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ESC - Zero Points für Deutschland: Ann Sophie trifft keine Schuld

Ann Sophie nach dem Finale: "Ich werde weiter machen" Zur Großansicht
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Ann Sophie nach dem Finale: "Ich werde weiter machen"

Historisches Debakel: Beim Wiener ESC holte Deutschland das erste Mal seit 50 Jahren null Punkte. Lag's an Sängerin Ann Sophie? Oder an schwedischen Strichmännchen? Die Reaktionen.

Im schwarzen Catsuit tanzte Ann Sophie über die Bühne, das Dekolleté reichte ihr fast bis zum Bauchnabel. Sie strahlte in die Kamera, als dürfte sie als Möchtegern-Bond-Girl die Titelmelodie zu einem Agententhriller singen. Dennoch überzeugte die deutsche ESC-Teilnehmerin die Jury und die Zuschauer nicht - und kassierte für Deutschland eine historische Niederlage.

Nach der Mega-Party beim Eurovision Song Contest (ESC) kommt nun der Kater. Viele Kommentatoren mühen sich um moralische Unterstützung für die Sängerin. Sie müsse sich nicht schämen, heißt es. Schließlich habe sie doch nichts falsch gemacht.

Ann Sophie beim ESC: Wo die Bühnentechnik die Musik an den Rand drängt Zur Großansicht
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Ann Sophie beim ESC: Wo die Bühnentechnik die Musik an den Rand drängt

"Ich meine, dass man Ann Sophie nichts vorwerfen kann. Sie hat einen Super-Job gemacht", sagte allen voran der langjährige ESC-Kommentator der ARD, Peter Urban.

Ann Sophie selber gab sich als gute Verliererin. Sie steckte die Niederlage mit einem Lächeln weg. "Es hat trotzdem super viel Spaß gemacht", sagt sie. "Ich werde weitermachen", kündigte sie an. Sie habe sich durch ihre Teilnahme eine tolle Fanbasis aufgebaut, was für sie als Künstlerin eine große Chance sei. Was soll sie sonst schon sagen?

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Woran hat's gelegen?

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber meinte zwar, das Ergebnis sei enttäuschend. "Wir haben uns etwas anderes gewünscht." Dennoch stehe die ARD nach wie vor zu Ann Sophie und auch zu ihrem Lied. "Der Song und die Performance waren besser als null Punkte."

Deutschland konnte mit Ann Sophies Lied "Black Smoke" keine Punkte bei Zuschauern und Juroren aus 40 Ländern holen und landete zusammen mit Gastgeber Österreich ganz hinten. Es war das erste Mal seit 50 Jahren, dass Deutschland beim ESC null Punkte holte. Die Punkte der Länder setzen sich 50:50 aus der Zuschauerabstimmung und der Wertung einer Fachjury zusammen.

Schützenhilfe erhält die 24-Jährige auch aus dem Twitter-Kanal der ARD. "Kopf hoch, Ann Sophie!", schreibt der Sender - und mit Blick auf die Darbietung des Sieger-Sängers Måns Zelmerlöw: "Mit ner ganzen Strichmännchen-Armee gewinnen kann ja jeder!"

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In der Tat: Eindrucksvoller als das Lied des Schweden war dessen Bühnenshow: Der 28-Jährige kommunizierte pantomimisch mit einem niedlichen, weißen Strichmännchen. Eine Idee, die so wunderbar funktionierte, dass sie zu einem der ganz wenigen emotionalen Momente der Show wurde - und das Publikum verzauberte.

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Die glattgebügelten Gesangsnümmerchen des ESC hingegen überbieten sich musikalisch fast ausschließlich in ihrer Belanglosigkeit - und schläfern viele Fernsehzuschauer auf der heimischen Couch höchstens ein. Da wirkt es schlüssig, dass mit dem Schweden Zelmerlöw am Ende ein Sänger gewinnt, gegen den niemand so recht etwas haben konnte.

