SPIEGEL ONLINE: Oha. Werden Sie sich am Set einmischen?
Slash: Nein. Wir planen etwa zwei Filme pro Jahr. Aber dies ist unser erster, es dauerte lange, bis die Finanzierung stand, der Dreh verschob sich immer weiter - und fällt jetzt mit meiner Tour zusammen. Ich lasse mich per Computer auf dem Laufenden halten.
SPIEGEL ONLINE: Sie halten sich also komplett raus?
Slash: Nicht ganz. Neben einem guten Rockkonzert ist für mich das ultimative Entertainment-Erlebnis ein fesselnder Film mit einem ebensolchen Score - ich schreibe die Musik.
SPIEGEL ONLINE: Was dürfen wir erwarten? Psychedelische Orgel-Wolken wie in vielen Hammer-Filmen? Düstere Gitarrenriffs à la Black Sabbath?
Slash: Nein, keinen Rock - einen klassischen Score. Wir haben jemanden engagiert, dem ich Motive zuliefere, die er dann verarbeitet.
SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie auch noch ein drittes Solo-Album aufnehmen?
SPIEGEL ONLINE: Vor 25 Jahren erschien "Appetite for Destruction", das schon legendäre Debüt von Guns N' Roses - kurz darauf waren Sie ein Weltstar. Wie haben Sie die zweieinhalb Jahrzehnte in diesem Geschäft verändert?
Slash: Als Person? Nicht sehr. Ich habe Veränderungen eher erlebt: neue Bands, neue Beziehungen - und neue Autos. Naja, der ganze Scheiß eben. Mein sehr langer Drogentrip, meine unglücklich verlaufene Liebe zum Akohol, ich habe geheiratet und mich scheiden lassen, ich habe zwei Kinder bekommen und mit einer Myriade von Künstlern eine Myriade von Songs geschrieben. Aber ich mache einfach immer weiter, ich bin - wie soll ich das formulieren? - ein Getriebener. Und kein Mensch, der sich zurücklehnt, auf sein Leben schaut und darüber reflektiert, was geschehen ist.
SPIEGEL ONLINE: Trotzdem haben Sie 2007 eine Autobiografie veröffentlicht.
Slash: Die Arbeit daran hat weniger meine Sicht auf das Leben oder meine Wahrnehmung verändert, sondern es ging mir schlicht darum, meine Geschichte zu erzählen. In gewisser Hinsicht war das natürlich eine kathartische Erfahrung, weil ich darüber nachdenken konnte, wie Bands entstehen - und auseinanderfallen. Ich würde aber nicht unbedingt die Chance ergreifen, ein weiteres Buch zu schreiben. Ich wurde ja eher gedrängt.
SPIEGEL ONLINE: Von wem?
Slash: Von diesem Online-Sensationalismus, der die dümmsten Gerüchte und kleinsten Geschichtchen aufbläst. Ich wollte einige Missverständnisse ausräumen und dachte, ein Buch sei dafür der geeignete Weg. Und das hat ja auch funktioniert, der Rummel um dieses Thema hat sich gelegt.
SPIEGEL ONLINE: "Dieses Thema" ist eine hübsch distanzierte und diplomatische Formulierung. Sie sprechen über Guns N' Roses, Ihren ewigen Streit mit Sänger Axl Rose und gegenseitige Bezichtigungen und Indiskretionen.
Slash: Ja.
SPIEGEL ONLINE: Worüber Sie offenbar nicht reden wollen.
Slash: Genau. Nur so viel: Ich war schon verwundert über all diese Lügen. Das Web ist wie der verdammte Wilden Westen: lauter Zuhälter und Diebe, die frei herumlaufen.
SPIEGEL ONLINE: Sie nutzen es aber selbst auch.
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SPIEGEL ONLINE: Wirklich?
Slash: Ja, als Werkzeug. Ich bin definitiv der Ansicht, das es nicht die gesündeste Sache der Welt ist, sich ständig im Netz aufzuhalten.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben eben ein paar heikle Punkte angesprochen: Scheidung, den Zerfall von Guns N' Roses, Drogenmissbrauch, Alkoholsucht. Empfinden Sie auch Reue?
Slash: Nein, ich bin kein Mensch für Reue. Shit happens.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind trockener Alkoholiker. Warum haben Sie eigentlich aufgehört zu saufen?
Slash: Ich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich aus dem Trinken nichts mehr ziehen konnte, es wurde zum Hindernis. Alles ist Spiel und Spaß, bis du wirklich ein Suchtproblem hast. Sich selbst zu versklaven ist armselig.
SPIEGEL ONLINE: Sie konnten nicht mehr in den Spiegel schauen?
Slash: Darum ging es weniger. Der Alkohol war nur noch eine Krücke, er spannte eine Art unsichtbares Sicherheitsnetz. Er ist nicht sonderlich hilfreich, wenn man etwas erreichen, erschaffen oder verändern will. Ich war in einer der größten Rockbands des Planeten, dann musste ich mich irgendwann allein durch mein Leben navigieren. Und ich wollte mich selbst ernst nehmen können - und auch, dass andere Menschen mich ernst nehmen.
SPIEGEL ONLINE: Hat es lange gedauert vom Trinken loszukommen?
Slash: Schon eine Weile, ja. Der Prozess des Verstehens dauert.
SPIEGEL ONLINE: Waren Sie allein?
Slash: Nein. Ich bin in die rehab gegangen, einen Monat lang. Aber eher, um einen Ort zu haben, wo ich meinen Kopf klar kriegen konnte.
SPIEGEL ONLINE: Und heute? Fehlt Ihnen der Rausch nicht manchmal?
Slash: Wenn ich mich dazu entscheiden sollte, den Alkohol zu vermissen: Unten gibt es eine Hotelbar.
Das Interview führte Thorsten Dörting
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