Empörung sie damit unter Künstlern auslösen würde.

Als Antwort auf ihren Beitrag schrieb ihr der Indie-Rock-Veteran David Lowery, der mit Camper Van Beethoven und zuletzt Cracker musizierte, einen offenen und sehr detaillierten Brief, in dem er deutlich macht, wie sehr viele Musiker derzeit um ihr Überleben kämpfen. Und stellt dabei ihrer ganzen Generation Fragen wie: "Warum zahlen wir für Computer, iPods, Smartphones und schnelle Internetanschlüsse, aber nicht für Musik?" Und: "Warum werfen wir vergnügt einigen der größten Konzerne der Welt unser Geld nach, aber nicht den Individuen, die Musik schaffen und verkaufen?"

Lowerys Text spricht so vielen Musikern aus der Seele, dass er nun durch die Blogs rauscht und auch intensiv via Facebook verlinkt wird. Zum Beispiel von der coolen Französin Keren Ann, die all ihren Fans dringend rät, den Text zu studieren. Richtig empört scheint die Oscar-nominierte amerikanische Bardin Aimee Mann zu sein, die bei Facebook darauf verweist, dass auch ihre Tourneen kaum Geld bringen, ja sogar zuweilen mit Verlusten enden. "Oft stellt sich die Frage, ob ich mir überhaupt einen Schlagzeuger leisten kann." Schließlich stellt sie verbittert fest: "Wenn ihr nicht für Musik zahlen wollt, lasst es halt sein. Aber macht euch bitte ein Bild von der Realität!"

Trotzige Rocker

Vielleicht, weil kaum einer mehr Platten kaufen mag, gaben die Red Hot Chili Peppers gerade bekannt, neun 7"-Vinyl-Singles zu veröffentlichen. Eine Trotzreaktion der lustigen Art.

Versponnene Fee

Die Amerikanerin Fiona Apple scheint wie gemacht für das Internet. Sie ist eine rätselhafte Erscheinung, die die Phantasie vieler Blogger rotieren lässt: weil sie begabt und versponnen, hübsch und unberechenbar ist. Gern zankt sie mit Plattenfirmen über künstlerische Kontrolle und noch lieber taucht sie mal jahrelang weg. Nun ist nach längerer Auszeit wieder ein neues, schönes Album von Fräulein Apple erschienen, und die große Gemeinde ihrer im wahrsten Sinne des Wortes fanatischen Verehrer jubiliert. Wer mitfeiern will, findet natürlich im Netz schöne Dinge, wie diesen aktuellen TV-Auftritt in der Show von Jimmy Fallon und ein ausführliches Interview im "New York Magazine".

Streitlustige Briten

In England ist die Wiederauferstehung der Britpop-Titanen The Stone Roses die Pop-Sensation der Saison. An diesem Wochenende spielen die streitlustigen Raver aus Manchester in Deutschland. Vielleicht aber auch nicht. Denn in Amsterdam zankten sie sich gewaltig auf der Bühne. Wie Sänger Ian Brown den Schlagzeuger Reni auf der Bühne verfluchte, ist bei YouTube zu bestaunen. Für Fans mit tiefergehendem Interesse lohnt die neue und sehr unterhaltsame Stone-Roses-Biografie von Simon Spence mit dem passenden Titel: "War and Peace".

