Varg Vikernes unter Terrorverdacht: Der braune Kopf des Black Metal

Eine der finstersten Figuren der Heavy-Metal-Szene sorgt erneut für Schlagzeilen: Varg Vikernes ist in Frankreich festgenommen worden. Der verurteilte Mörder, Chef des Bandprojekts Burzum und Vordenker der neoheidnischen Rechten, steht unter Terrorverdacht.

Black-Metal-Musiker Vikernes über Anders Breivik: "Christlicher Verlierer" Zur Großansicht
AFP

Black-Metal-Musiker Vikernes über Anders Breivik: "Christlicher Verlierer"

Bei wenigen Musikern aus dem mittlerweile weit verzweigten, aber auch in seinen vielen Nuancierungen noch immer oft mit düsterer und auch blutiger Symbolik spielenden Genre des Heavy Metal dürfte ihr Image so sehr mit der Realität übereinstimmen wie bei Kristian "Varg" Vikernes, dem wegen Mord und mehrfacher Brandstiftung verurteilten Black-Metal-Musiker. Am Dienstag ist der mittlerweile in Frankreich lebende Norweger nun in seiner neuen Heimat verhaftet worden - er steht unter Terrorverdacht.

In einer Stellungnahme des Innenministeriums in Paris hieß es, der 40-Jährige sei "imstande gewesen, einen großangelegten terroristischen Akt vorzubereiten". Mit der Verhaftung einher ging eine Durchsuchung des Hauses in Salon-la-Tour, in dem Vikernes zusammen mit seiner Ehefrau, einer Französin, und den drei Kindern des Paars lebt.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat Anfang des Monats Vorermittlungen gegen Vikernes eingeleitet, überwacht von den französischen Behörden wurde er schon länger. Unmittelbarer Grund für die Aktion des Inlandsgeheimdienstes am Dienstag war nun unter anderem, dass seine 25 Jahre alte Ehefrau, die Mitglied eines Schützenvereins sein soll, Waffen gekauft hat - wenn auch auf legalem Weg. Bei der Durchsuchung des gemeinsamen Hauses am Dienstag sollen fünf Schusswaffen beschlagnahmt worden sein, darunter vier Karabiner.

Ein Mord und neoheidnischer Eso-Müll

Besondere Brisanz gewinnt die Festnahme dadurch, dass Vikernes einer der Adressaten des rassistischen "Manifestes" war, das der norwegische Attentäter Breivik geschrieben hatte, bevor er bei zwei Anschlägen im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen in Norwegen tötete. In dem Text legte Breivik sein fremdenfeindliches Weltbild dar, das in seinen Grundzügen einiges mit dem von Vikernes gemein hat - wenngleich der Breivik als "christlichen Verlierer" verspottete, der mehr Norweger als Muslime getötet habe.

Vikernes' sowohl kriminelle als auch musikalische Karriere nahm ihren Anfang, als sich Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger in Norwegen das Subgenre Black Metal voll ausbildete, das sehr bald weltweit Schlagzeilen machen sollte. Der norwegische Black Metal paarte Todesästhetik in Schwarzweiß mit einem bis dahin nie gehörten, nihilistisch gebrochenem Ambient-Sound. Bandprojekte wie Vikernes' Burzum, Darkthrone oder Mayhem setzten auf Low-Fi-Produktionen, nahmen teilweise Gesangspuren nur mit Headset auf. Einige Musiker vermischten diese dann mit Songtexten voller völkischer, krypto-faschistischer Symbole, neoheidnischem Eso-Müll, Anti-Christianismus und Anti-Amerikanismus.

Kurz darauf begannen einige Szenemitglieder sogar, ihre krude ideologische Weltanschauung in die Wirklichkeit übertragen zu wollen - und fackelten mittelalterliche Kirchen in Norwegen ab. Und andere töteten Menschen: So wie Kristian Vikernes, Kopf von Burzum, der im August 1993, also vor fast genau 20 Jahren, seinen Musikerkollegen Øystein "Euronymous" Aarseth von der Band Mayhem mit einem Messer niedermetzelte.

"Eine potentielle Gefahr für die Gesellschaft"

Wegen der Ermordung seines Freundes mit mehr als 20 Messerstichen wurde der damals 21-jährige Vikernes schließlich zu 21 Jahren Haft verurteilt, von denen er 16 absaß. Während seiner Haftzeit und auch danach veröffentlichte Vikernes weiterhin Musik unter dem Bandnamen Burzum. Und er äußerte sich auch wiederholt und mit Eifer zu politisch-gesellschaftlichen Themen - wobei er sich ganz offensichtlich ideologisch ungeläutert zeigte - im Gegenteil.

Seine Tat und seine Thesen waren unter anderem dafür verantwortlich, dass sich ein Untergrund-Genre namens National Socialist Black Metal bildete, das allem vor in Osteuropa und in Ostdeutschland seine Basis hat. Nach seiner Entlassung im Jahr 2009 zog Vikernes nach Frankreich.

Die französischen Ermittler zeigten sich nun offenbar besonders besorgt wegen fremdenfeindlicher und antisemitischer Kommentare des Norwegers im Internet. Das Innenministerium erklärte, diese Äußerungen seien gewalttätig und ein Zeichen dafür, dass Vikernes "eine potentielle Gefahr für die Gesellschaft" sei. Eine bemerkenswerte Erkenntnis.

tdo/AFP/Reuters

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Sag bloß...
fledermausmann 16.07.2013
Ein (ungeläuterter) Mörder ist meines Erachtens immer eine Gefahr für die Gesellschaft.
2. Bushido, Vikernes
ernesto c 16.07.2013
... die Zahl der geistig Verwirrten nimmt zu ...
3.
homerjay81 16.07.2013
daß er relativ wirre und explizit antisemitische politische Ansichten hat ist seit längerem bekannt. Deshalb und weil seine Frau sich legal Waffen gekauft hat werden sie ihn allerdings nicht lange einsperren können. Ich wüsste zumindest nicht, daß verrückte politische Meinungen in Frankreich unter Strafe stehen.
4. Deutschland: 80 Millionen Terrorverdächtige
EvilGenius 16.07.2013
---Zitat--- Der verurteilte Mörder, Chef des Bandprojekts Burzum und Frontmann der neoheidnischen Rechten, steht unter Terrorverdacht. ---Zitatende--- Heutzutage steht jeder unter Terrorverdacht, dazu braucht man weder Mörder zu sein, noch einer Band anzugehören.
5.
_derhenne 16.07.2013
Vorsicht beim wilden Vermischen von Anschuldigungen und Musikstilen in Texten, man kann damit auf einen Schlag 99% Hörer bestimmter Musik verleumden bzw. in Verruf bringen. Black Metal, und Metal allgemein, hat mit Politik und Rassismus erstmal nichts zu tun. Das ist als würde man eine Beziehung zwischen Baseball und rechtsextremen Schlägertrupps herstellen wollen.
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