Trotz Pleiten-Serie Darum macht Deutschland beim ESC weiter

Sechs Pünktchen, weil sich irische Juroren und Schweizer Zuschauer erbarmten: Steigt Deutschland nach dieser erneuten ESC-Enttäuschung aus dem Wettbewerb aus? Nein, sagt ARD-Unterhaltungschef Schreiber - der Erfolg sei zu groß.

DPA

Trotz der erneuten Pleite Deutschlands beim Eurovision Song Contest (ESC) will die ARD dem Musikwettbewerb treu bleiben. "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber der "Bild"-Zeitung. Auf die Frage, ob Deutschland nach dem dritten ESC-Debakel in Folge aussteigen solle, sagte er: "Nein."

Sängerin Levina war mit ihrem Song "Perfect Life" am Wochenende Vorletzte geworden. Sie erhielt je drei Punkte in der Jurywertung (aus Irland) und durch das Zuschauervotum (aus der Schweiz). In den beiden Jahren zuvor landete Deutschland jeweils sogar auf dem letzten Platz.

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Gewonnen hatin diesem Jahr Portugal mit der Ballade "Amar Pelos Dois", gesungen von Salvador Sobral. Schreiber wies darauf hin, dass die Portugiesen schon 49 Mal am ESC teilgenommen und nun ein Mal gesiegt hätten. Er stellte die Frage in den Raum: "Waren ihre Ergebnisse vor 2017 Blamagen?" In einem weiteren Gespräch mit dem "Tagesspiegel" verwies der NDR-Manager auch auf frühere deutsche Erfolge: "Bitte Lena nicht vergessen."

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Der ESC sei "die mit weitem Abstand erfolgreichste Fernsehshow des Jahres in einer Sendelänge von 20.15 Uhr bis ca. 1.40 Uhr", betonte Schreiber. (Lesen Sie die Ereignisse nach im Minutenprotokoll.) Das Publikumsinteresse ist allerdings mit 7,76 Millionen TV-Zuschauern, gut 1,5 Millionen weniger als im Vorjahr, zurückgegangen. Die Startgebühren für Deutschland hätten in diesem Jahr bei rund 380.000 Euro gelegen - "deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten von Unterhaltungsshows im Hauptabend", sagte Schreiber.

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Auch der durch viele deutsche Starts beim ESC bekannt gewordene Komponist Ralph Siegel sprach sich in "Bild" gegen einen Rückzug Deutschlands aus. "Das käme ja rüber wie eine beleidigte Leberwurst", sagte er. Siegel forderte, sich aber wieder "viel länger, intensiver und besser" auf den deutschen Beitrag vorzubereiten. "Es reicht nicht, kurzfristig irgendein Liedchen und ein nettes Mädchen auszusuchen und dann wie 2010 bei Lena auf den Glücksfaktor zu hoffen." Siegel war 2017 für San Marino beim ESC als Komponist am Start - sein Song schied im Halbfinale aus, mit Abstand auf dem letzten Platz liegend.

Eine (weitere) Reform des deutschen ESC-Vorentscheids müsse es geben, kündigte aber auch der für ihn verantwortliche ARD-Unterhaltungschef im "Tagesspiegel" an. Wie das künftige Verfahren aussehen soll, verriet Thomas Schreiber aber noch nicht: "Wir informieren, wenn es ein Ergebnis gibt. Jetzt eine Antwort zu erwarten ist unseriös", sagte er der Zeitung.

feb/dpa/AFP



insgesamt 128 Beiträge
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Hasenvogel 15.05.2017
1. Vorschlag
Liebe ARD: Man kann doch auch übertragen, ohne selber mitzusingen. Das würde die Kosten weiter senken. Zu Levina: Natürlich spielen Musik und Optik bei diesem Wettbewerb eine Rolle Wir haben sofort gedacht, wie kann man so ein hübsches Mädel in so ein langweiliges Kleid stecken und die Frisur verunstalten? Das Lied selbst war gutes Mittelmaß.
vonschnitzler 15.05.2017
2. Mal abgesehen von Max Mutzke...
hat in den letzten Jahren kein deutscher Interpret was gerissen, der 'musikfachlich' etwas auf dem Kasten hat bzw. gezeigt hat, dasser was kann (raab würde ich mal zu den Fachleuten zählen, 'waddehaddeduddeda' war aber wohl kaum ernst zu nehmen). Warum tut sich das jemand mit so ersnthaften Ambitionen wie Levina überhaupt noch an?
fillthegap, 15.05.2017
3.
es geht nicht über gebühren finanziertes bildungsfernsehen! da erfährt der "normale" bürger, daß es in anderen ländern mindestens genau so viele einfach strukturierte menschen gibt. das eint und verbindet.
schgucke 15.05.2017
4. Schwer zu sagen,
warum "Ein Lied kann eine Brücke sein" nicht zog. ich finde es heutzutage einfach umwerfend. danke für diesen Ohrwurm, ich behalte den jetzt ein paar Stunden. entgegen meiner Schwüre von Samstag abend gucke ich den Zinnober aber nächstes Jahr wieder.
Angelheart 15.05.2017
5. Auch wenn...
...die Deutschen erwartbar immer wieder ganz hinten landen, so ist der ESC als Event doch immer unterhaltsam, man kann über all die angestrengt gleichen Hopsereien zu Musik lästern und ist freudig erregt, wenn mal solch ein außergewöhnliches Stück zur Ausführung gebracht wird, wie vom Portugiesen, bei dem man nicht nach 20 Sekunden abschaltet und es dann - wider Erwarten - auch noch gewinnt!
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