Eurovision Song Contest So hätten die Zuschauer entschieden

Oh-oh-oh schmetterte der Pole Michal Szpak beim ESC. Die Jury fand das schlecht, die Zuschauer großartig. Wer wäre also Sieger, wenn es nach dem Publikum ginge? Hier ist die Tabelle.

Der polnische Sänger Michal Szpak
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Der polnische Sänger Michal Szpak


Mehr Macht den Zuschauern: Ihre Stimmen hatten beim Eurovision Song Contest nach einer Reform in diesem Jahr mehr Gewicht als bei früheren Wettbewerben. Und das Publikum nutzte seine neue Macht, es brachte die Tabelle nach dem Juryvotum ganz schön durcheinander.

Über die erste Hälfte der Punkte entscheidet nach den neuen ESC-Regeln eine Fachjury des jeweiligen Landes. Die anderen Punkte werden entsprechend dem Publikumsvote vergeben, also gemäß den Stimmen der Zuschauer via Telefon, SMS oder App (lesen Sie hier mehr zur Reform).

Straften die Experten den polnischen Sänger Michal Szpak mit gerade mal sieben Punkten ab - er lag damit nach der ersten Hälfte der Punktvergabe nur auf dem vorletzten Platz -, sah das Publikum den Balladensänger ("Oh-oh-oh") weit vorn. Mit 222 Zuschauerpunkten kam der Pole, der mit seinen Wallehaaren, roter Frackjacke und Bärtchen so aussah, als sei er aus einem Musketier-Musical entlaufen, auf Platz 3. Im Gesamtergebnis schaffte er es so noch auf den achten Rang.

Wäre es nur nach den Zuschauern gegangen, hätte sich Jamala aus der Ukraine mit Platz 2 begnügen müssen. Sie sahen den russischen Teilnehmer Sergey Lazarev auf Platz 1 - die Juroren hatten ihn aber deutlich schlechter bewertet. Ein Umstand, der in den russischen Medien bereits für Verschwörungstheorien sorgt (lesen Sie hier mehr).

Hier sehen Sie, wie das ESC-Ranking aussehen würden, wenn das Publikum allein abgestimmt hätten - im Vergleich zum Endergebnis, das sich aus den Votes von Zuschauern und Jury zusammensetzt:

So sähe das ESC-Ergebnis ohne Jury-Vote aus

Land Platzierung nach Zuschauervote Platzierung nach Zuschauer- und Juryvote Verbesserung/Verschlechterung durch Juryvote
Russland 1 3 -2
Ukraine 2 1 +1
Polen 3 8 -5
Australien 4 2 +2
Bulgarien 5 4 +1
Schweden 6 5 +1
Armenien 7 7 0
Österreich 8 13 -5
Frankreich 9 6 +3
Litauen 10 9 +1
Serbien 11 18 -7
Aserbaidschan 12 17 -5
Lettland 13 15 -2
Ungarn 14 19 -5
Zypern 15 21 -6
Belgien 16 10 +6
Niederlande 17 11 +6
Italien 18 16 +2
Kroatien 19 23 -4
Georgien 20 20 0
Malta 21 12 +9
Israel 22 14 +8
Spanien 23 22 +1
Deutschland 24 26 -2
Großbritannien 25 24 +1
Tschechische Republik 26 25 +1

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wal/heb

insgesamt 133 Beiträge
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Adlatus 15.05.2016
1. Zuschauervotum? Siehe Jamie-Lee
Auf das Zuschauervotum ist auch kein Verlass. Jamie-Lee ist das beste Beispiel. Glatt durchgefallen, Note 6. Was bringt überhaupt ein Zuschauervotum, wenn man bis zu 20 mal ANRUFEN konnte für seinen Favoriten? Dre Pole war gesanglich das Letzte und ich dachte immer, Johnny Deep als Jack Sparrow steht auf der Bühne.
magic88wand 15.05.2016
2. Beim ESC wird nicht Musik gewählt ...
... sondern Länder und Politik. Die Jurys von Russland und der Ukraine straften sich gegenseitig ab mit Plätzen unter den letzten drei, deren Publikum sahen den jeweiligen Nachbarn aber unter den Spitzenplätzen. Es sieht also so aus, als hätten viele Jurys entweder Anweisungen "von oben" bekommen oder nach politischer Korrektness gehandelt. So sah die deutsche Jury Israel auf Platz 1, während das deutsche Wahlvolk das Land auf die unteren Ränge verwies.
Safiye 15.05.2016
3. Auch dieses System ...
... wird keinen gluecklich machen. Der ESC, liebe Russen, ist hoechst politisch. Die einen hat er den Sieg gekostet, den anderen den letzten Platz beschert. Ist doch egal ... lustig ist es trotzdem, nur sollte man ihn nicht fuer unpolitisch halten, das ist er nun garantiert nicht mehr seit Anfang der 90er, als der Osten hinzukam.
hasipapa 15.05.2016
4. Sauspiel oder Schauspiel
Der ESC wurde politisiert, das neue Wertungssystem durch Spannungsverschleppung vernichtet und durch die Vergrößerung der EU nach Australien seinem EU-Wert aberkannt. Was wäre wenn Australien gewonnen hätte? Käme der ESC dan morgens um fünf? Nun für mich war es nur 4,5 Stunden Lebensverlust ohne Wert. Von den Öffenlich-rechtlichen mit Gebührenzwang bezahlter kalter Krieg.
Safiye 15.05.2016
5. Musik ist eben ...
... nicht nur Geschmackssache, aber es zaehlen auch nicht nur schnoede Tore wie beim Fussball. Wir selbst, ich nehme mich gar nicht aus, fuehlen doch schon seit den 90ern, dass sich der ESC veraendert hat. Frueher war alles Friede, Freude und Eierkuchen (und langweilig). Man verstand bis auf Franzosen, Briten, Irlaender, Oesterreicher und manchmal Schweizer gar nichts, was die Teilnehmer da von sich gaben. War aber auch egal, weil eh' nur Fachjurys entschieden haben. Aber nur der Publikumsentscheid brachte es auch nicht, wie manche fast ostblockglaeubige Siege zeigten. Nun, also die Mischung, die aber keinen gluecklich machen wird. Vor allem interessiert mich, wie die Bevoelkerung einzelner Laender ein Lied eingeschaetzt haben. Mir gefiel am besten Australien, aber das war halt nicht politisch genug ... Und der Konflikt zwischen Russland und Ukraine schwelt jetzt weiter waehrend Deutschland - keineswegs Europa's Liebling - eben hinten rumkreucht. Nein, Jamie Lee war sicherlich keine Nummer 1, aber trotzdem besser als manches andere Liedchen ... Aber es entscheidet eben der Moment und der war nicht fuer sie ... Liedgut alleine ist selten entscheidend, aber nehmt es doch bitte nicht so bierernst. Irgendeiner muss verlieren, warum also nicht wir, wenn wir schon alle anderen Europaer staendig mit unserer Politik plattmachen ... Man muss nicht in allem Sieger bleiben. Hauptsache, wir werden Europameister, oder ... lol ?! Mein Tipp: Es wird in Kiew 2017 natuerlich einen ESC 2017 geben, nur "gemeindet" der grosse Nachbar es vorher noch ein ... tja, ist ein bisschen boese, denn dann haette ja Russland doch noch gewonnen (aeh !?)
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