"Bodenlose Sauerei" Rechtsrockband Frei.Wild sagt Echo-Teilnahme ab

Einer Teilnahme von Frei.Wild beim Echo stand nichts mehr im Weg. Der eigens geschaffene Musikpreis-Ethikrat hatte eine Nominierung gebilligt. Doch die Band forderte eine Diskussion über ihren Ausschluss 2013. Die gab's nicht - nun kommen sie gar nicht.

DPA/ Holger Fichtner/ 360graddesign.com

Hamburg/Berlin - Die umstrittene Deutschrockband Frei.Wild will trotz einer Nominierung nicht zum Musikpreis Echo kommen. Aufgrund des Erfolgs ihres aktuellen Albums "Still" ist die Südtiroler Formation für den Echo 2014 in der Kategorie "Rock / Alternative National" nominiert. Der Echo wird am 27. März in Berlin verliehen.

Frei.Wild waren nach Protesten 2013 von der Nominierungsliste für den deutschen Musikpreis gestrichen worden. Mitbewerber hatten der Gruppe eine Nähe zur rechten Szene unterstellt und mit Boykott gedroht. Die Band, dessen Sänger Philipp Burger Anfang der Nullerjahre bei einer rechtsradikalen Skinhead-Band sang, hat extremistische Tendenzen stets bestritten. Sie ordnet sich selbst als als "überzeugt von bestimmten konservativen Werten" ein. In einem ihrer Songs heißt es: "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat / Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk".

Nach der Kontroverse um die Nominierung der Rechtsrockband setzte der Echo-Veranstalter dieses Jahr einen "neutralen und unabhängigen" Ethik-Beirat ein, wie es auf der Website des Bundesverbands der Musikindustrie heißt, der den Echo ausrichtet.

Grenze zum Unvertretbaren nicht überschritten

Dieser Beirat beschloss "nach langer und intensiver Diskussion und Abwägung aller Gesichtspunkte" am 19. Februar, dass auf dem Frei.Wild-Album "Still" insgesamt "die Grenze vom künstlerisch Vertretbaren zum gesellschaftlich völlig Unvertretbaren nicht überschritten sei". Der Konzertveranstalter Berthold Seliger kritisierte, der Beirat habe einer "rechts-nationalistischen Band" einen "Persilschein für weitere Echo-Teilnahmen" ausgestellt und kommentierte ironisch: "Lang lebe die Ethik, wie sie der Bundesverband der Deutschen Musikindustrie interpretiert!"

Die Band selbst hat nun erklärt, auf die Teilnahme an dem Musikpreis gänzlich zu verzichten. Die Entscheidung von 2013, Frei.Wild von der Liste der Nominierten zu streichen, sei eine "bodenlose Sauerei" gewesen, heißt es in einem Statement, das die "Bild"-Zeitung vollständig veröffentlicht hat. Man habe angeboten, mit den Echo-Verantwortlichen "die Sache auszudiskutieren", doch darauf seien diese nicht eingegangen.

Es sei keiner sauer oder verstimmt, aber einen solchen Preis wolle man nicht. "Die Veranstaltung ist so lange heuchlerisch, verlogen und eigentlich dem Untergang geweiht, bis die Verantwortlichen den Mut aufbringen können, so wie jeder vernünftige Mensch, zu seinen Fehlern zu stehen, daraus zu lernen und den verursachten Schaden in angemessener Art und Weise wieder gut zu machen", heißt es in dem Frei.Wild-Statement.

twi/dpa



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