Wegen Krim-Auftritt Kiew verhängt ESC-Verbot für russische Sängerin

Weil die Russin Julia Samoilowa 2015 in der von Moskau annektierten Krim auftrat, darf sie für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen. Und somit auch nicht am Eurovision Song Contest im Mai in Kiew teilnehmen.

Julia Samoilowa
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Julia Samoilowa


Der ukrainische Geheimdienst SBU hat der russischen ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa die Einreise verboten. Dadurch kann die 27-jährige Sängerin voraussichtlich nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) Mitte Mai in Kiew auftreten. Sie dürfe für drei Jahre nicht in die Ukraine einreisen, sagte Geheimdienstsprecherin Jelena Gitljanskaja der Agentur Interfax zufolge. Die Entscheidung sei aufgrund von früheren Verstößen gegen ukrainische Gesetze getroffen worden.

Anlass ist ein aus Kiewer Sicht illegaler Auftritt der Sängerin auf der Halbinsel Krim, die Russland 2014 annektiert hatte. Die Sängerin im Rollstuhl ist im Juni 2015 in der Stadt Kertsch auf der Krim aufgetreten. Reisen auf die Halbinsel über Russland sind seit der Annexion aber von ukrainischer Seite verboten und werden mit einer Einreisesperre geahndet.

Die Entscheidung dürfte das ohnehin seit Jahren schwer beschädigte Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine weiter belasten. Das Außenministerium in Moskau kritisierte den Schritt umgehend. "Das ist ein weiterer empörender, zynischer und unmenschlicher Akt der Kiewer Behörden", sagte Vizeaußenminister Grigori Karassin.

ESC-Veranstalter suchen nach Lösung

Die Veranstalter kündigten an, die Situation genau zu beobachten. Man wolle doch eine Lösung finden, damit Samoilowa an dem Wettbewerb teilnehmen könne, sagte der Sprecher der European Broadcasting Union, Dave Goodman.

Der früher als Grand Prix bekannte ESC soll laut Statuten unpolitisch sein. Die Halbfinale des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai, unter anderem mit der deutschen Teilnehmerin Isabella Levina Lueen.

Kritiker in Russland hatten bereits einen Boykott des ESC gefordert, sollte ihrer Sängerin die Einreise verboten werden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte solche Forderungen abgelehnt. Doch verfolge der Kreml die Entwicklungen genau, hatte er gesagt.

Die Stimmung zwischen Moskau und Kiew ist seit 2014 angespannt. Die Einverleibung der Krim und der Krieg zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten im Donbass belasten die Beziehungen massiv. Beide Seiten haben sich gegenseitig mit Sanktionen überzogen.

Der russische Senator und Außenexperte Alexej Puschkow äußerte sich auf Twitter: Samoilowas Einreiseverbot in die Ukraine sei zu erwarten gewesen, von Anfang habe die Ukraine einen Skandal-Kurs eingeschlagen. "Kiew verfolgt das Prinzip: je schlimmer, desto besser." Der in Russland für den ESC zuständige Erste Kanals teilte mit, die Ukraine habe die Gelegenheit verpasst, sich "zivilisiert" im Umgang mit der Teilnehmerin aus Russland zu verhalten. "Das ist sehr schade."

Samoilowa leidet an einer seltenen Erkrankung. Seit ihrer Kindheit sitzt sie im Rollstuhl. Sie wurde 2013 als Teilnehmerin einer russischen TV-Show bekannt und sang bei der Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi 2014.

mho/heb/dpa



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