Tribute-Platte für JJ Cale Ehre dem kauzigen Visionär

Eric Clapton hat JJ Cale so einiges zu verdanken, zum Beispiel einen Welthit. Nun hat er zu Ehren des Meisters einige von dessen Songs neu aufgenommen, unterstützt von Weltstars wie Mark Knopfler oder Willie Nelson.

Von Jörg Böckem


Zugegeben, ein Tribute-Album ist in aller Regel kein Hinweis auf überbordende Kreativität und Schaffenskraft eines Musikers - die Stücke müssen nicht erst geschrieben werden und sind von bereits erwiesener Qualität. Wenn außerdem Weltstars die Songs einspielen, dann ist das Werk fast schon zum Erfolg verurteilt. Im Falle von "The Breeze - An Appreciation of JJ Cale", aufgenommen von Eric Clapton mit Unterstützung von Könnern wie Tom Petty, Willie Nelson, Mark Knopfler oder John Mayer, gehen die Vorschusslorbeeren allerdings mehr als in Ordnung.

Ein Jahr nach dem Tod von JJ Cale verbeugt sich Clapton musikalisch vor dem Meister. Er wolle mit diesem Album dafür sorgen, dass die Menschen das Werk von JJ Cale kennenlernen und sein Publikum Lust darauf bekomme, sich mit dem Musiker zu beschäftigen, gibt Clapton zu Protokoll. Das ist mehr als angemessen. Denn Clapton bewunderte Cale zeitlebens und verdankt ihm viel: Im Jahr 2006 nahmen die beiden ein großartiges Album auf, das ihnen einen Grammy einbrachte. Claptons erster Hit war die Coverversion des Cale-Titels "After Midnight", und eine fast originalgetreue Version von "Cocaine" wurde für Clapton zum Welthit.

Cale, der schon 1972 mit der ersten Zeile seines ersten Albums "They Call Me the Breeze" seine Musik definierte, hat nicht nur Clapton Hits ermöglicht, er hat auch Johnny Cash, Neil Young, Art Garfunkel, Carlos Santana oder Deep Purple inspiriert und mit Songs versorgt. Neil Young bescheinigte Cale gar, sein Gitarrenspiel sei das beste seit Jimi Hendrix. Cale, so viel steht fest, hat alle Bewunderung verdient, die er bekommen kann.

Sein Geld stopfte Cale in eine hohle Wand seines Wohnmobils

In L.A. wurden dem in Oklahoma geborenen John Weldon Cale die Initialen JJ verpasst. Ende der Sechzigerjahre kehrte er in seine Heimat Tulsa, Oklahoma zurück und verband Country, Folk, Blues und Rock mit solch entspannter Lässigkeit, dass ein Kritiker ihm attestierte, seine Musik sei besser als jeder Joint. Ruhm verdankt Cale, der den berauschenden Substanzen nicht abgeneigt war, einer anderen Droge: "Cocaine" war sein einziger echter Hit, Jahre bevor Clapton das Stück in die internationalen Charts brachte.

Cale war ein legendärer Kauz. Starrummel lag ihm nicht, das Geld, das er mit seinen Platten verdiente - und das war nicht wenig - stopfte er in eine hohle Wand des Wohnmobils, in dem er lebte. Ein Haus oder ein Konto besaß er nicht. Heute muss der Mann, der schon in den Siebzigern den Banken und Immobilien misstraute, auch in der Hinsicht als Visionär gelten.

"Mein Glück besteht auch darin, in die Landschaft zu starren"

Dass meist andere mit seinen Kompositionen Erfolge feierten, scherte ihn nicht: "Schickt mir das Geld und lasst die jungen Leute berühmt werden", hat ihn sein damaliger Manager zitiert. Auch im Alter taugte Cale zur Inspiration und als Vorbild: "Ich hab nie nach Ruhm gesucht. Ich hab nach Glück gesucht. Ich hab mein Glück gefunden. Und mein Glück besteht auch darin, in die Landschaft zu starren", gab er in einem Interview einige Jahre vor seinem Tod zu Protokoll. Und: "Wir sind nicht für immer hier, oder? Wir sind irgendwann wieder weg. Wir sind Wasser in einem Fluss. Das Wasser ist, wenn wir Glück haben, sauber, es sind ein paar Fische drin, es fließt vorbei, dann ist es weg, neues Wasser kommt. So ist das Leben. Ich hab Glück gehabt. Ich kann sagen: Das Wasser rauscht vorbei, und ein paar Songs werden bleiben."

