Tiroler Festspiele Erl Missbrauchsvorwürfe gegen Festivalleiter

Hat es bei den Tiroler Festspielen Erl Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe gegeben? Fünf Künstlerinnen werfen das dem Festivalleiter Gustav Kuhn vor. Dessen Anwalt spricht nun von einer "Menschenjagd".


Fünf Künstlerinnen haben in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen den Dirigenten, Gründer und künstlerischen Leiter der Tiroler Festspiele Erl, Gustav Kuhn, erhoben. "Wir sind direkt Betroffene, Zeuginnen oder Mitwissende davon, dass es zu unserer Zeit anhaltenden Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe von Seiten des künstlerischen Leiters gegeben hat", schrieben sie in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief.

Unterzeichnerinnen sind die Sopranistin Bettine Kampp und der Mezzosopranistin Julia Oesch aus Deutschland, die Violinistinnen Aliona Dargel aus Weißrussland und Ninela Lamaj aus Albanien und die Schweizer Sopranistin Mona Somm. Die Frauen, die zwischen 1998 und 2017 in Erl tätig waren, schreiben von Schikane, Demütigung und Repressalien. Einige von ihnen seien selbst betroffen gewesen von "unerwünschtem Küssen auf den Mund oder auf die Brust, Begrapschen unter dem Pullover, Griff zwischen die Beine etc., von obszöner verbaler Anmache ganz zu schweigen".

Blogger machte Vorwürfe publik

Kuhn wies die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt, Ex-Justizminister Michael Krüger, teilte in einer Stellungnahme mit, sein Mandant werde sich gegen diese "Menschenjagd" mit den Mitteln des Rechtsstaates zu wehren wissen. Kulturminister Gernot Blümel und die Tiroler Kulturlandesrätin Beate Palfrader (beide ÖVP) forderten die Geschäftsführung zu voller Transparenz und Aufklärung auf. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck prüft einen Anfangsverdacht, wie ein Sprecher mitteilte.

Ein Blogger hatte im Februar über angeblich unhaltbare Zustände mit schlechter Bezahlung und Probenterror und mögliche sexuelle Übergriffe in Erl berichtet. Kuhn verklagte ihn. Die Musikerinnen zeigten sich in ihrem Brief an den Präsidenten der Festspiele, Hans Peter Haselsteiner, empört, dass trotz der Vorwürfe keine Konsequenzen gezogen worden seien.

Kuhn gründete die Tiroler Festspiele Erl 1997. Seit 2005 fungiert Haselsteiner als deren Präsident. Gemeinsam eröffneten sie 2012 das neue Erler Festspielhaus.

hpi/dpa

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