26 Titel im ESC-Soundcheck: Alle auf die Zwölf

Von Felix Bayer

ESC 2013: Das sind die 26 Finalisten Fotos
DPA

Sie haben gesäuselt, gegrölt, gefistelt - und gesungen natürlich auch. Weil es gar so schön war mit den Darbietungen in Malmö beim Eurovision Song Contest: Alle 26 Songs, die es ins Finale geschafft haben, zum Nachhören im großen Soundcheck.

Startnummer 01: Frankreich - Amandine Bourgeois: "L'Enfer Et Moi"

"L'Enfer Et Moi"-Clip von Amandine Bourgeois ansehen

Die Hölle, in die Amandine Bourgeois ihren Angesungenen locken will, macht im Vorabvideo einen ziemlich verruchten Eindruck. Ob sich eine solche Liebesnest-Atmosphäre auf der erleuchteten Bühne der Malmöer Mehrzweckhalle heraufbeschwören lässt, das bleibt abzuwarten. Doch der Song mit seinem Blues-Gefühl und den Amy-Winehouse-Anklängen wird sich zumindest abheben aus dem Euro-Dance- und Balladen-von-der-Stange-Teilnehmerfeld.

Der bisher größte Star ist hier übrigens der Texter, der gebürtige Engländer Boris Bergman, der schon für französische Größen wie Alain Bashung, Juliette Gréco und Paul Personne gedichtet hat. Die Interpretin Amandine gewann die französische DSDS-Variante, das ist allerdings auch schon fünf Jahre her, seitdem sang sie mit den Scorpions im Duett "Still Loving You" und musste 2012 eine Tour wegen zu geringer Kartenverkäufe absagen. Es geht also in Malmö um ihre Karriere!

Siegchancen: 3/10
Sympathiepunkte: 7/10

Startnummer 02: Litauen - Andrius Pojavis: "Something"

"Something"-Clip von Andrius Pojavis ansehen

Der Singer-Songwriter Andrius Pojavis hat Zweifel an seinen Gefühlen. Wenn man das recht versteht in seinem Song, dann liegt es an den Schuhen, die er trägt. Der eine heißt "Liebe", der andere aber "Schmerz". Na gut, der Eurovision Song Contest ist kein Literaturwettbewerb, da wird man über eine etwas ungewöhnliche Metapher mal hinwegschauen können. Was Litauen mehr Sorge bereiten müsste, ist, dass der "Because of My Shoes"-Moment schon der aufregendste an Pojavis' ausgesprochen durchschnittlichem, an die Killers erinnernden Rock/Pop-Song ist.

Andrius Pojavis hat mal ein Jahr in Irland gelebt, sein Debütalbum in Italien aufgenommen und seinen bisher größten musikalischen Erfolg in Duisburg erlebt: Mit seiner damaligen Band Hetero (!) gewann er 2006 den Wettbewerb "Euro Song", der dort alljährlich unter der künstlerischen Leitung des gefürchteten Gitarrenlehrbuchautors Peter Bursch stattfindet. Auf der ESC-Bühne spielt er nicht Gitarre, verzichtet aber auch sonst auf große Show. Das könnte bei einem späteren Startplatz erfrischend sein. So aber wird es wohl eine weitere Platzierung im Hinterfeld werden für das baltische Land.

Siegchancen: 1/10
Sympathiepunkte: 3/10

Startnummer 03: Moldawien - Aliona Moon: "O Mie"

"O Mie"-Clip von Aliona Moon ansehen

Was für einen Unterschied ein Auftritt macht! Im Vorabvideo präsentierte Aliona Moon eine eher durchschnittliche, pathetische Ballade mit melancholisch schmachtendem Blick. Doch auf der Bühne des ersten Halbfinales ist die als Aliona Munteanu geborene Moldauerin plötzlich mit einer traumhaften La-Roux-trifft-Raquel-Welch-Tollenfrisur zu sehen, eingenäht in ein weißes Riesenkleid, das als Projektionsfläche dient und zum Höhepunkt der Ballade (Tonart hinauf!) nach oben wächst.

Wie Cascada hatte auch Aliona Moon im Vorfeld mit Plagiatsvorwürfen zu tun. Aber - und das passt - sie betrafen nicht die Komposition, sondern die Show, die allzu ähnlich auch Carrie Underwood bei den Grammys präsentiert habe. Für den Finaleinzug reichte die Show - doch dort wird die Balladenkonkurrenz möglicherweise zu stark sein für die Moldauerin und ihr wachsendes Kleid.