Eigentliche ESC-Gewinner sind Bühnentechnik und Tourismus

Der Sieg des Strichmännchens ist aufschlussreich. Er zeigt: Der eigentliche Verlierer des Abends ist nicht Deutschland, ist nicht Ann Sophie. Es ist der Wettbewerb selber. Zumindest dessen musikalischer Teil.

Der ESC hat sich mit der diesjährigen Ausgabe vollends zu einer Veranstaltung gemausert, deren eigentlicher Gewinner auf der einen Seite die Bühnentechnik ist - und auf der anderen die Tourismuswerbung.

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Zwar hat sich Österreich zur 60. Jubiläumsausgabe des ESC sichtlich bemüht, ein Fest der Superlative zu veranstalten. Doch was bleibt, ist der Eindruck, dass der Wettbewerb vor allem dazu dient, das Gastgeberland weltweit bekannt zu machen: Mit seinen philharmonischen Orchestern, den Wiener Sängerknaben, den Berglandschaften. Zumal die ESC-Teilnehmer in den fragwürdigen Genuss kamen, als Botschafter die Reiseziele und -aktivitäten in Österreich zu bewerben, vom Fliegenfischen über den Winter- bis zum Wassersport.

Welcher Zuschauer lässt sich schon gern freiwillig stundenlang mit mittelmäßiger oder sogar unterirdischer Musik beschallen, nur um eine Tourismusmarketingsendung zu sehen? Vielleicht gerade mal jene, die auch Schmonzetten wie die "Traumschiff"-Reihe ertragen, in der vor allem die bereisten Länder beworben werden.

ARD-Unterhaltungskoordinator Schreiber ließ jedenfalls offen, ob die ARD nun Konsequenzen für den deutschen Vorentscheid ziehen wird. Schreiber sagte, die ARD werde sich zu einer späteren Gelegenheit zum weiteren Vorgehen äußern.

In der Tat sollte der Sender dringend prüfen, ob der ESC in der aktuellen Form des öffentlich-rechtlichen Auftrags würdig ist. Oder ob die Tourismus-Werbung die Nerven der Zuschauer und Beitragszahler über Gebühr belastet.

bos/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 411 Beiträge
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1. Rache ?
hohnspiegel 24.05.2015
Na vielleicht war das die Retourkutsche für die " Ausländermaut 2016 " und man sollte Dobrindt und Seehofer für das deutsche ESC Ergebnis verantwortlich machen hust hust
2.
01099 24.05.2015
Einmal(!) in 50 Jahren eine Niete zu ziehen, ist doch nur wirklich kein schlechter Schnitt, oder? Außerdem: es ist der ESC und keine Papstwahl. Ruhig bleiben. Das Leben geht weiter.
3.
Eduschu 24.05.2015
Singt auf Deutsch! Damit hat man zwar auch keine Chance, aber wenigstens verliert man dann mit Stil. Der Gruppe Faun aus der Sendung "Unser Lied für Wien (oder Österreich, weiß nimmer)" hätte eine erneute Chance verdient. Dann noch nen Komponisten, der zu deren eingängigen Melodien ein wenig "Wumms" hinzufügt und fertig ist die Laube.
4. ARD-Unterhaltungskoordinator Schreiber
haarer.15 24.05.2015
Lied und Performance seien besser als 0 Punkte ? Als ob es zwei oder drei Punkte dann wohl rausgerissen hätte ? Boah ... Musikalisch gesehen war das Lied wirklich nicht mehr wert. Über Konsequenzen gerade beim Vorentscheid sollte dringend nachgedacht werden.
5. In diesem Beitrag...
dfkbs 24.05.2015
...klingt viel Neid durch. Österreich hat auf wunderbare Art und Weise seine Chance genutzt und der Welt gezeigt, was eine Show der Superlative ist. So etwas ist von einer verstaubten Rundfunkanstalt wie der ARD auch gar nicht zu erwarten. Deshalb Gratulation Österreich...das habt ihr klasse gemacht. Übrigens... Ann Sophie hin oder her..... der Song an sich war einfach altbacken und fad.
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