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insgesamt 6 Beiträge
traurigewelt 22.06.2012
in dem er deutlich macht, wie sehr viele Musiker derzeit um ihr Überleben kämpfen. ich denke da auch mal an "Künstler" die um ihr überleben mit nur 3 Villen Statt 4 kämpfen müssen... Was erwarten viele Musiker denn? [...]
in dem er deutlich macht, wie sehr viele Musiker derzeit um ihr Überleben kämpfen. ich denke da auch mal an "Künstler" die um ihr überleben mit nur 3 Villen Statt 4 kämpfen müssen... Was erwarten viele Musiker denn? Das 20 € für ne Cd mit 10 Tracks gezahlt wird? Wenn man sich mal vernüntig mit dem Internet und den Optionen auseinander gesetzt hätte, dann würden sie nict vor dem Problem stehen, sondern für sinnvolle Preise ihre Titel im internet angeboten.... Hier wurde aber halt einfach gepennt Aber für Cd´s von denen halt vllt 3 Lieder wirklich gut sind, zahl ich halt keine 20 €......
paix 22.06.2012
Das ist doch mal eine sehr gute Idee. Zumal Schallplatten rein tontechnisch vom Klangbild her eh besser zu den Hot Chillies passen als Digitaltechnik. Ich beobachte seit einiger Zeit eh wieder einen steigenden Handel mit [...]
Zitat von sysopDie Red Hot Chili Peppers trotzen der Krise der Musikindustrie auf andere Art: Sie veröffentlichen einfach mal neun Singles auf gutem alten Vinyl.
Das ist doch mal eine sehr gute Idee. Zumal Schallplatten rein tontechnisch vom Klangbild her eh besser zu den Hot Chillies passen als Digitaltechnik. Ich beobachte seit einiger Zeit eh wieder einen steigenden Handel mit Vinyl. Es muss nicht alles Netz und Digital sein. Meine Anlage freut sich jedenfalls mit mir. Ja ich habe noch eine echte Stereoanlage, nicht so einen Mikrowürfel, iPod oder Ghettoblaster. Und ich habe sage und schreibe Null Raubkopien, obwohl ich auch den PC an der Stereoanlage drann habe und auch digitale Musik nutze, parallel zum Vynil. Wenn wir mal die erfolgreichen Musiker aus dieser Diskussion ausklammern fällt mir auf, das sich Musiker beschweren, die sowieso kaum was bis nichts verkaufen. Wer kennt die Namen denn schon ? Insider. Mainstream bringt Geld und ist anders, einschließlich Bekanntheitsgrad. Gäb's Internet nicht und nur Vynil, hätten die doch auch kaum eine Schallplatte losbekommen. Jedenfalls nicht genug um davon besser zu leben. Wenn sie überhaupt einen Produzenten gefunden hätten der sie verlegt. Das sind Wunschträume bei den meisten von Ihnen. Es gibt da nur eine ganz kleine Grenzschicht an Musikern, denen es unter Umständen spürbar besser ginge. Aber die eh erfolgreichen und die eh erfolglosen, bei denen ist es egal wie viel raubkopiert wird. Wie bekommen es eigentlich die Ärzte hin ? Die stellen Ihre Songs sogar kostenlos zum Download legal bereit. Die hab ich noch nie motzen hören über ihre Einnahmesituation. Von denen hab ich glaube ich sogar so gut wie jede CD die sie je rausbrachten.... *grübel*
pussinboots 22.06.2012
Keine 20 Euro für ne CD aber jede Menge Kohle für Internetzugang, Smartphone, PC etc. Es geht auch nicht um die handvoll Musiker mit 3 Villen, wenn man so argumentiert dürfte man für garnichts mehr Geld hinblättern angesichts [...]
Zitat von traurigeweltin dem er deutlich macht, wie sehr viele Musiker derzeit um ihr Überleben kämpfen. ich denke da auch mal an "Künstler" die um ihr überleben mit nur 3 Villen Statt 4 kämpfen müssen... Was erwarten viele Musiker denn? Das 20 € für ne Cd mit 10 Tracks gezahlt wird? Wenn man sich mal vernüntig mit dem Internet und den Optionen auseinander gesetzt hätte, dann würden sie nict vor dem Problem stehen, sondern für sinnvolle Preise ihre Titel im internet angeboten.... Hier wurde aber halt einfach gepennt Aber für Cd´s von denen halt vllt 3 Lieder wirklich gut sind, zahl ich halt keine 20 €......
Keine 20 Euro für ne CD aber jede Menge Kohle für Internetzugang, Smartphone, PC etc. Es geht auch nicht um die handvoll Musiker mit 3 Villen, wenn man so argumentiert dürfte man für garnichts mehr Geld hinblättern angesichts der Villen von sogenannten Sportlern, von Managern usw. usw. Beispiel, weil es gerade aktuell ist: Wer zahlt hunderte Euro für eine Eintrittskarte für ein langweiliges Gekicke von ein paar Millionären mit 3 Villen ?
medusalem 22.06.2012
Einer der besten, besonnensten und recherchiertesten Artikel, die zur Zeit in dieser Diskussion kursieren. Er zeigt die erschreckenden Konsquenzen der ganzen gratis Attitüden auf, entmystifiziert nüchtern die Doppelmoral der [...]
Einer der besten, besonnensten und recherchiertesten Artikel, die zur Zeit in dieser Diskussion kursieren. Er zeigt die erschreckenden Konsquenzen der ganzen gratis Attitüden auf, entmystifiziert nüchtern die Doppelmoral der Filesharer und derjenigen, die damit seht viel Geld machen und versteht es trotzdem, unemotional und klar zu bleiben. Wer nach dem Lesen immer noch nicht verstanden hat, das die "alles umsonst" Kultur das künstlerische Biotop gänzlich zerstört, und sich immer noch hinter hahnebüchenen "Argumenten" versteckt wie zB der 1. Poster hier, dem ist nicht zu helfen.
pussinboots 22.06.2012
Stimme Ihnen zu, möchte aber nochmal hervorheben, dass es nicht nur um das "künstlerische Biotop" geht. Es bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke in unserer "Ich zuerst und mir am [...]
Zitat von medusalemEiner der besten, besonnensten und recherchiertesten Artikel, die zur Zeit in dieser Diskussion kursieren. Er zeigt die erschreckenden Konsquenzen der ganzen gratis Attitüden auf, entmystifiziert nüchtern die Doppelmoral der Filesharer und derjenigen, die damit seht viel Geld machen und versteht es trotzdem, unemotional und klar zu bleiben. Wer nach dem Lesen immer noch nicht verstanden hat, das die "alles umsonst" Kultur das künstlerische Biotop gänzlich zerstört, und sich immer noch hinter hahnebüchenen "Argumenten" versteckt wie zB der 1. Poster hier, dem ist nicht zu helfen.
Stimme Ihnen zu, möchte aber nochmal hervorheben, dass es nicht nur um das "künstlerische Biotop" geht. Es bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke in unserer "Ich zuerst und mir am meisten"-Gesellschaft. Nicht nur Musiker.
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  • Freitag, 22.06.2012 – 08:56 Uhr
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Zur Person
Isa Kreitz
Christoph Dallach, geboren, kurz bevor Sam Cooke starb, trinkt zu viel Sake, schießt beim Tischfußball gern uncoole Tore aus der Mitte, schreibt gegen Geld Texte und verplempert zu viel Zeit im weltweiten Netz. Was er dort an schönem Unsinn entdeckt, sammelt er nun in dieser Kolumne.

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