Dafür leistet Eric Clapton seinen Beitrag. Auch wenn sich Clapton und Kollegen bei der leidenschaftlichen und liebevollen Interpretation der Cale-Songs mehr als wacker schlagen, die vielleicht größte Leistung von "The Breeze" ist: Die CD macht vor allem Lust, die Originale wieder zu entdecken.


CD-Angaben:
Eric Clapton and Friends: The Breeze - An Appreciation of JJ Cale. Polydor/Universal; 15,99 Euro.



insgesamt 3 Beiträge
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karlv 18.07.2014
1. ein ganz Großer
dieser jjcale, nicht nur musikalisch.
danny_cobbler 18.07.2014
2. der berühmteste unbekannte guitar-whisperer ...
Wer Freude daran findet, abends, bei einem Gläschen mit gutem Inhalt, auf der Veranda seiner Wohnung, oder der von Freunden, die Füße hochzulegen und den Tag Revue passieren zu lassen, der hat mit JJ Cale den richtigen Kumpel an seiner Seite. Um seine Musik kennen zu lernen schlage ich folgende Reihenfolge zum Einstieg vor: 1. Erwerb der DVD "Live in Session", im Paradise-Studio von Leon Russel. Hier ist Cale in den siebziger Jahren in Bestform zu sehen und zu hören, begleitet von allen seinen Musikerbuddys, die jahrzehntelang an seiner Seite waren. Schmunzeltipp: "Ten easy lessons". Cales Weg zum "Guitar Hero". 2. Erwerb der Original-Alben "Naturally" und "Okie". Spieltipps: "Call me the Breeze", "After Midnight" (das Original!), "Cajun Moon", "I got the same old Blues" + "Starbound". 3. Zum Abschluss die DVD-Doku (2004) mit reichlich Musik: "To Tulsa an back". Der alte Mann und seine Freundes-Truppe auf Tour durch God's own Country. Wer Cale als relaxten, weltfremden Südstaaten-schrammler verkennt, der kann ihn auch wütend ("Unemployment", auf "Nr. 8") oder satirisch ("Take some insurance", auf "Nr. 10") erleben. Und dann ist da noch "Humdinger" (von "Travel-Log"). Nun ja. Das Männer-und-Frauen-Ding eben.
freddykruger, 18.07.2014
3. tribute
ich bin kein großer Freund von Tribute Alben und seh die Veröffentlichung von Eric Clapton ehr etwas skeptisch. Zumal nach Just One Night (fantastisches Livealbum) ab den frühen 80er bis zum heutigen Tag nur noch langweilige Alben veröffentlicht. Selbst das Cream Reunionalbum sowie auch das Livealbum mit Steve Winwood waren durchwachsen. Ich denk auch nicht das Clapton sich einen Gefallen damit tut mit dem noch viel langweilerigen Mark Knopfler an diesen Album zu Arbeiten. Aber ich will auch nicht voreilig sein und abwarten bis das Album veröffentlicht ist, erst dann wird kritisiert oder gelobt. Die Coverversionen von Clapton aus den siebzigern waren natürlich absolut spitze. Cocaine fand ich sogar besser als von Cale. Ausnahme Call Me The Breeze. Das haben Lynyrd Skynyrd und Johnny Cash getoppt. Forist #2 hat es schon erwähnt, die Doku "To Tulsa and back " ist sehr schön. Die Doku zeigt auf sehr sympathische weise wie JJ Cale durch die amerikanische Provinz tingelt. @danny_clobber. Ich hoffe ich mein die gleiche Doku die du erwähnt hast. Lief vor längerer Zeit auf Bayern 3. Was das besondere an der Doku war ist das JJ Cale wie Karl Arsch von nebenan rüber kam. Mehr als sympathisch.
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