Die ESC-Show im Check: Und? Wie war Malmö so?

Von Anna-Lena Roth

ESC in Malmö: Schicke Männer, Frauenküsse, Turneinlage Fotos
DPA

Schweden können Möbel, sie haben Abba und die hellsten Sommernächte. Aber wie haben sie sich als ESC-Gastgeber geschlagen? Wie gut war die Show aus Malmö? Wer war die Überraschung des Abends? Und wen wollen wir nie nie nie wieder auf einer Bühne sehen? Hier geht's zum Schnellcheck.

125 Millionen Menschen saßen weltweit vor den Fernsehgeräten, sahen den Eurovision Song Contest in Malmö. 26 Länder hatten konkurriert, am Ende gewann die 20-jährige Emmelie de Forest. Der ESC 2014 wird in Dänemark stattfinden (die Höhepunkte können Sie hier im Minutenprotokoll nachlesen). Wir liefern Ihnen den Schnellcheck zur Malmö-Show: Was war besonders überraschend? Und was lief richtig schlecht?

1. Wir vergeben 12 Punkte an …

… die Griechen. Bei dem Auftritt war wirklich für JEDEN etwas dabei. Da war ein Opa mit grauem Schnauzer (Agathonas Iakovidis). Da waren superfitte Jungs in Turnschuhen und Röcken (die Band Koza Mostra). Und gemeinsam lieferten sie eine Mischung aus Tavernen-Schunkelei und modernem Ska. Dabei hatten sie auch noch eine gänzlich simple Botschaft: "Alcohol, Alcohol, Alcohol is free".

2. Wir vergeben 0 Punkte an …

... Aserbaidschan - und die sinnloseste Bühnenschau des Abends. Okay, Farid Mammadov singt von der Liebe, so viel wurde deutlich. Aber was sollte der Typ hinter ihm in dem Glaskasten? Der krabbelte mal am Boden, mal an den Seitenwänden, angeschmachtet von einer Frau außerhalb des Kastens. Achja, Rosenblätter regnete es dann auch noch im Inneren. Häh?

3. Hab ich was verpasst, wenn ich nicht zugeschaut habe?

Nö, nicht wirklich. Die meisten Kandidaten waren typisch ESC: angepasst. Einzig der griechische Auftritt war außergewöhnlich (siehe Punkt 1). Okay, und der rumänische (siehe Punkt 5).

4. Ein Wiedersehen macht Freude.

Zlata Ohnevytj versetzte uns mit ihrem Auftritt zurück in die Zeit der Märchen. Da lässt sie sich von einem Riesen auf die Bühne tragen ("Die Schöne und das Biest"). Ihr Song "Gravity" klingt verdammt nach diesem Disney-Film mit den Löwen. An der Hand trägt sie einen riesigen, glitzernden Schmetterling als Ring, am zierlichen Körper ein rosafarbenes Prinzessinnenkleid. Hach.

5. Ein Abschied aber auch.

Nie, nie, nie wieder wollen wir den Möchtegern-Dracula Cezar hören. Sein Auftritt für Rumänien hinterließ schlichtweg zu viele Fragen: Wie zur Hölle kann der so hoch singen? Und warum tut das in den Ohren so weh? Warum turnen drei Männer in hautenger, hautfarbener Unterwäsche um ihn herum? Hat er sich wirklich die Brust rasiert? Wo hat er diesen schwarzen Grusel-Frack aufgetrieben? Was will er uns mit dem Lied sagen? Und: Warum dauert es so verdammt lang? Fazit: gruselig.

6. Der deutsche Beitrag war…

… für Cascada-Fans sicher zufriedenstellend. Am Anfang wirkte Frontfrau Natalie Horler ein bisschen unsicher - ist ja auch ein großes Publikum. Später legte sich ihre Nervosität. Sicherlich nicht förderlich für den Auftritt war die Bühnengestaltung: Am Anfang stand Horler ziemlich steif auf einem gläsernen Podest und konnte wenig mehr als ihre Hüften bewegen. Später stieg sie die Stufen hinab und ging mit Riesenschritten Richtung Publikum. Der Kommentator Peter Urban urteilte: "Ein Klasseauftritt". Wir sagen: glatt gelogen.

7. Können wir gönnen?

Na sicher doch. Wir fanden die Dänin auch klasse. Diese Barfuß-Hippie-Nummer hat total überzeugt. Ehrlich.

8. Die Überraschung des Abends war...

...Andrius Pojavis. Er hat gezeigt, dass man über seine Schuhe (ja: seine Schuhe) singen kann, ohne total dämlich auszusehen. Mit weit aufgerissenen Augen stand der Singer-Songwriter auf der Bühne und sang voller Ernst über "Liebe" und "Schmerz". So heißen die Schuhe.