Siegchancen: 3/10
Sympathiepunkte: 4/10

Startnummer 04: Finnland - Krista Siegfrids: "Marry Me"

"Marry Me"-Clip von Krista Siegfrids ansehen

Krista Siegfrids begann ihre TV-Castingshow-Karriere schon als Zwölfjährige, als sie bei einem Talentwettbewerb für die schwedischsprachige Minderheit teilnahm. Als Erwachsene hat sie nach ihrem Erfolg beim finnischen Vorentscheid ein Debütalbum aufnehmen können, mit Unterstützung des Songschreibers Erik Nyholm, der auch schon für Kim Wilde arbeitete.

Ihr ESC-Song "Marry Me" erinnert allerdings mehr an Katy Perry, die ja einst mit dem Song "I Kissed A Girl" ihre Karriere begann. Nun, genau das, ein Mädchen küssen, macht Krista Siegfrids am Ende ihres Auftritts - aber im Hochzeitskleid. Dass das ihr Kommentar sei zur Entscheidung des finnischen Parlaments, die Homo-Ehe nicht zuzulassen, das will sie nicht mehr so deutlich sagen - um nicht mit dem ESC-Regelwerk in Konflikt zu geraten. "Marry Me" hat eine eingängige (bis nervtötende) Melodie, die Show ist augenzwinkernd, aber nicht zu ironisch, das Thema europaweit aktuell: Seit Lordis Sieg 2006 schafften die Finnen keine vordere Platzierung mehr - hiermit könnte sich das ändern.

Siegchancen: 5/10
Sympathiepunkte: 6/10

Startnummer 05: Spanien - ESDM: "Contigo Hasta El Final (With You Until The End)"

"Contigo Hasta El Final"-Clip von ESDM ansehen

ESDM tritt für Spanien an. Nein, das ist kein verschämtes Kürzel für die eine oder andere Sexualpraktik, sondern die Abkürzung steht für den Bandnamen El Sueño de Morfeo, Morpheus' Traum also. Die aus dem nordspanischen Asturien stammende Band mischt Rocksongs mit keltischen Einflüssen. Bei ihrem bisher größten Hit "Nunca Volverá" treibt eine Fiddel die Melodie an, ansonsten erinnert er deutsche Hörer wohl vor allem an Heroes del Silencio. Das war 2005, das Album dazu wurde mit Platin ausgezeichnet. Der ESC-Song 2013 ist zäher, wird von Dudelsackklängen geprägt, und es fehlt ihm das gewisse Etwas.

Recht viel lässt sich in den Archiven finden über die Sängerin der Band, allerdings vor allem in denen des Boulevards: Raquel del Rosario war fünf Jahre lang mit dem Formel-1-Fahrer Fernando Alonso verheiratet. Im Dezember 2011 berichteten die bunten Blätter kurz hintereinander über die Trennung von Alonso und die zweite Krebsoperation der auf Gran Canaria geborenen Sängerin. Doch sie kam zurück, und das neue Album, "Todos tenemos un sueño" (Wir alle haben einen Traum), steht bereits in den spanischen Charts.

Siegchancen: 2/10
Sympathiepunkte: 6/10

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Super!
roflem 18.05.2013
Da bleibt heute der Fernseher aus :-) Lieber gehe ich im Regen spazieren.
2. Schon ganz euphorisch...
Mr.Slytherin 18.05.2013
Ich wünsche Cascada mit ihrem original hausgemachten Hit "Euphoria" selbstverständlich nur das Beste... *Ironie aus*
3. Norwegen
norfair 18.05.2013
Mein Tipp ist Norwegen.
4. Für mich ganz klar Birgit aus Estland..
kugelsicher99 18.05.2013
Zitat von sysopDer Countdown läuft - in wenigen Stunden beginnt der Eurovision Song Contest. Wer bekommt zwölf Punkte? Und für wen wird es am Ende Konfettitränen regnen? Alle 26 Songs, die es ins Finale von Malmö geschafft haben, zum Vorhören im großen Soundcheck. Eurovision Song Contest 2013: Die Final-Teilnehmer im ESC-Soundcheck - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/musik/eurovision-song-contest-2013-die-final-teilnehmer-im-esc-soundcheck-a-900191.html)
Das trifft mein Schnulzen Gen noch am meisten. Und ich höre sonst mehr, Oasis, The Police, Stereo MC's etc. Der Rest wie immer mehr oder weniger unterirdisch.
5.
kl1678 18.05.2013
Zitat von norfairMein Tipp ist Norwegen.
ja, oder Holland, oder Italien, aber am Ende wird wohl der nervige dänische Ohrwurm gewinnen.
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