Rechtsstreit um Rechtsrock: Naziband wirft Frei.Wild Plagiat vor

Da bekommt der Begriff Urheberrecht eine ganz neue Bedeutung: Ein Mitglied der rechtsextremen Band Stahlgewitter hat Frei.Wild verklagt. Die Südtiroler Formation - ihrerseits wegen rechter Gesinnung umstritten - soll einen Gitarrenriff geklaut haben.

Rechtsstreit um Rechtsrock: Frei.Wild versus Stahlgewitter Fotos
Getty Images

Hamburg: Der Neonazi Jens Ulrich H., Mitglied der rechtsextremen Band Stahlgewitter, will in einem Song von Frei.Wild eine Urheberrechtsverletzung entdeckt haben: In "Schenkt uns Dummheit, kein Niveau" von dem Album "Gegengift" (2010) taucht ein Gitarrenriff auf, das angeblich aus dem Stahlgewitter-Song "Auftrag Deutsches Reich" stammt.

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" verhandelt das Hamburger Landgericht die Klage des Nazi-Rockers. Die Zeitung zitiert ein von H. beauftragtes Gutachten, derzufolge Frei.Wild die Passage in dem Song "unverkennbar übernommen" habe. Eine "zufällige Doppelschöpfung" halte der Gutachter für unwahrscheinlich. Tatsächlich macht die entsprechende Stelle in beiden Songs nur ein paar Sekunden aus - die aber ähneln sich frappierend.

Als Komponist des Frei.Wild-Songs firmiert Sänger und Frontmann Philipp Burger, der eine Vergangenheit als Sänger in der rechtsextremen Skinhead-Band Kaiserjäger hat. Frei.Wild hat durch einen Sprecher verlauten lassen, dass sie weder den Song, aus dem sie angeblich kopiert habe, noch die Band Stahlgewitter überhaupt kenne.

Hoffnung auf Teilhabe am Frei.Wild-Erfolg

Frei.Wild, die eine ideologische Nähe zu Neonazis immer von sich gewiesen haben, gelten Kritikern als Speerspitze einer nationalistisch-rechtspopulistischen Rockkultur in Tradition der Böhsen Onkelz. Eine Echo-Nominierung, die die Südtiroler Band im Frühjahr erhielt, wurde nach Protesten zurückgezogen. Frei.Wilds aktuelles Album "Feinde deiner Feinde" schaffte es Anfang Mai an die Spitze der deutschen Albumcharts.

Die Formation Stahlgewitter, die in ihren Texten den Nationalsozialismus verherrlichen und Antisemitismus predigen, gehören ihrerseits zu den Stars der Nazirock-Szene. Ihre CDs sind indiziert und dürfen nicht öffentlich verkauft werden.

Das Gutachten über das angebliche Plagiat datiert vom Oktober 2010. Das von Jens Ulrich H. bereits 2011 angestrengte Verfahren erhält angesichts der rasanten Karriere der Beschuldigten neues Gewicht. Womöglich hofft der Neonazi an dem finanziellen Erfolg von Frei.Wild teilhaben zu können.

Eine wohl nicht allzu berechtigte Hoffnung. Laut "Süddeutsche" hat ein vom Gericht bestellter Zweitgutachter den Plagiatsvorwurf zurückgewiesen: Das von Frei.Wild mutmaßlich kopierte Gitarrenriff sei für die entsprechende Passage nicht wesentlich - und daher läge keine Urheberrechtsverletzung vor. Dennoch wird es in dem Verfahren zur mündlichen Verhandlung kommen - und zwar am 18. Juli 2013, wie das Landgericht Hamburg SPIEGEL ONLINE bestätigte.

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