9. Der ESC wäre in diesem Jahr nicht möglich gewesen ohne...

...jede Menge Glitzer. Das krasseste Beispiel war sicher Alena Lanskaja. Die stieg bei ihrem Auftritt für Weißrussland aus einer riesengroßen Discokugel, am Körper trug sie ein fransiges Glitzer-Kleidchen. Aber auch Natalie Horler konnte nicht ohne Glitzer an ihrem Vokuhila-Kleid. Die Norwegerin Margaret Berger setzte auf den Bling-Bling-Effekt, und selbst an der gänzlich schlichten Robe von Birgit (Estland) funkelte es am Ausschnitt.

10. Wie war Peter Urban?

Er war vor allem ein Cascada-Fan. Das schlechte Abschneiden konnte er offenbar nicht verstehen, verdient war es seiner Meinung nach jedenfalls nicht. Zum Abschied fand er dann immerhin versöhnliche Worte: "Es ist Musik, es ist Spaß, es ist nichts Ernstes."

11. Und Moderatorin Petra Mede? Wie war die so?

Die war vor allem: pink. Und ziemlich mutig. In der Robe sah sie aus, als wäre sie gerade aus dem neu eröffneten Barbie-Haus in Berlin entlaufen. Unterstützt wurde der Eindruck noch von der altbackenen Hochsteckfrisur im Disney-Stil.

12. Der ESC ist nach diesem ESC...

...genauso wie immer. Wer auf biedere 08/15-Nummern steht, wird auch im kommenden Jahr wieder einschalten.

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insgesamt 83 Beiträge
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1. Genau
schüler.aus.bremen 19.05.2013
Genau so sehe ich es auch! Und guter und lustiger Artikel
2. glatt
Realist1960 19.05.2013
frueher gab es immer ein paar verrueckte oder so richtig schlechte nummern, da hatte man spass. heute, irgendwie alle so bisschen okay, glatt, marzipan. nur, immer wieder erschreckend, wie viele die toene nicht trefffen, und wie viele das nicht hoehren. und noch befremdlicher ist, dass nationalismus selbst bei so ner banalen feier ausgelebt wird. schade, was der gute urban an dem technoautomatenrythmus liedchen von cascada so gut fand ist mir auch ein wenig raetselhaft.
3. Niveau
mischamark 19.05.2013
An das Niveau dieses Artikels kann das ESC natürlich nicht anschliessen, oder habe ich was verdreht?
4. Am besten...
roseanna 19.05.2013
...guckt man den ESC mit kleinen Kindern (na, wenigstens bis zur Hälfte, ehe sie auf dem Sofa einschlafen). Die haben nämlich geniale Punktekriterien: ein Punkt für die Komischkeit (diese Braut auf pinken Plateaus), für Handbewegungen, Instrumente, Beleuchtung, Bühnenhintergrund, was auch immer ihnen gefiel, bekam einen Punkt - und sie hatten die ersten drei Plätze genauso bewertet, wie es dann gekommen ist. So hat es Spaß gemacht, der Rest... naja. Same procedure as every year.
5. Peter Urban = Fremdschämen.de
Keyser Söze 19.05.2013
Die Rubrik "2. Wir vergeben 0 Punkte an …" hätten man mit Punkt 10 "Wie war Peter Urban?" zusammenlegen können. Der Typ ist ja sowas von peinlich. Beispiel: seine Kommentare zu Aserbaidschan. 12 Punkte von der Ukraine an Aserbaidschan wird mit einem "war ja klar, 12 Punkte an den Nachbarn (!) kommentiert". Die Vergabe der Höchstpunktzahl von Belgien an das Nachbarland Niederlande hingegen ist total normal: "Die haben es aber auch verdient!" Hingegen erstaunt ihn, dass Aserbaidschan keinen einzigen Punkt vom Nachbarland Armenien erhält ("Da wird es noch das ein oder andere Gespräch zwischen diesen beiden geben"). Peter Urban hat also nicht nur von Musik keine Ahnung, sondern auch von Weltpolitik. Den Vogel schießt er mit seinem Kommentar zu den 12 Punkten von Österreich an Aserbaidschan ab, da das "sicher nicht von alteingesessenen Österreichern stammen könne." Als hätte er die Schädel der Voter vermessen. Und die Tatsache, dass die Hälfte der Punkte von einer Jury vergeben wird, ist ihm anscheinend auch nicht bekannt.
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